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Die Module werden in der Platensiedlung einfach auf die Bestandsgebäude aufgesetzt.

Stadtentwicklung

Zusätzliche Wohnungen: Die Römer-Koalition will Dächer ausbauen und Häuser aufstocken 

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Die Römer-Koalition in Frankfurt möchte Wohnungen schaffen. Dafür sollen Dächer ausgebaut und Häuser aufgestockt werden. 

Frankfurt - Grundsätzlich sind sich CDU, SPD und Grüne einig: "Aufstockungen und Dachausbau sind zwei Möglichkeiten zusätzlichen Wohnraum im Siedlungsbestand zu schaffen." So steht in einem Zwischenbericht des Magistrats, über den am Donnerstagabend im Plenarsaal des Römers debattiert wurde. Widersprochen hat dieser grundsätzlichen Feststellung keiner der Stadtverordneten. Doch sobald es konkret wurde, waren deutliche Unterschiede zu erkennen - auch innerhalb der schwarz-rot-grünen Koalition.

Das von SPD-Chef Mike Josef geführte Planungsdezernat hat vorgeschlagen, sich auf größere Siedlungen aus den 1950er bis 1970er Jahren zu konzentrieren. Vorbild ist die Platensiedlung in Ginnheim, in der die städtische Wohnungbaugesellschaft ABG ihre Miethäuser aufstockt.

In beliebten Altbauvierteln hingegen sieht das Planungsdezernat wenig Potenzial. Es warnt davor, dass dort mit dem Ausbau eine "städtebaulich unerwünschte Bestandsaufwertung" einhergehen könnte. Im Geltungsbereich der Milieuschutzsatzungen solle diese vermieden werden.

Wohnungs-Ausbau in Frankfurt: Kritik von CDU und FDP

Bei Christdemokraten und Liberalen stieß dieser Hinweis auf Widerspruch. Er finde es merkwürdig, dass Josefs Dezernat eine Bestandsaufwertung vermeiden möchte, sagte Albrecht Kochsiek, wohnungspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion. "Wie will ich denn nachverdichten, aufstocken oder Dächer ausbauen, ohne dass damit eine Aufwertung des Bestandes verbunden ist?", fragte er.

"Nach diesem Prinzip dürfte ich ja nirgendwo mehr aufstocken. Die Platensiedlung dürfte nicht aufgestockt werden und auf Supermärkten dürften auch keine Wohneinheiten mehr gebaut werden." Er lehne es ab, "dass eine Bestandsaufwertung in Gründerzeitquartieren unter anderem im Bereich von Milieuschutzsatzungen grundsätzlich vermieden werden soll", sagte Kochsiek.

In dieselbe Kerbe schlug Elke Tafel-Stein (FDP). "Wir müssen die Gründerzeitviertel mit in den Blick nehmen", forderte sie. "Und wir dürfen uns nicht auf die Siedlungen großer Wohnungsgesellschaften beschränken. 80 Prozent der Wohnungen in Frankfurt gehören privaten Vermietern. 

Denen müssen wir Anreize bieten und sie von Bürokratie befreien", so Tafel-Stein. "Und wenn durch den Dachausbau Eigentumswohnungen geschaffen werden, ist das auch gut. Denn das ist auch Wohnraum", sagte die FDP-Politikerin.

Frankfurt: Jeder Suchende soll eine bezahlbare Wohnung finden

Für die Sozialdemokraten trat Sieghard Pawlik ans Rednerpult. Zum Thema Dachausbau und Aufstockung hatte er kaum etwas zu sagen, dafür viel Grundsätzliches über die Frankfurter Wohnungspolitik. "Diese Stadt verlassen jedes Jahr tausende Menschen, weil sie keine Wohnung finden", sagte Pawlik. "Unsere Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass jeder Wohnungssuchende eine bezahlbare Wohnung findet.

Diese Aufgabe ist riesengroß." Seitdem die SPD mitregiere und Mike Josef das Planungsdezernat übernommen hat, gehe die Zahl fehlender Wohnungen zurück. "Der Zug hat Fahrt aufgenommen und das in die richtige Richtung", sagte Pawlik. "Für uns Sozialdemokraten heißt es: Innen- und Außenentwicklung." Damit meinte er, dass Frankfurt sowohl in die Fläche wachsen müsse, als auch durch Nachverdichtung.

Bei den Grünen war das Flächenwachstum lange verpönt. "Bei uns galt der Grundsatz Innen- statt Außenentwicklung", sagte deren Stadtverordneter Ulrich Baier. "Von diesem Grundsatz sind wir inzwischen abgerückt. Aber die Innenentwicklung, wozu eben auch der Dachausbau und die Aufstockung zählen, muss immer Vorrang haben."

Bestandsmieter dürfen nicht durch Nahverdichtung und Aufstockung verdrängt werden

Eyup Yilmaz von der Linkspartei mahnte: "Nachverdichtung und Aufstockung darf nicht die Bestandsmieter verdrängen." Aber genau das passiere in Frankfurt. Auch in der Platensiedlung, "die von dieser Koalition immer als leuchtendes Vorbild genannt wird", so Yilmaz. "Wir müssen nach Berlin schauen. Wir brauchen eine generellen Mietendeckel, in Frankfurt und in ganz Hessen." In der Hauptstadt sorgt eine Rot-Rot-Grüne Koalition derzeit mit harten politischen Eingriffen in den Wohnungsmarkt für Furore.

Die Frankfurter Stadtplaner untersuchen systematisch, wo es Potenzial zur Nachverdichtung gibt. Dabei spielen die Großsiedlungen aus der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts eine wichtige Rolle. Denn damals herrschte die Idee des aufgelockerten Städtebaus vor. Die einzelnen Gebäude wurden so weit auseinandergesetzt, dass dazwischen viel Platz geblieben ist. Der könnte nun genutzt werden, um neue Gebäude zu errichten. Aber auch nach oben ist noch Platz. Wenn es die Statik hergibt, lassen sich zusätzliche Geschosse auf bestehende Häuser draufsetzen.

Von Daniel Gräber

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