Typisches Bild im Lockdown: Leere Einkaufsstraße auf der Zeil.
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Typisches Bild im Lockdown: Leere Einkaufsstraße auf der Zeil.

„Es ist schlimm“

Zeil und Innenstadt ausgestorben - Das macht Corona mit Frankfurt und dem Einzelhandel

  • vonSabine Schramek
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Die Homeoffice-Regelung sorgt für eine leere Zeil und bedrückte Kleinunternehmer in Frankfurt. Es herrscht gähnende Leere.

  • Frankfurt ist aufgrund des Corona-Lockdowns wieder zu einer Geisterstadt geworden.
  • Viele Menschen sind im Homeoffice, viele Geschäfte und Cafés müssen geschlossen bleiben.
  • Für Kleinunternehmen insbesondere auf der Zeil bedeutet der Lockdown einen harten Einschnitt.

Frankfurt – Wie ausgestorben wirkt die Bürostadt um die Mittagszeit. Nur wenige Lichter scheinen aus den Bürotürmen, die Straßen sind menschenleer. Es zeigt Wirkung, dass Arbeitgeber neuerdings begründen müssen, weshalb ihre Mitarbeiter trotz Pandemie nicht von zu Hause aus arbeiten können. Dass Straßen, Busse, Bahnen und Büros deutlich leerer geworden sind, spiegelt sich auch an den Infektionszahlen wider: Sie sinken, am Montag (02.02.2021) lag die Sieben-Tage-Inzidenz in Frankfurt bei 68,4. Doch während die Infektionszahlen sinken, steigen die Sorgen derer, die bislang zumindest noch ein wenig Umsatz mit jenen machen konnten, die ins Büro zum Arbeiten kamen.

„Wir sind auf 20 Prozent unseres normalen Umsatzes“, stöhnt Birgit Hahn vom „Imbiss & More“. Dort, wo sonst von morgens bis spät nachmittags Dauergewusel herrscht, holen sich jetzt nur noch Bauarbeiter und einige wenige Büromitarbeiter etwas zum Essen. „Selbst Bauarbeiter sind deutlich weniger geworden und in den Büros ist Kurzarbeit, Homeoffice oder nur Notbetrieb“, sagt sie und sieht ihrem Mann zu, der Burger brät und einpackt. „Unsere Pizzeria nebenan haben wir seit dem 11. Januar montags und freitags komplett geschlossen, die Mitarbeiter sind in Kurzarbeit.“

Frankfurt: Nicht nur die Zeil ist ausgestorben - Keine Büroangestellten, keine Einnahmen

Im Imbiss ist das Frühstücksgeschäft weggebrochen, weil die Büroangestellten fehlen, und das Nachmittagsgeschäft, weil keine sonst so zahlreichen Touristen mehr nach Frankfurt kommen, seit das benachbarte Hotel im März vergangenen Jahres geschlossen hat. „Wie lange wir das noch durchhalten, ist kaum zu sagen. Es betrifft nicht nur uns, sondern alle Gastronomen, die Zulieferer und die Hersteller.“ Sie reicht einer Kundin eine Tüte mit Burgern und Pommes hinter einer Plexiglasscheibe hervor. „Heute sind wir nicht im Homeoffice, sondern im Büro“, erklärt die Kundin, die einen Tag in der Woche nicht von zu Hause aus arbeitet. „Da komme ich immer hierher.“ Sie nimmt die Tüte und geht durch das hübsche Lokal und den Verkaufsraum voll edler Weine, Strümpfe, Souvenirs und Schnickschnack zurück in ihr Büro. „Wenn das bis Ende März so bleibt, weiß ich nicht mehr weiter“, sagt Hahn.

Nicht weit entfernt wartet die Mitarbeiterin eines indischen Lokals auf Kunden, die sich Essen zum Mitnehmen holen wollen. „Ich will nicht viel sagen. Wir laufen fast auf Null“, sagt die junge Frau. „Es ist schlimm.“ Ein paar Bauarbeiter sind die einzigen Passanten zur Mittagszeit. „Es ist gespenstisch im Lyoner Quartier. Das Wort ,Bürostadt‘ für das Viertel im Süden von Frankfurt ist momentan nur noch auf Gebäude bezogen. Menschen sieht man kaum noch. Zumindest kann man sich sicher sein, kein Corona zu kriegen“, sagt einer von ihnen, um wenigstens etwas Positives zu äußern. „Für die Lokale und Hotels ist es eine Tragödie zurzeit.“

Birgit Hahn übergibt in ihrem Imbiss in Niederrad einer der wenigen Kundinnen Essen to go.

Zeil als Symbolbild: Busse und Bahnen in Frankfurt sind in der Corona-Pandemie leer

Gähnend leer ist es auch in Bussen und Bahnen in Frankfurt. Selbst zur Hauptverkehrszeit ist seit dem Inkrafttreten der neusten Corona-Maßnahmen Platz zum Abstand halten. Das bestätigt auch eine Sprecherin der Nahverkehrsgesellschaft Traffiq. „Bis einschließlich 26. Januar verzeichnen wir einen Passagierrückgang von 38 Prozent. Ich denke, dass seit dem Lockdown Leute verstärkt von zu Hause aus arbeiten, insgesamt weniger Menschen unterwegs sind, oder sich anders bewegen“, sagt sie.

Selbst auf der Freßgass' sind kaum Anzugträger unterwegs, allenfalls ein paar Passanten, die eher im Homeoffice-Style gekleidet sind. Nur vor wenigen Lokalen stehen Leute an, um sich Essen zu holen. Ebert's Feinkost und Ebert's Suppenküche sind eine Ausnahme. Zumindest für eine knappe halbe Stunde wirkt die Nachfrage groß. Danach ebbt sie wieder ab, wenn Kunden sich mit Feinkost und Suppen eingedeckt haben. Danach sind nur noch Stadtpolizisten und Polizeistreifen auf der Schlemmermeile in Frankfurt unterwegs.

Eine der größten Einkaufsmeilen in Deutschland ausgestorben: „Kein Mensch ist auf der Zeil“

Alle Plätze besetzt sind einzig bei „Pino“, wo nach wie vor 150 riesige Plüsch-Pandabären die Stellung halten und dem ein oder anderen Fußgänger ein Lächeln aufs Gesicht zaubern. Elephtherios Niopas hält hier momentan die Stellung für Pizza, Pasta und andere Leckereien. Er ist sichtbar traurig. „Kein Mensch ist auf der Zeil, kaum jemand in den Seitenstraßen der Freßgass‘. Die zweite Homeoffice-Verordnung ist schlimm für uns. Ich hoffe nur, dass die Gastronomie das aus- und durchhält.“ Er schwankt zwischen Verständnis für die Corona-Maßnahmen und Zweifeln. „Wir alle haben Angst um unsere Existenzen und verzichten auf Einnahmen. Nur die Politiker nicht. Das ist nicht gerecht.“

Auch auf der Zeil in Frankfurt ist es leer. Nur in der kleinen Heberer-Bäckerei-Filiale in Gerichtsnähe hat sich seit dem letzten Lockdown offenbar nichts verändert. „Brötchen, Stückchen und Café-to-Go werden immer gewünscht“, sagt ein Mitarbeiter. „Irgendwann wird Corona vorbei sein und dann können Lokale und Geschäfte hoffentlich wieder richtig Umsatz machen.“ (Sabine Schramek)

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