Mit dieser Fotografie hat Andreas Bauer in der Kategorie "Sport" beim internationalen CEWE Photo Award gewonnen. Bauer hat es mit "Jetzt ist der Augenblick: Catch it if you can" untertitelt.
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Mit dieser Fotografie hat Andreas Bauer in der Kategorie "Sport" beim internationalen CEWE Photo Award gewonnen. Bauer hat es mit "Jetzt ist der Augenblick: Catch it if you can" untertitelt.

CEWE Photoaward

Frankfurter Amateur-Fotograf gewinnt internationalen Preis

  • VonMichelle Spillner
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Der Frankfurter Amateur-Fotograf Andreas Bauer hat den internationalen CEWE Photoaward gewonnen, bei dem mehr als 600 000 Bilder eingereicht wurden.

Frankfurt -Es gibt Orte, an die kehrt Andreas Bauer mit seinem Fotoapparat immer wieder zurück. So auch an den belebten Platz in einer Seitenstraße im Zentrum Havannas (Kuba). Dort prangt an einer Wand als meterhohes Graffiti ein Bild der Gottheit Elegua, das schon ein wenig abblättert. Elegua steht für Lebensfreude. Menschen hat Bauer vor diesem Wandbild essen sehen, Liebespaare vorbeiziehen, Senioren plaudern... und eines Tages spielten dort zwei Jungen Fußball. "Ich habe eine ganze Bilderserie gemacht", schildert Andreas Bauer.

Frankfurter entdeckt Schönheit in Havanna

Das Schönste aus der Serie sieht so aus: Ein Junge hat den Ball getreten, der Ball fliegt durch die Luft auf den anderen Jungen zu, der die Arme hochreißt, um ihn vor dem gedachten Tor unter den Augen Eleguas abfangen will. Beide Jungen fixieren den Ball mit ihren Augen. Der Moment der höchsten Konzentration eingefangen in einer Fotografie - den Bruchteil einer Sekunde später den Auslöser gedrückt, und alles wäre anders gewesen. "Der Schuss und der Fang, und beide sind fokussiert auf das, was sie tun", fasst Bauer zusammen. Für den Frankfurter ist das eine Metapher für Fotografie. Auch er sei beim Fotografieren fokussiert, ganz in der Konzentration.

"Jetzt ist der Augenblick: Catch it if you can", hat Bauer das Bild untertitelt. Damit setzte er sich beim internationalen CEWE Photoaward in der Kategorie "Sport" durch, der mit mehr als 600 000 eingereichten Bildern zum größten Fotowettbewerb der Welt avanciert.

Andreas Bauer ist Amateurfotograf. Im Hauptberuf ist der 56-Jährige Redakteur beim Hessischen Rundfunk. Als Jugendlicher hat er bereits begonnen zu fotografieren, damals noch mit Analog-Kamera und Schwarz-weiß-Filmen, die er in der rotbeleuchteten Badezimmer-Dunkelkammer mit der Nase über Entwickler-, Stopp- und Fixierbad entwickelte. Zwischendurch trat die Fotografie in seinem Leben in den Hintergrund, bis er vor elf Jahren zum ersten Mal nach Kuba kam.

Kuba fasziniert den Frankfurter

Das Land habe ihn umgehauen: "An jeder Straßenecke gibt es ein Bild, das fasziniert. Es ist wie eine Theaterkulisse, in der sich Menschen bewegen." Das Licht in Kuba ist völlig anders. Die warme Sonne scheine auf ein Land, das geprägt sei von morbidem Charme und Lebensfreude. Unzählige Bilder hat er seitdem dort, in der Karibik, gemacht, niemals inszeniert, immer fein beobachtet und im entscheidenden Moment als echtes Leben eingefangen. Einige Fotografien hängen in seinem Wohnzimmer an der Wand: Die Schwarz-weiß-Aufnahme über den behaarten Unterarm eines Taxifahrers hinweg in eine kubanische Straße hat das Zeug, ein Klassiker der Fotokunst zu werden.

In Kuba hat man Bauers Qualitäten bereits erkannt. Dort stellte er 2018 im Nationaltheater in Havanna aus. In jenem Jahr verbrachte er seinen Erziehungsurlaub auf Kuba, lebte mehrere Monate in Havanna und zog oft mit seiner kleinen Tochter in der Babytrage vorm Bauch und der Kamera in der Hand durch die Straßen. Da entstand auch das Siegerbild.

"Man darf sich nicht mit 95 Prozent zufriedengeben"

Wer seine Bilder sehen möchte, findet sie ansonsten vor allem in Fotocommunities, in kuratierten Galerien der Online-Plattformen. Er veröffentlicht nur, womit er rundum zufrieden ist. "Wenn einen etwas fasziniert und mitreißt, dann geht es darum, dabei zu bleiben, und auch Zeit zu investieren und sich nicht abbringen zu lassen", beschreibt er seine Hartnäckigkeit auf der Suche nach perfekten Bildern: "Man darf sich nicht mit 95 Prozent zufriedengeben." Für ihn sei der schönste Moment, wenn er in eine Art "Flow" komme: "Dann denke ich nicht mehr viel nach, mache einfach aus dem Bauch heraus, fühle mich eins mit der Situation, und dann geht alles ganz leicht."

Seine Leidenschaft gilt der Streetphotographie, sagt er und ergänzt: "Architektur und Landschaften werden erst lebendig, wenn irgendwo ein Mensch zu sehen ist." Und je nachdem, welcher Mensch, welches Element, welche Aktion sich in die Szenerie einfügt, entstehen komplett neue Bilder und Geschichten. Deshalb kehrt Bauer immer wieder an dieselben Orte zurück.

Andreas Bauer ist mit der Kamera in den Straßen unterwegs, wie hier auf der Mainzer Landstraße.

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