Leerstand von Häusern in Frankfurt
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Mindestens 10.000 Mietwohnungen stehen in Frankfurt ungerechtfertigterweise leer, schätzt der Mieterbund Hoechster Wohnen. (Symbolbild)

Leerstand

Wegen tausenden Leerständen: Mieterbund schlägt Alarm

In Frankfurt stehen mehrere tausend Mietwohnungen leer, schätzt der Mieterbund Hoechster Wohnen. Das dürfe die Politik nicht hinnehmen, so der Verein.

  • Viele leerstehende Wohnungen in Frankfurt
  • Chef des Mieterbundes fordert Reaktionen der Politik 
  • Rückkehr des Zweckentfremdungsverbots

Höchst – Sieghard Pawlik, Vorsitzender des Mieterbundes Hoechster Wohnen e.V., weiß von einem Dreifamilienhaus im Frankfurter Ostend, das wurde von zwei Männern zum Preis von rund einer Million gekauft. Zwei der drei Mieter erhielten bald nach dem Notartermin eine Eigenbedarfskündigung. Der Verein habe sich der Sache angenommen, berichtet Pawlik, das Gericht habe die Kündigungen für unwirksam erklärt.

Frankfurt: Mindestens 10.000 Wohnungen stehen leer 

Die Käufer gaben nicht auf, boten erst 10.000, dann 50.000 Euro als Abfindung an, die Mieter winkten ab. Wer dahinter steckte, dass ein Unbekannter Buttersäure auf den Fußmatten vor allen Wohnungen verschüttete, das kam nie heraus - aber auf wen der Verdacht nach dem Lauf der Dinge bis dahin fallen musste, das musste gar nicht mehr ausgesprochen werden. Letzter bekannter Stand der Dinge ist, dass das Haus in Frankfurt für 1,5 Millionen Euro wieder angeboten wurde.

Fest steht für Pawlik, dass die Käufer es darauf abgesehen hatten, das Haus leer stehen zu lassen und nach einer Weile wieder zu verkaufen. Ein Mietshaus ohne Mieter nämlich verkauft sich erheblich besser als ein bewohntes Gebäude. Und in einer Zeit, in der die Immobilienpreise jährlich um 10 Prozent steigen, man sich das Geld auf der Bank aber zum Zins von wenig mehr als 2 Prozent holen kann, ist da ein satter Gewinn drin.

Frankfurt: Leerstand weit verbreitet 

Pawlik ist überzeugt, dass dies kein Einzelfall ist. In der ganzen Stadt stünden mindestens 10.000 Wohnungen leer, erklärte Pawlik gestern vor der Presse in Höchst. Dieser Stadtteil von Frankfurt, neben dem Nordend oder Bornheim, sei einer der Schwerpunkte. Er schätzt das auch nicht aus dem hohlen Bauch heraus. Seit dem Frühjahr versucht der Verein, einen Überblick zu gewinnen über die Zahl leerstehender Wohnungen. Jetzt gab es ein Zwischenfazit.

Der SPD-Stadtverordnete Sieghard Pawlik vor einem Haus in der Höchster Altstadt. foto: maik reuß

Damals hatte der Verein an die Frankfurter appelliert, Häuser zu melden, die fünf oder zehn Jahre leer stehen oder noch länger. Per Brief, per Telefon, per E-Mail kamen Hinweise auf etwa 150 Häuser. Der Verein schaut sich die Häuser an, macht ein Foto, spricht mit Nachbarn - es geht darum, einen Eindruck davon zu bekommen, ob die Wohnungen tatsächlich nicht oder zweckentfremdet genutzt werden. Rund 1 000 leerstehende Wohnungen seien ermittelt worden.

Dass es tatsächlich mehr sind, dafür hat Pawlik nach eigenen Angaben allerlei Anhaltspunkte. Beispielsweise weist er auf eine Erhebung der Stadt Wiesbaden hin. Die hat die Zahl der gemeldeten Wohnungen mit der Zahl der installierten Stromzähler abgeglichen. Herausgekommen ist, dass es für zwei bis drei Prozent der Zähler keine Wohnung gibt. Diese Wohnungen stünde leer, schlussfolgert Pawlik. Rechne man auch für Frankfurt mit einem Prozentsatz von zwei bis drei Prozent, kommt man auf 8 000 bis 10 000 Wohnungen.

Frankfurt: Wohnungen wieder zurückgeholt

Und welche Forderung ergibt sich daraus? Für Pawlik ist klar, dass das früher einmal bestehende Zweckentfremdungsverbot wieder her muss. Als es das schon gab, habe die Stadt Frankfurt dadurch jährlich mehr als 400 Wohnungen für den Markt zurückgeholt.

"Die Politik kann sich nicht mehr hinter der Behauptung verstecken, es handele sich um Einzelfälle", sagt Pawlik und zielt damit erklärtermaßen vor allem auf die Landesregierung und den auch für den Wohnungsbau zuständigen Minister Tarek al-Wazir. Rechtliche Bedenken gegen ein neues Zweckentfremdungsverbot seien unbegründet. Erst vor wenigen Monaten habe das Bundesverfassungsgericht in einem Urteil klargestellt, die Eigentumsgarantie bedeute nicht das Recht auf einen höchstmöglichen Mietertrag. "Das Land sollte endlich seine Möglichkeiten nutzen, seine Bürger zu schützen", findet Pawlik. Meldungen über leerstehende Wohnungen werden weiter unter Telefon (0 69) 300 348 90 entgegengenommen.

Das Wohnen in Frankfurt wird immer teurer, die Preisentwicklung für Wohnungen und Mieten geht nach oben. Doch es gibt eine kleine, positive Nachricht.

In Frankfurt gibt es zahlreiche leerstehende Wohnungen, nur wenige sind bekannt. 400 Adressen hat der Mieterbund Höchster Wohnen bislang gesammelt. Aber die Stadt hat keine Handhabe.

In welchem Stadtteil würden Frankfurter am liebsten eine Immobilie zum Wohnen kaufen? Eine Studie verrät das jetzt.

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