fff_RUEFFER_20200830_R17_4c_2
+
Volle Gassen in Alt-Sachsenhausen wie vor zwei Monaten gehören momentan der Vergangenheit an. foto: rüffer

Corona-Maßnahmen

Wirtsleute in Alt-Sachsenhausen schlagen Alarm

  • vonStefanie Wehr
    schließen

Die Kneipen und Clubs im Ausgehviertel leiden zunehmend unter der Sperrstunde. Sie befürchten, dass diese auch nach dem Ende der Corona-Pandemie weiterhin Bestand haben könnte.

"Wie sollen wir das schaffen?", fragt sich Jürgen Vieth. Der Gastronom und Betreiber mehrerer Lokale und Bars im Ausgehviertel Alt-Sachsenhausen ist verzweifelt. Die Sperrstunde von 23 Uhr droht den Wirten den Garaus zu machen. Denn in Alt-Sachsenhausen gehen die Gäste selten überhaupt erst vor 23 Uhr aus. Ab 23 Uhr gilt in der Großen und der Kleinen Rittergasse, der Frankensteinerstraße, Paradiesgasse mit Paradieshof, in der Klappergasse, am Neuen Wall und auf dem Affentorplatz zudem Alkoholverbot. Immer weniger Gäste kommen deshalb ins Party-Viertel.

Wirte befürchten Umwandlung in dauerhafte Sperrstunde

Die Corona-bedingte Sperrzeit, die stadtweit vorerst bis 31. Oktober gilt, ist ein großes, aber nicht das Hauptproblem, stellt Vieth klar. "Gegen Coronaschutz-Maßnahmen haben wir erst einmal nichts einzuwenden." Aber die Wirte befürchten, dass die 23-Uhr-Sperrstunde über Monate verlängert wird und dann, wenn die zweite Corona-Welle abgeklungen ist, in eine dauerhafte frühe Sperrstunde umgewandelt wird. Denn die Diskussion darüber wird in der Stadtpolitik geführt. Von einer Sperrstunde um 1 Uhr früh oder Mitternacht ist die Rede. Grund sind die zunehmende Gewalt und Krawalle, die zuletzt zu Auseinandersetzungen mit der Polizei geführt hatten.

Immer weniger Gäste wegen Corona

Besonders die Clubs, die ohnehin seit Monaten geschlossen sind, wären davon künftig hart getroffen. Der Betreiber des "Ponyhofs" in der Klappergasse, Thomas Winterscheid, sorgt sich um die drohende verfrühte Sperrstunde. "Ich kann meinen Laden nicht um 23 Uhr auf- und um 2 Uhr wieder zumachen. Das wäre das Ende."

Die neue Corona-Sperrstunde ab 23 Uhr sei hart genug, sagt Jürgen Vieth. "Wir hatten uns gerade etwas erholt. Nun wird es aber wieder schwieriger, uns über Wasser zu halten." In Vieths Restaurants "Froschkönig" und "Frau Rauscher" kamen an den vergangenen Abenden gerade so die Personalkosten rein. "Wenn um 23 Uhr Schluss sein muss, dann kann der Gast nicht bis 23.30 Uhr sein Bier austrinken. Wenn die Leute also wissen, dass sie um Punkt 23 Uhr gehen müssen, dann gehen sie eher schon früher nach Hause."

Strenge Einhaltung der Regeln bedarf ausreichend Personal

Schwieriger werde es ab jetzt, die Hygieneregeln einzuhalten. Bisher haben im "Oberbayern" die Security-Mitarbeiter am Eingang das Ausfüllen der Adresszettel gemanagt. Wenn aber nur bis 23 Uhr geöffnet ist, kann Vieth nicht mehr so viel Security-Personal einsetzen. Die Adresszettel müssten aber akribisch ausgefüllt werden und dazu brauche es jemanden, der sich kümmert. Viele Gäste schreiben unleserlich, wofür die Gastronomen haften müssen. "Wir werden mehrmals die Woche auf die Einhaltung der Regeln kontrolliert und mussten schon Strafen zahlen", schildert Vieth. Von einer generellen frühen Sperrstunde im Party-Viertel hält der Sachsenhäuser Uwe Schulz, FDP-Stadtverordneter und Mitglied des Ortsbeirats 5, nichts. "Das bringt nichts", sagt der rechtspolitische Sprecher der Frankfurter Freidemokraten. "Wer Krawall machen will, macht das auch schon um Mitternacht. Für die Wirte und Clubbetreiber wäre die Sperrstunde das Aus. Wir brauchen aber das Vergnügungsviertel", sagt Schulz.

Kneipenbetreiber planen gemeinsame Aktion

"Wenn alle Gäste um Punkt 1 Uhr die Kneipen und Clubs verlassen und auf der Straße stehen, birgt das ein größeres Aggressionspotential, als wenn sie nach und nach gehen", sagt Jürgen Vieth. Die Leute würden betrunken in andere Viertel weiterziehen. Winterscheid, Vieth und der Betreiber der Kneipe "Klapper-33" planen demnächst eine Aktion, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Stefanie Wehr

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare