Ein Polizeifahrzeug rollt über die Frankfurter Einkaufsmeile Zeil, die ansonsten fast menschenleer ist. An Sonntagen finden sich hier normalerweise viele Menschen zum Windowshoppen ein.
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Nach einem weiteren Angriff auf der Zeil stellt sich die Frage, wird die Einkaufsstraße in Frankfurt zur Problemzone?

Immer wieder Angriffe

Wie gefährlich ist die Zeil? Die Polizei äußert sich

  • vonTobias Ketter
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  • Sophia Lother
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Nach dem Angriff auf eine LGBTI-Person auf der Zeil in Frankfurt stellt sich die Frage: Warum geschehen derzeit immer wieder Angriffe auf der Zeil? Die Polizei äußert sich.

  • Auf der Zeil in Frankfurt wird eine queere Person angegriffen.
  • Das Opfer spricht in den sozialen Netzwerken von Homophobie – Die Tatverdächtigen kommen aus dem Rhein-Main-Gebiet.
  • Wird die Zeil zur Problemzone? Das sagt die Polizei.

Update von Montag, 23.11.2020, 14.56 Uhr: Nach dem brutalen Angriff auf einen Menschen, der von einer sexuellen oder geschlechtlichen normativen Identität abweicht (LGBTI-Person) auf der Zeil in Frankfurt, ermittelt die Polizei gegen zehn Tatverdächtige. Doch die Attacke vor MyZeil war kein Einzelfall. Immer wieder kommt es auf der beliebten Einkaufsstraße zu Zwischenfällen, wie beispielsweise bei der Randale auf der Zeil am 31. Oktober. Doch warum kommt es gerade auf der Zeil in Frankfurt derzeit zu gewaltsamen Vorfällen? Dazu hat sich die Frankfurter Polizei jetzt auf Anfrage schriftlich geäußert.

Frankfurt: Vorfälle auf der Zeil – Polizei äußert sich

Die genauen Gründe, warum die jüngsten Vorfällen gerade auf der Zeil in Frankfurt stattgefunden haben, könne die Polizei nicht mit Bestimmtheit sagen. Lediglich, dass die Zeil ein beliebter Treffpunkt sei, weil sie zentral läge und gut mit dem ÖPNV erreichbar sei, antwortete die Polizei auf Nachfrage.

Laut Polizei seien die Straftaten in der Innenstadt von Frankfurt außerdem rückläufig. Jedoch habe die Polizei, aufgrund der jüngsten Vorfälle, den Bereich Konstablerwache und Hauptwache auf der Zeil verstärkt in den Fokus genommen. Es würden in Kooperation mit der Stadtpolizei und Bundespolizei „entsprechende Maßnahmen“ durchgeführt. Welcher Art diese Maßnahmen genau seien, ließ die Polizei in ihrer Antwort allerdings offen.

Brutaler Angriff auf LGBTI-Person in Frankfurt: Ist die Zeil ein gefährlicher Ort?

Update von Mittwoch, 18.11.2020, 17.03 Uhr: Nachdem am Samstagabend (14.11.2020) eine LGBTI-Person auf der Zeil in Frankfurt angegriffen und verletzt worden ist, laufen die Ermittlungen der Polizei weiter. Bisher sei noch nicht klar, wie der Angriff ablief, teilte ein Polizeisprecher am Dienstag (17.11.2020) mit, wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichtet. Es ist außerdem noch nicht geklärt, ob ein Youtube-Video, in dem das Opfer zu sehen ist, das sich in sozialen Netzwerken „KweenDrama“ nennt, mit der Tat in Verbindung steht. In dem Video führt der Youtuber „Breso“ eine Debatte und „KweenDrama“, in der es um Toleranz gegenüber Schwulen und Transsexuellen geht.

Die Polizei ermittelt derzeit gegen zehn Tatverdächtige, die nach der Attacke am vergangenen Samstag in Frankfurt festgenommen wurden. Die Personen sind zwischen 14 und 30 Jahre alt. Einige von ihnen sind polizeilich bekannt. Laut der „FAZ“ kommen die Tatverdächtigen allesamt aus dem Rhein-Main-Gebiet.

Angriff auf der Zeil in Frankfurt: Opfer spricht von Homophobie als Tatmotiv

Update von Dienstag, 17.11.2020, 11.01 Uhr: Bei der am Samstagabend (14.11.2020) bei einem Angriff auf der Zeil in Frankfurt verletzten Person handelt sich um die in den sozialen Netzwerken bekannte LGBTI-Person „KweenDrama“*. Das berichtet die Frankfurter Rundschau. Das 20-jährige Opfer hatte sich in den sozialen Netzwerken öffentlich geäußert und von Homophobie als Tatmotiv gesprochen.

Auf diesem Archivbild feiert sich die LBGTI-Community in Frankfurt. Doch Homophobie ist auch in der Stadt präsent, wie ein Angriff auf der Zeil zeigt.

Auslöser des brutalen Angriffs könnte möglicherweise ein Interview auf dem Youtube-Kanal „BrEso“ gewesen sein, in dem sich „KweenDrama“ zu queeren Themen und LGBTI-Feindlichkeit geäußert hatte. Die Polizei hatte zu dem Hintergrund der Tat zunächst keine Angaben gemacht und erst am Montagabend über eine mögliche „geschlechterdiffamierende Motivation“ gesprochen.

Brutaler Angriff auf Zeil in Frankfurt: Polizei prüft Motiv

+++ 18.27 Uhr: Die Polizei prüft nach dem Angriff auf der Zeil in Frankfurt am Wochenende, ob die Täter möglicherweise aus einer „geschlechterdiffamierenden Motivation“ das 20-jährige Opfer attackierten. Nach der ersten Bewertung mehrerer Videos zu dem Vorfall „ergeben sich Hinweise, dass die Tat transphobe bzw. transfeindliche Beweggründe haben könnte“ heißt es in der Mitteilung.

Das solle nun bei den Ermittlungen miteinbezogen werden. Dazu wurde eigens eine Arbeitsgruppe beim Haus des Jugendrechts in Frankfurt-Höchst eingerichtet. Zeugen, die Hinweise zu dem Angriff auf den 20-Jährigen geben können, werden gebeten, sich unter der 069/755-35108 zu melden.

Die Polizei soll in der Nacht zu Samstag auf der Zeil in Frankfurt im Einsatz gewesen sein. (Symbolbild)

Angriff auf der Zeil in Frankfurt: Hinweise auf Hassverbrechen

Update von Montag, 16.11.2020, 12.00 Uhr: Nach dem Angriff auf der Zeil in Frankfurt am Wochenende werden immer mehr Fragen aufgeworfen. Nach Angaben der Polizei hatte eine Gruppe überwiegend jugendlicher Männer eine Person angegriffen, sie erst beleidigt und anschließend geschlagen und getreten. Eine Menge von rund 150 Personen betrachtete den Vorfall vor dem Einkaufszentrum MyZeil, kaum jemand schritt ein. Die Polizei sprach von vielen Schaulustigen, zehn Personen wurden festgenommen.

Frankfurt: Brutale Attacke vor MyZeil – Über 150 Menschen versammelt

Mehrere Videos auf Twitter und Instagram lassen jetzt vermuten, dass das Opfer vor dem Einkaufszentrum MyZeil in Frankfurt gezielt angegriffen wurde. Denn es das Opfer gehöre der queeren Szene an. Diese Formulierung benutzt auch das Portal „queer.de“. Das würde die Gewalt auf der Zeil in eine völlig andere Dimension heben. Denn wenn das Opfer angegriffen wurde, weil es zur queeren Szene gehört, dann läge hier ein sogenanntes „Hate Crime“ oder auch Hassverbrechen vor. Davon spricht man, wenn die Motivation für einen Angriff die Zugehörigkeit des Opfers zu einer Minderheit ist. Das Portal „queer.de“ vermutet, die Täter könnten das Opfer als queere Person erkannt haben, da es sehr aktiv in den sozialen Netzwerken sei.

Die Polizei konnte zu diesem Sachverhalt noch keine Angaben noch machen, da die Ermittlungen noch in vollem Gange seien, sagte ein Sprecher. Das Opfer sei nur leicht verletzt worden und wurde noch vor Ort auf der Zeil in Frankfurt im Rettungswagen behandelt, so der Sprecher weiter. Der Begriff „queer“ wird verwendet, um von Menschen zu sprechen, die nicht-heterosexuell und nicht-cisgeschlechtlich seien, so das Deutsche Jugendinstitut (DJI). Von cisgeschlechtlich spreche man laut dem Institut dann, wenn eine Person sich mit dem Geschlecht identifiziert, das ihr bei der Geburt zugewiesen wurde.

Frankfurt: Angriff vor MyZeil – Polizei nimmt mehrere Jugendliche fest

Erstmeldung von Sonntag, 15.11.2020: Frankfurt - Auf der Zeil in Frankfurt kam es am Samstagabend (14.11.2020) zu einem Angriff auf einen 20-jährigen Mann. Er wurde von einer Gruppe überwiegend Jugendlicher vor dem Einkaufszentrum MyZeil zunächst beleidigt und dann auch attackiert. Als sich der Angegriffene wehrte, beteiligten sich immer mehr Umstehende an der Schlägerei. Die dpa spricht daher von einer Massenschlägerei. Es kam zu mehreren Festnahmen.

Wie die Polizei auf Nachfrage mitteilte, ereignete sich der Angriff auf der Zeil in Frankfurt folgendermaßen: Am Samstagabend gegen 20.15 Uhr war ein 20-jähriger Mann auf der Zeil unterwegs. Nach Schätzungen der Polizei waren fast 150 Personen im Bereich des Einkaufszentrums MyZeil versammelt. Ob sie dort feierten, darüber konnte die Polizei Frankfurt keine Angaben machen.

Plötzlich wurde der junge Mann von einem der dort Anwesenden beleidigt. Weitere Personen kamen dazu und fingen nun auch an, den 20-Jährigen auf der Zeil in Frankfurt zu beleidigen. Auf die Beleidigungen folgte schließlich ein Tritt. Als der 20-jährige Mann sich wehrte, griffen ihn weitere Personen aus einer Gruppe überwiegend Jugendlicher an. Sie schlugen und traten auf ihn ein.

Angriff in Frankfurt: Massenschlägerei auf der Zeil – Polizei ahndet auch Vergehen gegen Corona-Regeln

Wie die Polizei Frankfurt weiter angibt, alarmierten Zeugen die Beamten. Die Polizei nahm zehn Personen im Alter zwischen 14 und 30 Jahren fest. Gegenstand der Ermittlungen ist derzeit, wie viele dieser zehn Personen am Angriff auf den 20-Jährigen auf der Zeil in Frankfurt beteiligt waren. Die Festgenommenen wurden nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen entlassen.

Innerhalb der großen Menschenmenge von fast 150 Personen auf der Zeil in Frankfurt stellte die Polizei auch etliche Verstöße gegen die Corona-Regeln fest. Diese seien entsprechend geahndet worden, berichtet die Polizei weiter.

Bereits vor zwei Wochen kam es auf der Zeil in Frankfurt zu einem Zwischenfall. In der Nacht zum 1. November wurden Polizisten mit Flaschen, Steinen und Eiern beworfen. (Sophia Lother) *fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Transparenzhinweis: Die Polizei sprach in ihrer Pressemeldung vom Opfer als 20-jährigen Mann. Andere Medien wie „queer.de“ und auch Posts auf Twitter legen aber nahe, dass es sich um eine queere Person handeln könnte. Dahingehend wird im Weiteren für das Opfer eine geschlechtsneutrale Form verwendet.

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