So wie hier in der Schäfergasse 16 in Frankfurt sehen auffällige Baulücken aus. Doch oft können sie nur schwer erschlossen werden.
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So wie hier in der Schäfergasse 16 in Frankfurt sehen auffällige Baulücken aus. Doch oft können sie nur schwer erschlossen werden.

Stadtentwicklung

Baulücken an jeder Ecke: Warum die Stadt trotz Wohnraummangel nichts dagegen tun kann

  • vonSarah Bernhard
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430 Baulücken gibt es in der Stadt. Doch sie zu schließen, würde auch nicht helfen, den Wohnungsmangel zu bekämpfen.

  • Die Mieten in Frankfurt sind hoch, der Wohnraum ist knapp.
  • Trotzdem gibt es in der Stadt viele Baulücken
  • Doch das Baudezernat kann nichts dagegen machen

Frankfurt - Einen einzigen roten Punkt zeigt der Baulückenatlas der Stadt Frankfurt noch in der Innenstadt. Die Schäfergasse 16, ein kleines Grundstück, eingequetscht zwischen zwei mehrstöckigen Häusern, 193 Quadratmeter, erschlossen, versteckt hinter Plakatwänden. Der letzte Bauantrag ist aus dem Jahr 1950, zwei Jahre später wurde er genehmigt, gebaut wurde nie.

Warum, das weiß man auch im Planungsdezernat nicht, der Baugrund gehört einer Privatperson. So wie die meisten der rund 430 Lücken-Grundstücke im Stadtgebiet, auf denen es möglich wäre, Wohnungen zu bauen. „Meistens gibt es aber Gründe für eine fehlende Bebauung“, sagt Mark Gellert, Sprecher von Planungsdezernent Mike Josef (SPD). Denn an sich ist die Nachfrage nach Wohnungen in Frankfurt hoch, der Boden viel wert. „Die Grundstücke haben entweder keinen guten Zuschnitt, so dass das Bauschema F nicht funktioniert, oder die Eigentümer sind überfordert beziehungsweise Erbengemeinschaften zerstritten“, sagt Gellert.

Frankfurt: Baugebot sollte gegen Leerstand und Baulücken helfen

Abhilfe soll eigentlich das sogenannte Baugebot schaffen. Mit diesem Instrument aus dem Baugesetzbuch kann eine Kommune die Grundstücksbesitzer dazu verpflichten zu bauen, wenn es „dringende städtebauliche Gründe“ dafür gibt. Darunter fällt zum Beispiel, dass durch Lückenschluss kein neues Bauland am Stadtrand erschlossen werden muss. Oder dass „ein dringender Wohnbedarf der Bevölkerung“ besteht - was in Frankfurt durchaus der Fall ist.

Doch was sich gut und nützlich anhöre, sei so einfach nicht, sagt Marcus Gwechenberger, Referent des Planungsdezernenten. „Eigentum ist in der Bundesrepublik ein sehr hohes Gut. Deshalb gelten für Eingriffe ins Eigentum sehr hohe rechtliche Hürden.“ Sobald der Grundstückseigner zum Beispiel glaubhaft darlegen könne, dass der Grund als Baugrundstück für die Kinder gedacht sei, sei die Stadt mit ihrer Handhabe am Ende. Und natürlich würden sich Betroffene in der Regel gerichtlich wehren. Weder seine Kollegen von der Bauaufsicht noch vom Stadtplanungsamt könnten sich erinnern, dass das Baugebot in den vergangenen Jahren überhaupt angewandt worden wäre. In anderen Städten sei die Situation ähnlich.

Trotz aller Sinnhaftigkeit: In Frankfurt würde sich die Durchsetzung des Baugebots kaum lohnen. Knapp 2000 Wohnungen könnten entstehen, wenn alle bestehenden Baulücken geschlossen würden. Allein auf dem ehemaligen Siemens-Gelände am Westbahnhof, dem Schönhofviertel, werden bald mehr als 2000 Wohnungen gebaut - ohne 430 einzelne Beteiligte, langwierige Gerichtsprozesse und -kosten.

Frankfurt: Land schaffte wichtiges Gesetz gegen Leerstand ab

Frankfurts Problem ist laut Gwechenberger folgerichtig denn auch ein anderes: der Leerstand bereits bestehender Bauten. „Ein Zweckentfremdungsverbot würde uns viel mehr helfen als das Baugebot“, sagt er. Doch das Zweckentfremdungsverbot hat das Land Hessen im Jahr 2004 abgeschafft. Leerstehende Häuser werden also, genauso wie Baulücken, Frankfurts Gesicht auch weiterhin prägen. Zudem: Die Baulücken im Stadtgebiet sind ungleich verteilt. In der Altstadt gibt es keine einzige, die sie umgebenden Stadtviertel sind ebenfalls relativ lückenlos bebaut - logisch, dort ist die Nachfrage nach Wohnraum besonders hoch. Zudem gebe es dort viele größere Flächen, die zusammenhängend neu beplant wurden, etwa das ehemalige Degussa-Gelände, sagt Marcus Gwechenberger. Je randlagiger, desto mehr Baulücken tun sich auf.

Frankfurt: In manchen Stadtteilen gibt es keine einzige Baulücke

Besonders viele gibt es etwa in Nieder-Erlenbach, Berkersheim, Bergen-Enkheim oder in Sachsenhausen. Ein Stadtteil jedoch widersetzt sich diesem Trend: der Frankfurter Berg, wo es, wie in der Altstadt, keine einzige Baulücke mehr gibt. Hier würden viele Gründe wirksam, so Gwechenberger: Alle, die dort einen Bauplatz für ein Einfamilienhaus kauften, hätten auch gebaut. Bei den Hochhäusern seien Baulücken nicht möglich gewesen. Und auch die ehemaligen Flächen der US-Armee seien systematisch bebaut worden. Lediglich in der Nähe des S-Bahnhofs Frankfurter Berg habe es vor zehn Jahren noch unbebauten Grund gegeben. Mittlerweile seien aber auch diese Baulücken geschlossen worden. Von Sarah Bernhard

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