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Eine alte Frau bittet auf der Zeil in Frankfurt um Almosen. Daran ist nichts auszusetzen, solange sie nicht aufdringlich wird. Gegen aggressive Bettler in der Innenstadt geht die Stadtpolizei seit Sommer 2017 gezielter vor.

Einkaufsmeile 

"Platzverweise zeigen zu wenig Wirkung": Zu Weihnachten erneut Bettlerbanden auf der Zeil erwartet 

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Zum Weihnachtsmarkt erwarten die Ordnungshüter wieder Bettelbanden auf der Zeil. Das stört manchen Flaneur beim Weihnachtseinkauf.

Frankfurt - Osteuropäische Bettlerbanden, aufdringliche Straßenmusiker, betrunkene Obdachlose: All das brachte vor zwei Jahren die Beschwerdehotline der Stadt Frankfurt zum Glühen. Geklagt hatten vor allem Geschäftsleute aus der Innenstadt. Die Frankfurter Stadtpolizei hat reagiert und gezielt Streifen auf der Einkaufsmeile eingesetzt. Gestern zogen Frankfurts Sicherheitsdezernent Markus Frank (CDU) und der Leiter des Ordnungsamts, Jörg Bannach, Bilanz. Resultat: Die Lage hat sich gebessert.

Das bestätigt auch eine Geschäftsfrau auf der Zeil gegenüber dieser Zeitung: "Man sieht weniger Obdachlose in den Straßen. Es ist besser geworden." Was nicht heißen solle, dass sie etwas gegen Obdachlose habe oder sich an ihnen störe.

Anders sieht es Frank Diergardt vom Verein Neue Zeil. "Es ist nicht besser geworden", widerspricht er der Frankfurter Stadtpolizei. "Ich laufe von Montag bis Freitag jeden Tag über die Zeil. Die ausgesprochenen Platzverweise zeigen zu wenig Wirkung. In keiner anderen europäischen Stadt, die in kenne, bietet sich solch ein Bild von Betrunkenen, Lagernden, ihre Notdurft verrichtenden Menschen, wie auf der Zeil."

Frankfurt: Aggressive Bettler und Straßenmusiker auf der Zeil

Für die Kunden war (oder ist?) es manchmal nervig, über die Leute drüberzusteigen, um in die Geschäfte auf der Zeil zu kommen, sich aggressiver Bettler oder mancher Straßenmusiker zu erwehren. Die Stadtpolizei Frankfurt geht jetzt von ihrer Wache in der Hauptwache aus konsequent vor. 

So wurden von Juni 2017 bis August 2019 insgesamt 56 Verstärkeranlagen beschlagnahmt. "Wir ziehen die Geräte für einige Tage ein. Damit reduzieren wir die Lautstärke der Musiker, und viele suchen ihr Glück in anderen Städten", sagt Bannach.

Zeil: Stadtpolizei Frankfurt mit zwei Streifen unterwegs – Platzverweise für Bettler

Im Schnitt zwei Streifen täglich sind auf der Frankfurter Zeil, dem Römerberg und in der Altstadt zusätzlich unterwegs. Insgesamt belaufe sich das Arbeitspensum bislang auf rund 17 500 Stunden. In den 26 Monaten, die die Statistik ausweist, wurden 23 500 "Maßnahmen" durchgeführt. 

Dies sind 10 500 Kontrollen, 4100 Anzeigen und fast 9000 "sonstige" Aktionen in Frankfurt. Einer der großen Posten hier: 1542 Bettler erhielten einen Platzverweis, 566 Lagernde wurden vertrieben, 386 Obdachlose - wenn alles andere nicht hilft - gegen ihren Willen in die Obdachlosenunterkunft gebracht.

Zwei Streifen der Stadtpolizei sind täglich auf der Zeil, dem Römerberg und in der neuen Altstadt von Frankfurt unterwegs und sehen nach dem Rechten.

Dafür hat die Stadtpolizei Frankfurt eigens ein Fahrzeug angeschafft, quasi ein Gefängniswagen, bei dem die Besatzung sicher ist vor Spuck- und sonstigen Attacken der Obdachlosen. "Wir bringen die Leute in den Ostpark, wo sie gut betreut werden", sagt Frank. 

Der Leiter der Stadtpolizei, Matthias Heinrich, ergänzt: "Wir fahren sie nicht an den Stadtrand und werfen sie dort aus dem Auto."

Frankfurt: Betteln auf der Zeil als weihnachtliches Saisongeschäft

Grundsätzlich gilt: Jeder hat das Recht, auf der Zeil in Frankfurt zu betteln. Er darf halt nicht andere stören. Die Leute dürfen nicht im Weg sitzen, zu Stolperfallen werden, dürfen nicht aggressiv sein. Ist eines der Kriterien erfüllt, werden die Leute "mobilisiert", also zum Ortswechsel aufgefordert. Kommen sie dem nicht nach, kann ein Platzverweis erfolgen. "Das ist in 90 Prozent der Fälle ausreichend", sagt Heinrich. Nur sehr wenige renitente Kunden würden in den Ostpark gebracht.

"Es ist eine dynamische Lage", sagt Bannach, also quasi ein Saisongeschäft. Stadtrat Frank weist darauf hin: "Mit dem Weihnachtsmarkt werden sicher wieder mehr Bettler nach Frankfurt kommen." Bettelbanden aus Osteuropa – deren Mitglieder abends eingesammelt werden und gemeinsam übernachten, um am Folgetag vielleicht in einer anderen Stadt zu betteln - habe man Bannach zufolge schon vertreiben können mit einer intensiven Kontrolle der Personalien.

Frank über Bettler auf Zeil: Frankfurter lieber für Kapuziner spenden

Aber eben nicht dauerhaft. Plätze, welche die einen räumen, werden sofort von anderen eingenommen, so lange die Frankfurter so großzügig sind und den Bettlern Geld geben. "Ich rate allen, dieses Geld lieber den Kapuzinern zu geben", sagt Frank. "Bruder Paulus kennt die Frankfurter Obdachlosen und weiß genau, wer Hilfe am Nötigsten hat."

Ebenfalls leben müssen die Frankfurter auch in diesem Jahr mit einer fehlenden Weihnachtsbeleuchtung auf der Zeil und in der Neuen Altstadt. Dafür können sich Besucher auf einen prominenten Neuzugang im MyZeil freuen. Ein echtes Frankfurter Traditionsgeschäft zieht ein

Von THOMAS J. SCHMIDT

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