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Neuer Weg zu günstigerem Wohnen in Frankfurt - Massive Mietsteigerungen verhindert

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Von: Dennis Pfeiffer-Goldmann

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Erstmals vermittelt die städtische Agentur einen Mehrfamilienhaus-Verkauf in die Gemeinnützigkeit.

Frankfurt - Zum ersten Mal hat die Stadt Frankfurt als Vermittlerin günstige Mieten in einem Mehrfamilienhaus auf Dauer gesichert. Über die Genossenschaftliche Immobilienagentur (Gima) fädelte sie den Verkauf des Gebäudes mit zwölf Wohnungen im Ostend vom Privateigentümer an eine gemeinnützige Genossenschaft ein. Das verhindert massive Mietsteigerungen - die die Stadt allerdings sogar selbst verursacht hätte.

Das Haus in der Luxemburgerallee im Ostend hat seinerzeit Annegret Fleischers Vater gebaut, just im Jahr ihrer Geburt vor 71 Jahren. Ihren richtigen Namen mag sie nicht in der Zeitung lesen. Nun, im Ruhestand, wollen Annegret Fleischer und ihre Schwester das Elternhaus verkaufen. "Eine niedrige Miete war immer das Ziel unsere Vaters, damit die Leute langfristig bleiben", sagt Fleischer. So kam für die Schwestern nur ein Käufer in Frage, der das sicherstellt. Drei Kaufinteressenten versprachen auch genau das.

Ostend Frankfurt: „Dann hätte der neue Eigentümer die Mieten verdoppeln müssen“

Doch alle drei Versuche platzten: Mit dem Übergang des Erbbaurechts hätte die Stadt den uralten und sehr niedrigen Pachtzins massiv erhöht, orientiert an heutigen Bodenrichtwerten. "Dann hätte der neue Eigentümer die Miete verdoppeln müssen", erläutert Annegret Fleischer. Das wollte sie den 16 Bewohnern im Haus, die treueste Mieterin lebt seit 25 Jahren dort, nicht antun.

Die Mieter der zwölf Wohnungen im Gebäude in der Luxemburgerallee in Frankfurt können aufatmen. Die Mieten bleiben für sie bezahlbar
Die Mieter der zwölf Wohnungen im Gebäude in der Luxemburgerallee in Frankfurt können aufatmen. Die Mieten bleiben für sie bezahlbar © Peter Jülich

Dank einer Zeitungsnotiz kam sie in Kontakt mit der Ende 2021 gegründeten, städtischen Agentur Gima. Diese soll "faire Verkäufe ermöglichen, um Mietern langfristig bezahlbaren Wohnraum" zu sichern, erklärt Wohnungsdezernent Mike Josef (SPD). Es sei nicht nur wichtig, dass in der Stadt neue Wohnungen gebaut würden, sondern die Stadt müsse auch "bezahlbare Bestandsmieten sichern". Solche "sozialverträglichen Hausverkäufe" tätigen Gima-Vorstand Robin Mohr und sein Team nicht selbst: Die Agentur bringt Verkaufs- und Kaufwillige zusammen. Dabei sollen laut Josef möglichst viele Verkäufe in gemeinnützige Hände gehen.

So wie in der Luxemburgerallee: Dort wurden sich die Fleischers mit dem Beamten-Wohnungs-Verein (BWV) einig. Vor einigen Tagen wechselte das Haus mit zwölf Wohnungen den Besitzer. Die 123 Jahre alte Genossenschaft hält 1400 Wohnungen vor allem in Bornheim und dem Ostend. Mit durchschnittlich 6,70 Euro je Quadratmeter sei sie "der günstigste Vermieter in Frankfurt", sagt Vorstand Martin Neckel.

Wohnen in Frankfurt: Stadt will Erbbauzinsen wieder senken

Ins Portfolio passte das Fleischer-Haus perfekt, doch drohte der Erbbauzins auch dieses Geschäft platzen zu lassen. "Harte und zähe Verhandlungen" mit der Stadt seien nötig gewesen, erklärt Neckel. Dass die "gravierende Erhöhung" des Pachtzinses den Kauf "nicht mehr wirtschaftlich" ermöglicht hätte, räumt Immobiliendezernentin Sylvia Weber (SPD) ein. "Eine exorbitante Mietsteigerung" als Folge sei aber nicht Ziel der Stadt. Lösung: Die Stadt verlange nur "einen fairen Zinssatz". Um wie viel sie ihn gesenkt hat, mag Weber nicht sagen. Im Gegenzug hat sich der BWV verpflichtet, von Luxussanierungen abzusehen und für immer bezahlbare Mieten anzubieten.

Stadträtin Sylvia Weber, die ehemalige Hausbesitzerin, Robin Mohr (GIMA) und Stadtrat Mike Josef (von links) freuen sich, dass der Beamten-Wohnungs-Verein das Gebäude übernommen hat.
Stadträtin Sylvia Weber, die ehemalige Hausbesitzerin, Robin Mohr (GIMA) und Stadtrat Mike Josef (von links) freuen sich, dass der Beamten-Wohnungs-Verein das Gebäude übernommen hat. © Peter Jülich

Das Grundproblem wolle die Koalition aus Grünen, SPD, FDP und Volt "bis Ende des Jahres" lösen, sagt die Dezernentin. Das stehe im Koalitionsvertrag. Eine ämterübergreifende Arbeitsgruppe erarbeite eine Novellierung der Erbbauzins-Regelungen. Die wurden zum Problem, seit die Stadtverordneten 2016 den Zinssatz an die in Frankfurt hohen und massiv steigenden Bodenrichtwerte koppelten. Wird seither einer der 5000 Verträge nach Ablauf oder Verkauf erneuert, greifen die höheren Zinsen von bis zu 2,5 Prozent - ein bundesweiter Spitzenwert.

Bis es die Neuregelung für alle gebe, stehe die für das Pilotprojekt gefundene Lösung "prinzipiell jedem offen", beteuert Sylvia Weber. Der Verkauf ist der erste von der Gima vermittelte. Auf zwei weitere hofft Vorstand Mohr für dieses Jahr noch.

Neue Wege der Stadt Frankfurt gegen Mietexplosionen: Schweigen über Preis der Ostend-Immobilie

Obschon der BWV noch dieses Jahr das Fleischer-Haus wärmedämmen will, blieben die Mieten unverändert, kündigt Martin Neckel an. Sollte der BWV die Mieten erhöhen, würde auch der Pachtzins steigen, steht im Vertrag mit der Stadt. Allerdings lägen die Mieten im Haus auch schon etwas höher als im Bestand.

Wie viel Geld letztlich an die Fleischers floss, bleibt zwar geheim. Der Preis habe aber nur "leicht darunter" gelegen, was das Verkehrswertgutachten aufrief. Dass sie gutes Geld einnehmen konnte, räumt Annegret Fleischer ein. "Natürlich hätte ich noch viel mehr bekommen können", sagt sie. "Aber mir war es eben wichtig, dass die Leute in dem Haus wohnen bleiben können." So wie auch sie selbst. (Dennis Pfeiffer-Goldmann)

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