1. Startseite
  2. Frankfurt

Sorgenkind Zeil: Frankfurter Einkaufmeile mit schlimmer Entwicklung

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Thomas J. Schmidt

Kommentare

Bis Ende 2020 war hier auf der Zeil Esprit beheimatet, dann zog als Zwischenmieter der Laden Van Hill ein: ein "Shop in Shop", der im Sommer 2021 alles zum halben Preis verkauft. Solche flexiblen Zwischennutzungen könnten ein Teil der Lösung werden.
Bis Ende 2020 war hier auf der Zeil Esprit beheimatet, dann zog als Zwischenmieter der Laden Van Hill ein: ein "Shop in Shop", der im Sommer 2021 alles zum halben Preis verkauft. Solche flexiblen Zwischennutzungen könnten ein Teil der Lösung werden. © Michael Schick

Rund um die Zeil in Frankfurt gibt es schon jetzt viele leere Geschäfte. Der Einzelhandel mahnt schlüssige Konzepte gegen den Leerstand, für den Verkehr und die Hauptwache an.

Frankfurt – Die Struktur der Innenstadt ändert sich. Besonders wegen Corona, aber nicht allein wegen Corona bekommt sie ein anderes Gesicht. Dem Einzelhandel und der Gastronomie hilft auch die Stadt Frankfurt mit einer Reihe kurzfristig durchführbarer Aktionen: so wie die Erweiterung der Außengastronomie 2020 und 2021 oder die vorübergehende Nutzung von Leerständen durch Künstler und vieles andere. Wie Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) nun versicherte, werden die einzelnen Punkte und gegebenenfalls neue Punkte des Frankfurt-Plans auch im laufenden Jahr berücksichtigt.

Doch wie ernst ist die Situation im Einzelhandel? Nicht so ernst, wie befürchtet, aber immer noch schlimm genug, heißt es allenthalben. "Die große Zahl von 100 Leerständen innerhalb des Anlagenrings, die von der Wirtschaftsförderung Frankfurt vor geraumer Zeit veröffentlicht wurde, hat sich nach deren eigenen Angaben als zu groß erwiesen", sagt Hanns-Peter Laux, stellvertretender Geschäftsführer Standortpolitik der Industrie- und Handelskammer Frankfurt. "Bei der Hälfte der Geschäfte würden Umbauarbeiten vorgenommen oder es seien bereits Interessenten mit den Vermietern im Gespräch."

Frankfurt: Geschäfte rund um die Zeil schließen

Dr. Joachim Stoll, stellvertretender Vorsitzender des Hessischen Handelsverbands, ist so ein Beispiel. Sein Lederwaren-Geschäft am Rande der Zeil ist seit dem 1. Dezember geschlossen. Doch ein Nachmieter ist schon vorhanden. Stoll ist vom Strukturwandel selbst betroffen. "Die Makler haben schon vor fünf Jahren gesagt, dass es in der Innenstadt ein Drittel versteckten Leerstand gibt", sagte er. Die Mieten seien zu hoch - das zeige sich an kurzfristigen Anmietungen. "Die Wirtschaftsförderung", glaubt Stoll, "kann Leerstandsmanagement wie in Hanau betreiben und kurzfristig Leerstände anmieten. Aber das geht nicht für die halbe Innenstadt."

Stoll, früher Sprecher der Frankfurter Einzelhändler, fordert, verstärkt gegen Bettelei und Schmutz in der Innenstadt vorzugehen und den Vorschlag des Planungsdezernenten Mike Josef (SPD) zu unterstützen, das "Loch" in der Hauptwache als Veranstaltungsarena zu nutzen.

Ernst Schwarz, Sprecher der Frankfurter Gewerbevereine, hat einige Kritik an der Hauptwache vorzubringen: "Nach der Sperrung für Autofahrer könnte man wenigstens Blumenkästen dort aufstellen", findet er und beklagt die Hässlichkeit der ehemaligen Durchgangsstraße. "Andere Städte gehen auch besser mit den leider wegen der Terrorgefahr notwendigen Betonklötze um." In Wien oder Madrid erinnerten die an Skulpturen, in Frankfurt seien sie immer noch eckig und hässlich.

Zeil in Frankfurt verändert sich: "In den öffentlichen Raum mehr investieren"

Leder-Händler Stoll sieht als Zeil-Anwohner viele Veränderungen auf die zentrale Einkaufsstraße zukommen. "Rund um Zara gibt es jetzt schon viele Leerstände", sagt er. Langfristig müsse man sich überlegen, was aus den Verkaufsflächen wird, die nicht mehr genutzt werden. Beispiel Karstadt: Wenn dort das Sanierungskonzept umgesetzt ist, werden nur noch das Erdgeschoss und der erste Stock genutzt. "Was machen wir mit den anderen Stockwerken? Fitnessstudios? Wohnen? Da liegen Chancen für die Zeil", ist Stoll überzeugt, fordert jedoch auch, dass sich die Stadtplanung Gedanken macht.

Die IHK hat seit Beginn der Corona-Krise noch stärker gefordert, die Aufenthaltsqualität der Innenstadt zu verbessern. "Hierzu sollte in den öffentlichen Raum erheblich investiert werden. Gerade die Hauptwache, oberirdisch wie unterirdisch, hat erheblichen Sanierungs- und Neugestaltungsbedarf", so Laux.

Ein großes Hindernis für den Einzelhandel sieht die IHK in der Verkehrspolitik. "Seit den 70er Jahren sind die großen Einkaufsstraßen Fußgängerzonen, und die meisten Besucher kommen mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Fahrrad. Die verbleibenden Autokunden, die sich von sehr hohen Parkgebühren nicht abschrecken lassen, sollten nicht ausgesperrt werden, denn sie gehören zu den umsatzstärksten Kunden." Die meisten von ihnen werden, vermutet Laux, nicht auf Bus und Bahn oder das Fahrrad umsteigen, weil sie zu weit weg wohnen und die Anbindung des ÖPNV für sie nicht passt. Dem Einzelhandel könne es helfen, wenn das kurzfristige Parken zumindest samstags kostenlos würde, schlägt der IHK-Vizegeschäftsführer vor. (Thomas J. Schmidt)

Auch interessant

Kommentare