An der A5 wollte die Stadt Frankfurt ursprünglich einen neuen Stadtteil errichten.
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An der A5 wollte die Stadt Frankfurt ursprünglich einen neuen Stadtteil errichten.

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Stadtentwicklung: Neues Wohngebiet am Rebstock-Gelände statt in Josefstadt?

  • Thomas J. Schmidt
    vonThomas J. Schmidt
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Der Direktor des Regionalverbands, Thomas Horn, schlägt vor, Kleingärten vom Rebstockgelände an den Stadtrand zu verlagern, um Platz für 12.000 Wohnungen zu schaffen.

  • Verschiedene Varianten für den Frankfurter Stadtteil Josefstadt wurden bereits abgelehnt.
  • Das Rebstock-Gelände in Frankfurt soll ein alternatives Wohngebiet zur Josefstadt sein.
  • Das Frankfurter Planungsdzernat sieht allerdings noch einige Probleme bei der Bebauung des Rebstock-Geländes.

Frankfurt -Der Direktor des Regionalverbands Frankfurt-Rhein-Main, Thomas Horn, glaubt nicht, dass die Josefstadt in voller Größe kommen wird. Er regte bei einer Informationsveranstaltung der Römer-CDU jedoch eine Rochade an: Kleingärten aus dem Rebstockgelände verlagern an die Autobahn und dafür auf dem Rebstock 12 000 Wohnungen bauen. "Das dürfte kein Problem sein", so der Christdemokrat, der lange Jahre Bürgermeister von Kelkheim war. "Hingegen müsste die Josefstadt im regionalen Flächennutzungsplan ausgewiesen werden."

Varianten für den neuen Stadtteil Josefstadt von Frankfurt abgelehnt

Der neue Flächennutzungsplan liege frühestens 2026 vor. Ein erster Entwurf soll erst nach der Kommunalwahl im Frühjahr 2022 zur Diskussion gestellt werden. "Dann muss das Land noch zustimmen. Es kommt ein neues Klimaabkommen, und damit wird es noch schwieriger, Baugebiete auszuweisen", mahnte Horn. Schon jetzt seien die Kommunen von allen Seiten eingeschränkt. Naturschutz, Grünzüge, Lärmschutz, nicht zuletzt auch Bürgerbegehren, die alle Planungen für Wohnungsbau im letzten Moment kippen könnten. Horn schlägt vor, Bürgerbegehren und Bürgerentscheid für zehn Jahre auszusetzen - bis die schlimmste Wohnungsnot im Rhein-Main-Gebiet gelindert ist.

Der Christdemokrat ist bekannt für seine unorthodoxen Vorschläge. Bei der Veranstaltung des Fachausschusses Stadtentwicklung der CDU schlug er unter anderem eine neue Variante einer Seilbahn-Trasse vor, die vom Terminal 3 über den Waldparkplatz nach Neu-Isenburg und von dort zur Station Louisa in Sachsenhausen führen könnte. Oder eben Varianten zur Josefstadt: "Dort gibt es die Autobahn, die verbreitert werden muss, es gibt die Stromtrassen mit bis zu 400 Metern Abstand zur Wohnbebauung", so Horn. "Dort könnte man die Rechenzentren entlang der Autobahn bauen, als Lärmschutz, und dahinter, nach Frankfurt zu, ein Gewerbegebiet." Oder - eine alte Idee, die die Stadt Frankfurt strikt ablehnt - man könnte den Zoo dorthin verlagern. Oder eben die Kleingärten.

Josefstadt in Frankfurt als Wohngebiet? Rebstock-Gelände als Alternative

Horn war lange genug Bürgermeister. Er sagt: Es gebe zwei Arten Politiker. Die einen wollten verwalten, die anderen gestalten. Und wer gestalten möchte - etwa durch die Ausweisung von Wohngebieten -, muss um seine Wiederwahl fürchten.

Dass die Josefstadt als Wohngebiet durchgeht, hält Horn - jedenfalls in der Maximalversion beiderseits der Autobahn - für ausgeschlossen. Hingegen: Ein Wohngebiet auf dem Rebstock-Gelände, groß genug für die in der Josefstadt anvisierten 30 000 Bewohner, sei möglich, wenn die Kleingärtner an den Stadtrand auswichen. "Natürlich muss man den Leuten etwas bieten. Sie müssen dann günstige Wohnungen auf dem Rebstock bekommen können. Oder ihre erwachsenen Kinder..." Die Kleingärten in der Josefstadt könnten größer sein als die bestehenden Parzellen, und natürlich müsse die Stadt die Kosten tragen. Den Widerstand müsse man nicht fürchten, wenn man den Pächtern etwas biete: "Es wird eine Win-Win-Situation."

Dezernent hält sich an Auftrag des Parlaments - Wohngebiete im Norden Frankfurts

"Grundsätzlich", erwidert Frankfurts Planungsdezernent Mike Josef (SPD), "können wir über alles reden. Es wäre aber schön, wenn man mit uns reden würde." Stattdessen spiele Horn über Bande, er, Josef, erfahre die neuesten Vorschläge aus der Zeitung. "Man kann jede Woche einen neuen Vorschlag machen und damit laufende Planungen chaotisieren", moniert Josef.

Thomas Horn.

Mark Gellert, Sprecher im Planungsdezernat, räumte ein: "Auf den ersten Blick wäre es charmant, das Rebstockgelände komplett zu bebauen*." Allerdings sehe es bei genauerer Betrachtung anders aus: "Es gibt im Rebstock auch eine Autobahn, und es gibt dort auch Stromtrassen." Zudem werde die Fläche von der Messe benötigt, um dort Lastwagen etc. abzustellen. "Es ist nicht so einfach. Wir haben von der Stadtverordnetenversammlung den Auftrag, ein Wohngebiet im Nordwesten zu prüfen, und genau das tun wir." *fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks (Von Thomas J. Schmidt)

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