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Besucher bringen Menschenaffen im Frankfurter Zoo in Gefahr

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Von: Michelle Spillner

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Viele Gäste ignorieren die Maskenpflicht im Borgori-Wald. Der Frankfurter Zoo fürchtet, dass sich die Tiere bei den Besuchern mit dem Coronavirus infizieren könnten.

Frankfurt - Trotz Maskenpflicht im Menschenaffen-Haus „Borgori-Wald“ im Frankfurt Zoo tragen Rosa, Kembali und Rebecca keine Masken. Müssen sie auch nicht - und können sie auch nicht -, denn sie sind Affen: Orang-Utans und Gorillas. Aber die vernunftbegabten Menschen könnten es: Sie können die vielen Hinweisschilder lesen, die auf die Maskenpflicht für alle Menschen über sechs Jahren hinweisen. Und sie sind in Gegensatz zu den Affen in der Lage, über Verständnis, Vernunft, Verantwortungsbewusstsein und Rücksichtnahme zu einer Einsicht zu kommen und die Maske aufzusetzen. Aber viele der mehreren hundert Besucher am Tag tun es nicht, gehen ohne Schutz rein, manche halten sich ein Flugblatt oder das T-Shirt vor den Mund und bringen damit zum Ausdruck, dass sie sehr wohl um die Maskenpflicht wissen, sich aber nicht darum scheren.

Zoo Frankfurt: Covid-Behandlung wäre für Affen kaum möglich

Das bringt die Frankfurter Menschenaffen in Gefahr. Affen können sich mit Covid-19 anstecken, weil sie dem Menschen genetisch so nah sind. Man weiß nicht, wie die einzelnen Arten - wie Orang-Utan und Gorillas, Husarenaffen und Rotscheitel-Mangabe, Westlicher Flachlandgorilla und Bonobo - auf eine Infektion reagieren würden. Aber in Ansteckungsfällen bei Gorillas in anderen Zoos reichten die Symptome bis hin zur Lungenentzündung. Bei schweren Verläufen wäre eine Behandlung kaum bis gar nicht möglich - zum Beispiel mit Hilfe von Beatmungsmaschinen wie bei Menschen.

Dazu kommt: In Frankfurt leben teilweise sehr alte und auch viele junge Individuen, die sehr viel gefährdeter sind. Es wäre nicht möglich, eine Ausbreitung der Infektionen zwischen den Affen zu verhindern. „Dass im Menschenaffenhaus eine Maskenpflicht herrscht, dient vor allem dem Schutz der Tiere, aber auch der Pfleger und der Gäste - gerade wenn wir in Richtung Herbst denken, wenn sich die Menschenaffen wieder mehr im Haus aufhalten“, so Zoo-Sprecherin Christine Kurrle.

Unter den Affen ist es ganz einfach: Wer sich nicht an Regeln hält, bekommt Haue. Wobei hier der zwei Jahre alte Flachlandgorilla Arco mit seinem Kumpel Jimmy, einem Rotscheitelmangaben-Männchen, eher spielerisch rauft. FOTOs: michelle spillner
Unter den Affen ist es ganz einfach: Wer sich nicht an Regeln hält, bekommt Haue. Wobei hier der zwei Jahre alte Flachlandgorilla Arco mit seinem Kumpel Jimmy, einem Rotscheitelmangaben-Männchen, eher spielerisch rauft. FOTOs: michelle spillner © Michelle Spillner

Wegen Corona war das Menschenaffenhaus in Frankfurt fast zwei Jahre geschlossen. „Das war sehr bitter für unsere Besucher“, schildert Kurrle. Im Juli hat der Frankfurter Zoo das Haus wieder geöffnet. Zum einen, weil die Menschenaffen im Sommer auf den Außenanlagen zu sehen sind und es im Haus daher nicht so voll ist, und dann, weil man in den vergangenen Jahren viel über das Coronavirus gelernt hat und sich die Gefährlichkeit mit den aktuell vorherrschenden Varianten abgeschwächt zu haben scheint.

Corona-Gefahr im Zoo Frankfurt: „Unsere Tiere sind nicht geimpft“

„Abgeschwächt, aber nicht verschwunden“, betont Kurrle und fügt an: „Unsere Tiere sind nicht geimpft. Wir dürfen sie einer Ansteckungsgefahr nicht ungeschützt aussetzen.“ Deshalb ist die Bedingung für den Gang ins Menschenaffenhaus das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes.

Die Tiere sitzen zwar hinter Glasscheiben, unterhalb der Decke aber haben alle Innenanlagen Netze. „Das ist toll, weil wir so die Tiere hören und riechen können und sie können uns hören. Es lässt aber auch die möglicherweise mit Viren versetzte Luft zirkulieren“, erklärt Kurrle. Und es komme außerdem vor, dass Besucher in Frankfurt den Affen Gegenstände oder auch Nahrungsmittel durch die Netze zuwerfen, was sehr gefährlich sei. „Das birgt nicht nur das Risiko einer Infektion, sondern auch von Verletzung und Fehlernährung“, so Kurrle.

Sicherheit der Frankfurter Zoo-Affen: „Tierpfleger reden sich Mund fusselig“

Man ist ratlos, wie man den Schutz der Affen noch besser gewährleisten kann. „Wir weisen auf vielen Kanälen auf die Maskenpflicht im Borgori-Wald hin - von der Website über Info-Screens bis hin zu Schildern vor und im Menschenaffenhaus, dort auch nicht nur auf Englisch und Deutsch, sondern in unterschiedlichen Sprachen“, so Kurrle. Zudem sind vor allem an den Wochenenden Naturschutzbotschafter im Haus, die darüber informieren. In der Ferienzeit wiesen Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma im Haus auf die Maskenpflicht hin. „Vor allem sind es aber die Kolleginnen und Kollegen aus der Tierpflege, die im Haus arbeiten, die sich an manchen Tagen leider den Mund fusselig reden müssen“, so Kurrle. Wenn jemand seine Maske vergessen hat, kann er im Zoo-Shop oder am Imbissstand vor dem Borgori-Wald einen Mund-Nasen-Schutz kaufen.

Ersatz für Publikumsliebling

Im Dezember starb der beim Publikum sehr beliebte Brillenbär Nobody. Neuzugang Chimbo könnte die Lücke füllen, die er im Zoo Frankfurt hinterlassen hat.

Klar ist: Wenn die Besucher sich nicht an die Maskenpflicht halten und die Affen in Gefahr bringen, „wenn es zu Konflikten kommt und vor allem im Fall, dass eines oder mehrere der Tiere Symptome einer Corona-Infektion zeigen, werden wir das Haus wieder schließen müssen. Das wollen wir nicht, würden es aber zum Schutz der Tiere tun“, so Kurrle. Und das wäre nicht nur für die Besucher bitter. Kurrle: „Das wäre auch für die Tiere schlimm. Sie brauchen auch uns, die Besucher.“ (Michelle Spillner)

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