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Sensationsfund in Frankfurt: Archäologen haben die Überreste einer Synagoge entdeckt. Sie wurde kurz vor dem Zweiten Weltkrieg von den Nazis zerstört.

Archäologen begeistert

Sensationsfund in Frankfurt: Von den Nazis zerstörte Synagoge entdeckt

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Archäologen haben bei Grabungen in Frankfurt die Überreste einer Synagoge entdeckt. Vor dem Zweiten Weltkrieg wurde sie von den Nazis zerstört.

  • Archäologen machen bei Grabungen in Frankfurt einen Sensationsfund.
  • Sie bringen eine Synagoge zum Vorschein, die von den Nazis in der Reichspogromnacht kurz vor dem Zweiten Weltkrieg zerstört wurde.
  • Die Jüdische Gemeinde erhofft sich eine Diskussion über den Umgang der Stadt Frankfurt mit dem jüdischen Erbe.

Frankfurt – "Mein Metier ist: Schau'n merr mal", sagt Andrea Hampel, die Leiterin des städtischen Denkmalamts. Auch wenn die Archäologin eher zurückhaltend ist, da noch nicht alle Erkenntnisse gewonnen sind, weil vieles noch in der Erde schlummert, so kann sie schon jetzt über den Ettinghausenplatz in Frankfurt sagen: "Für die archäologische Denkmalpflege ist das ein ganz besonderer Ort."

Seit 7. April wird auf dem kleinen Platz in Höchst gegraben, der zwischen dem Markt und dem unter Denkmalschutz stehenden Luftschutzbunker an der Schleifergasse liegt, und der nach einer jüdischen Familie benannt ist, die vor der Eingemeindung Höchsts durch politisches und soziales Engagement hervortrat. Max Ettinghausen war Vorsteher der Jüdischen Gemeinde Höchst, die 1905 an dieser Stelle ihre vierte Synagoge einweihen konnte - die in der Reichspogromnacht am Morgen des 10. November 1938 von einem braunen Mob angezündet wurde.

Frankfurt: Überreste der Synagoge unter dem Pflaster – Vor dem Zweiten Weltkrieg von den Nazis zerstört

Die Grundrisse dieser Synagoge zu finden, war ein Ziel der Grabungen, und die Archäologen sind quasi direkt unter dem Kopfsteinpflaster auf die aus Backstein gemauerten Entlastungsbögen des Fundaments gestoßen. "Die Nazis haben die Synagoge nur oberirdisch abgebrochen, nach dem Motto: Was man nicht sieht, ist auch nicht da", sagt Grabungsleiterin Elke Sichert.

Bis zu drei Meter tief hat sie sich mit ihrem Team in den Untergrund vorgearbeitet, derzeit noch im Areal direkt vor der Fassade des 1939 errichteten Bunkers. Die Überreste des Portals der Synagoge liegen noch im Boden - und mit ihnen vielleicht auch eine Kassette mit Münzen und Dokumenten, die bei der Grundsteinlegung dort vergraben wurde, wie Waltraud Beck von der Höchster Arbeitsgemeinschaft "Geschichte und Erinnerung" hofft. Die AG hat fast zwei Jahrzehnte dafür gestritten, dass dort Relikte gesichert werden; 2010 gelang es ihr zumindest, dass der kleine Platz seinen heutigen Namen bekam.

Fund bei Grabungen in Frankfurt: Spuren aus mehreren Jahrhunderten

Aber in der Erde liegt noch mehr: Zwischen dem Bunker und einer Zehntscheune ist die alte Höchster Stadtmauer zu sehen, zwischen 1355 und 1432 erbaut. Hier wurde der Liederbach umgeleitet, um den Stadtgraben zu fluten; der Name Schleifergasse erinnert daran, dass es dort wohl Mühlen gegeben haben muss. Ein früherer Stadtturm wurde 1798 von der Jüdischen Gemeinde Höchst erworben. Weil er fortan als "Badstubenturm" in den Quellen auftaucht, wird davon ausgegangen, dass dort eine Mikwe, ein jüdisches Ritualbad, seinen Platz hatte.

Und weil man schon damals offenbar den Müll nur vor die Tür warf, werden auf dem Platz auch Abraumhalden der Höchster Porzellan-Manufaktur erwartet, die bei ihrer Gründung 1746 nur einen Steinwurf entfernt ihren Sitz hatte. Grabungsleiterin Elke Sichert ist gespannt, was sie noch erwartet. Gefunden hat sie zuletzt eine Bodenverfärbung, die auf einen Brunnen hindeutet, sowie eine dunkle Erdstruktur mit Zacken. "Das sieht wie ein Toblerone aus", sagt sie und geht davon aus, dass hier eine Tragschicht im Boden liegt, die von längst zersetzten Balken gehalten wurde.

Synagoge bei Grabungen in Frankfurt zum Vorschein gebracht: Jüdische Gemeinde erhofft sich Diskussion

Marc Grünbaum, Mitglied des Vorstands der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt, erhofft sich eine Diskussion darüber, wie grundsätzlich in der Stadt mit dem jüdischen Erbe umgegangen werde: Dieselbe Situation mit teilweise mit einem Bunker überbauten Resten gebe es an der Friedberger Anlage. Bürgermeister Uwe Becker, zugleich Religionsdezernent, versprach "einen würdigen Umgang mit den Funden". Die gewonnenen Erkenntnisse sollen in die Gestaltung des Platzes einfließen. Allerdings wird noch mindestens acht Wochen weiter gegraben. Finanziert werden die Grabungen über das Programm "Schöneres Frankfurt".

Was bis jetzt gefunden wurde, können Interessierte am Montag, 11. Mai, nach Anmeldung besichtigen - in Gruppen von maximal 20 Personen. Eine namentliche Anmeldung ist unter denkmalamt@ stadt-frankfurt.de oder der Telefonnummer 069/2123-6199 erforderlich. Anmeldeschluss ist Freitag, 8. Mai, 12 Uhr.

hv

Einen anderen Sensationsfund machte dagegen der Zoll in Frankfurt. Zwei Hunde entdeckten große Mengen Kokain. Die Drogen hatten Millionenwert.

Auch bei einem weiteren Fund am Flughafen Frankfurt hatte der Spürhund den richtigen Riecher. 

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