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Im Visier von Rechtsradikalen: Seda Basay-Yildiz.

NSU 2.0

Frankfurter Anwältin erneut von Rechtsextremen bedroht

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Die Frankfurter Rechtsanwältin Seda Basay-Yildiz hat nach einem Zeitungsbericht erneut einen Drohbrief erhalten, der mit „NSU 2.0“ unterzeichnet war. Wieder soll er persönliche Daten enthalten haben, die aus einem Polizeicomputer stammen.

Frankfurt - „Dir hirntoten Scheißdöner ist offensichtlich nicht bewusst, was du unseren Polizeikollegen angetan hast!“, haben die anonymen Verfasser eines neuen Drohschreibens an Seda Basay-Yildiz laut „Süddeutscher Zeitung“ geschrieben. Damit beziehen sie sich offenbar auf die Staatsschutz-Ermittlungen gegen sechs Polizisten, deren Auslöser ein ähnliches an die Rechtsanwältin gerichtetes Schreiben war. Es enthielt persönliche Daten von Basay-Yildiz, die zuvor auf einem Polizeicomputer im Frankfurter 1. Revier abgerufen worden waren, ohne dass es dafür einen dienstlichen Anlass gab.

Sechs Polizisten vom Dienst suspendiert

Die Ermittler enttarnten daraufhin eine Gruppe von sechs Polizisten, die sich rechtsradikale Chatnachrichten geschickt haben sollen. Sie sind bis zum Abschluss der Ermittlungen vom Dienst suspendiert. Ob Mitglieder dieser Chatgruppe das Drohschreiben selbst verfasst oder die abgerufenen Daten weitergeben haben, ist bisher nicht bekannt. Genauso unklar bleibt zunächst, wer hinter dem zweiten Schreiben an Basay-Yildiz steckt.

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Erneut wird in dem per Computerfax übermittelten Drohbrief dem Zeitungsbericht zufolge der Name ihrer zweijährigen Tochter genannt. Außerdem würden diesmal auch Basay-Yildiz’ Vater, ihre Mutter und ihr Mann namentlich genannt. Sie seien alle unter ihrer Adresse gemeldet. „So etwas kann man nicht über die sozialen Netzwerke herausfinden“, sagte Basay-Yildiz laut „Süddeutscher Zeitung“. „Und mein Vater ist 79, der ist nicht auf Facebook oder sonstwo aktiv.“

Nebenklagevertretung beim NSU-Prozess

Die Strafverteidigerin mit türkischen Wurzeln trat im NSU-Prozess als Nebenklagevertreterin auf. Auch Islamisten, die von deutschen Sicherheitsbehörden als sogenannte Gefährder eingestuft werden, zählen zu ihren Mandanten. Einer ihrer öffentlichkeitswirksamsten Fälle war Sami A., der früher als Leibwächter für Osama Bin Laden gearbeitet haben soll.

A. wurde unter politisch und rechtlich umstrittenen Umständen nach Tunesien abgeschoben, woraufhin Basay-Yildiz ein Zwangsgeld gegen die Stadt Bochum durchsetzen wollte. Darauf nahmen die Verfasser des ersten mit „NSU 2.0“ unterzeichneten Faxes Bezug: „Als Vergeltung für 10 000 Euro Zwangsgeld schlachten wir deine Tochter“, drohten sie. In dem neuen Schreiben heißt es laut Zeitungsbericht: „Allerdings kommt es jetzt richtig dicke für dich, du Türkensau! Deiner Scheiß (Name der Tochter) reißen wir den Kopf ab ... und der Rest eurer Dönercrew wird ebenfalls kompetent betreut werden.

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