Die Griesheimer Benny (r.) und Fio haben als Kinder im Fußballkäfig unter der Omegabrücke Kicken gelernt, und mit Hilfe ihres Kumpels Yafet schicken sie sich gerade an, mit Filmen von ihren Kunststückchen die Youtube- und Instagram-Szene zu erobern.
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Die Griesheimer Benny (r.) und Fio haben als Kinder im Fußballkäfig unter der Omegabrücke Kicken gelernt, und mit Hilfe ihres Kumpels Yafet schicken sie sich gerade an, mit Filmen von ihren Kunststückchen die Youtube- und Instagram-Szene zu erobern.

Frankfurt

Fußball-Freestyle von der Omegabrücke: Junge Kicker erobern Instagram und Youtube

  • Michael Forst
    vonMichael Forst
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Die Frankfurter Benny und Fio sind echte Griesheimer Buben - und wahre Künstler am Ball. Von ihren Fähigkeiten wollen sie jetzt die ganze Welt überzeugen.

Frankfurt - Sie sind jung, talentiert und ein bisschen ballaballa: Benny Zeisel (27) und Fio Santoro (21) begeistern mit artistischen Fußballtricks auf ihren neu gegründeten Instagram- und Youtube-Kanälen immer mehr Menschen.

Mal jagt Fio das Leder per spektakulärem Fallrückzieher in die Maschen, versenkt den Ball vom Balkon von Bennys Wohnung im zweiten Stock per Schuss in einem winzigen Mülleimer vor dem Haus, mal lupft Benny an der Mittellinie eines großen Fußballfeldes die Pille kunstvoll hoch und zimmert sie mit Ansage hinter seinem Rücken blind an die Latte des Tores. Ihr Freund Yafet da Silva begleitet die beiden auf Schritt und Tritt, um ihre atemberaubenden Kunststückchen mit der Kamera einzufangen.

Schauplatz der technischen Kabinettstückchen ist entweder der kleine Fußballkäfig unter der Omegabrücke, wo sie als Kinder gemeinsam kicken lernten, oder das Fußballfeld der Spielvereinigung 02 Griesheim in der Eichenstraße, wo sie so viel trainieren dürfen, wie sie wollen. Und das tun sie täglich, mehrere Stunden. Beide sind filigrane Fußballer, die beim Training seit jeher gerne tricksen und zaubern. Der Leerlauf durch die wegen Corona abgebrochene Saison und der Wunsch, ihre "Leidenschaft zu teilen", brachten sie auf die Idee.

Fußball-Clips auf Youtube und Instagram als berufliche Zukunft

„Wir brennen für den Fußball“ betont Benny und sagt: „Unser Wunsch ist, dass wir eines Tages davon leben können.“ Das erscheint angesichts der Macht digitaler Bilder und der modernen Vermarktungsmöglichkeiten zwar als ehrgeiziges, aber doch nicht gänzlich unrealistisches Ziel. Denn „gehen“ die Fußball-Clips erst einmal „viral“, sprich: Erhalten sie im Internet tausend- oder millionenfach Klicks, „Likes“ und „Shares“, steigen schon mal die großen Sportfirmen ein und zahlen den jungen „Influencern“ als Werbeträger mitunter beträchtliche Summen.

Ein erfolgreicher Vertreter der sogenannten Fußball-Freestyle-Szene aus Frankfurt ist immerhin schon auf Benny und Fio aufmerksam geworden und will mit ihnen nächste Woche ein gemeinsames Video machen. "Wir klopfen überall an, arbeiten hart daran, um uns einen Namen zu machen", erklärt Benny. "Schließlich sind wir noch ganz neu in der Szene." Dabei träumten die beiden Griesheimer lange Zeit den altmodischeren Bubentraum von der Karriere als Fußballprofi. Und das lief auch zunächst durchaus hoffnungsvoll: Fio spielte beim FSV Frankfurt, Benny war bei Borussia Mönchengladbach, Wacker Burghausen und zuletzt bei Kickers Offenbach unter Vertrag. Doch zum großen Durchbruch fehlten möglicherweise ein paar Zentimeter, glaubt Benny: "Wir sind beide nur um die 1,70 Zentimeter groß - und Trainer mögen die größeren, robusteren Typen."

Zuckerpässe für den Zauberfuß

Dafür hat sich für die beiden Frankfurter Freunde jetzt ein Kreis geschlossen: Denn bei Türkgücü Frankfurt kämpfen sie bald wieder gemeinsam in der Kreisoberliga um Punkte. "Anfang September geht's los - wir freuen uns schon wahnsinnig drauf", verrät Fio. Dort wollen sich die beiden mit ihren jeweiligen Stärken perfekt ergänzen. Benny ist die klassische "Nummer 10": auf dem Feld ein Lenker, der den wieselflinken Zauberfuß Fio mit Zuckerpässen füttert. "In der Saison vor dem Corona-Abbruch hat Fio in einer Spielzeit 38 Dinger reingemacht", berichtet Benny stolz. Mit Blick auf die Nationenvielfalt bei Türkgücü sagte er: "Unsere Mannschaft ist eine extrem gemischte Tüte.

Im Fußball wird Toleranz gelebt

Anderswo wird viel von Respekt und Toleranz geredet. Doch im Fußball wird das gelebt." Auch die Identifikation mit der eigenen Herkunft sei wichtig - und spätestens, wenn sie von ihrer gemeinsamen Fußballkindheit unter der Omegabrücke erzählen, weiß man, was sie damit meinen. Und aus gutem Grund heißen ihre Kanäle auf Instagram wie die drei letzten Ziffern der Griesheimer Postleitzahl: "Neundreidrei."

Dass sie beide nun Seite an Seite im selben Team kämpfen, sei perfekt auch für die angestrebte Karriere auf Instagram und Youtube. „Wir verbringen jetzt mehr Zeit zusammen als mit unseren Familien“, sagt Benny. Er betont, dass es ohne die Unterstützung der Angehörigen und Freunde nicht gehe: „Die halten uns super den Rücken frei.“ Dann lobt er seinen Kumpel: „Fio ist im Gegensatz zu mir eher der schüchterne Typ“, sagt er. „Aber er wird mit jedem Mal besser vor der Kamera.“

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