Kein Andrang herrscht auf der Einkaufsstraße Zeil. In Deutschland hat am Mittwoch der Lockdown als Maßnahme gegen die Corona-Pandemie begonnen.
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Kein Andrang herrscht auf der Einkaufsstraße Zeil. In Deutschland hat am Mittwoch der Lockdown als Maßnahme gegen die Corona-Pandemie begonnen.

Frankfurt

Spektakulärer Vorschlag für die Zeil in Frankfurt – Steht die Fußgängerzone vor dem Aus?

  • Thomas J. Schmidt
    vonThomas J. Schmidt
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Experten überlegen sich Wege aus der Corona-Krise. Eine Idee ist besonders spektakulär und würde für einen Paradigmenwechsel in der Innenstadt von Frankfurt sorgen.

Frankfurt – Neuer Plan für die Innenstadt? Wirtschaftsdezernent Markus Frank hat dies am Mittwoch (10.03.2021) beim Tag des Handels versprochen. „In einem Jahr werden wir den Plan verkünden und abends ins Waldstadion gehen zum Spiel der Eintracht gegen den FC Barcelona“, verkündete er.

Die Innenstadt ist in einer Krise. Mehr als 100 Geschäfte stehen bereits leer, sagte Oliver Schwebel, Chef der Wirtschaftsförderung. Beim Tag des Handels trafen sich wichtige Akteure, um in einer öffentlichen Online-Diskussion herauszufinden, wo die Probleme liegen. Und dabei wurde klar: Die Corona-Pandemie ist lediglich ein Katalysator, die Probleme sind strukturell: „Die Stadt muss reagieren. Es wird nicht von selbst wieder gut werden“, erwartet etwa Jan Schlesinger von der Wirtschaftsförderung.

Neues Konzept für die Zeil in Frankfurt – Freie Flächen bieten Chancen

Zuvor haben sich in der Diskussion verschiedene Dinge herauskristallisiert: Corona ist nicht nur eine Krise, sondern eine Chance. Der Präsident der Industrie- und Handelskammer Ulrich Caspar betont: „Auch die frei gewordenen Flächen bieten Chancen.“ Dort können Spezialgeschäfte einziehen, die es andernorts nicht gibt, Erlebnisräume geschaffen werden.

Architekt Christoph Mäckler sieht die Zeil langfristig nicht als „Einkaufszentrum, bei dem nur das Glasdach fehlt.“ Wenn man sich anschaue, wie toll der Boden gestaltet worden sei und wie langweilig die Fassaden sind - „so etwas funktioniert nicht mehr“. Mäckler zufolge muss der Verkehr auf die Zeil zurückkehren, müssen Straßenbahnen, Fahrräder und Autos dort fahren. Schlesinger fordert mehr Verweilqualität für die Innenstadt, mehr Showrooms, und vor allem ein Mobilitätskonzept.

Dem schloss Caspar sich an: „Viele Kunden der Zeil kommen aus dem Umland.“ Und sie kämen nicht wegen Lidl oder Rewe, die gebe es überall. „Auf der Zeil kann man die Produkte kaufen, die man sich nur dreimal im Jahr kauft.“ Der Großteil der Kunden komme demnach aus dem Umland, nicht aus der Innenstadt, noch nicht einmal - per Fahrrad - aus den benachbarten Stadtteilen. Die Erschließung mit U- und S-Bahn sei gut, aber: „Es fehlen im Umland die Park-and-Ride-Plätze an den Bahnstationen“, so Caspar. „Also kommen die Leute mit dem Auto.“ Er forderte eine „Willkommenskultur“ für Autofahrer ein.

Fußgängerzone Zeil: Willkommenskultur in Frankfurt auch für Autofahrer

Markus Frank stimmte zu: „Die Kunden in der Kleinmarkthalle kommen aus dem Taunus und machen sich große Sorgen, ob sie in Frankfurt überhaupt noch willkommen sind, ebenso die Handwerker.“ Eine autofreie Innenstadt wäre „tot“, so Frank.

Um die Krise des Einzelhandels zu bewältigen, sei, so die Diskussionsteilnehmer, viel mehr nötig als nur die Bekämpfung der Pandemie. So, wie die Pandemie auch nur Konflikte komprimiert hat, die ansonsten erst in zehn Jahren so deutlich sichtbar geworden wären. Stadt, Vermieter und Einzelhändler müssten jetzt gemeinsam reagieren. (Thomas J. Schmidt)

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