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Zwischen Praunheim, Nordweststadt (rechts) und Steinbach soll beiderseits der Autobahn 5 im Nordwesten der Stadt ein neuer Stadtteil entstehen. Er könnte 20 Prozent des Wohnungsbedarfs decken.

Stadtentwicklung

Neues Konzept: Weitere 70 000 Wohnungen müssen gebaut werden

Erstmals in der Geschichte gibt es für Frankfurt ein umfassendes Stadtentwicklungskonzept. Planungsdezernent Mike Josef (SPD) hat es am Montag vorgelegt. Damit ist klar, wo die Stadt um 90 000 Wohnungen wachsen kann bis Ende des nächsten Jahrzehnts.

Frankfurt - Beinahe auf den Tag genau fünf Jahre haben die Fachleute im Stadtplanungsamt gebraucht. Unzählige Untersuchungen haben sie gemacht und in Auftrag geben, Gespräche mit Interessen- und Behördenvertretern erledigt, sich mit zehn anderen Stadt-Ämtern abgestimmt und viermal im Jahr 2016 in "Stadtdialog"-Foren die Ideen und Wünsche der Bürger eingeholt.

Herausgekommen ist auf 68 Seiten das, was die Stadtverordnetenversammlung im Mai 2014 beauftragt hatte: das umfassende Stadtentwicklungskonzept "2030+". Das soll weit länger wirken: "Wir werden alle paar Jahre überprüfen, was umgesetzt wurde", erklärt Mike Josef (SPD). Der Planungsdezernent verspricht: "Wir werden das nicht abheften." Es sei "der große Wurf".

Frankfurt: Der Pfingstberg fehlt

Dabei hatte es zuletzt Streit innerhalb der Römerkoalition gegeben - ausgelöst dadurch, dass auch der Pfingstberg zwischen Nieder-Eschbach und Nieder-Erlenbach auf der "Strategiekarte" ganz am Ende des Konzepts als "Perspektivraum" enthalten ist. Der mögliche Stadtteil auf den Äckern im Norden ist ein Lieblingsprojekt von Josef und Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), CDU und Grüne sind jedoch strikt dagegen.

Offen ist deshalb noch, ob das Konzept im Stadtparlament als offizielle Linie beschlossen wird. "Wir sind in guten Gesprächen", sagt Josef. Er hat allerdings zwei Seiten vor der "Strategiekarte" noch eine Karte der "Schwerpunkträume" eingefügt. Dort sind acht Bereiche aufgezeichnet, in denen es "besonders hohe Chance für die weitere städtebauliche Entwicklung" gibt - für Wohn- wie auch Gewerbegebiete. Und der Pfingstberg fehlt dabei.

Wachstum: Schwerpunkt Aufstocken

Nicht nur: Zusammen mit schon laufenden Projekten reichen die acht "Schwerpunkträume" laut Josef aus, um den Wohnungsbedarf zu decken. Den haben die Planer mit 90 000 Wohneinheiten bis 2030 ermittelt. 20 000 sind bereits in der Pipeline, bleiben 70 000.

Diese sollen zu 60 Prozent durch Aufstocken und Nachverdichtung entstehen. Besonders im Fokus: der "Mittlere Norden" von Ginnheim bis Preungesheim mit vielen zwei- oder dreistöckigen Mehrfamilienhäusern. Weitere 20 Prozent soll das Baugebiet im Nordwesten an der A5 zwischen Praunheim und Steinbach beitragen, und weitere Stadtteil-Ergänzungen den Rest, beispielsweise das Ernst-May-Viertel zwischen Seckbach und Bornheim.

Das Wachstum Frankfurts sei - anders als etwa in Hamburg - kein politischer Wille, sondern es sei Folge aus den Zuzügen der Menschen, erinnert Josef. Mit dem Konzept stelle die Verwaltung fachlich dar, wo die Menschen untergebracht werden könnten - abgestuft danach, wie einfach oder auch nicht ein Areal nutzbar ist. Und das wiederum allumfassend gesehen: vom Denkmalschutz über Verkehrsanbindung und Umweltauswirkungen bis hin zu sozialen Folgen und der Einfachheit der Umsetzung, etwa weil Gelände oder Siedlungen schon der Stadt gehören.

Das Konzept gebe "die Leitplanken", formuliert es Stadtplanungsamtsleiter Martin Hunscher. "Wir haben die Basis geschaffen, damit die Entscheidungen in der Politik gefällt werden können", erklärt Mike Josef. Wolle die Politik an einer Stelle kein Baugebiet, müssten andernorts mehr Häuser entstehen. Beispielsweise auf dem Rebstock-Areal.

VON DENNIS PFEIFFER-GOLDMANN

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