Der AWO Kreisverband Frankfurt in der Henschelstraße 11.
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Der AWO Kreisverband Frankfurt in der Henschelstraße 11.

Skandal

Nach Skandal: Frankfurter Awo fordert Millionensumme zurück

  • Thomas J. Schmidt
    VonThomas J. Schmidt
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Der Wiesbadener Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt soll Mitarbeiter falsch abgerechnet haben.

Frankfurt - Die Arbeiterwohlfahrt Frankfurt (Awo) stellt Forderungen von 3,2 Millionen Euro an die Awo Wiesbaden. Dies hat die Frankfurter Awo gestern mitgeteilt. "Durch Zufall haben wir Unregelmäßigkeiten entdeckt, als wir uns mit dem Thema Mitarbeiterüberlassung durch den Kreisverband Wiesbaden beschäftigt haben", sagte der Vorstandsvorsitzende der Awo Frankfurt, Steffen Krollmann, gestern. Man habe dann die Rechnungen von der Staatsanwaltschaft angefordert, denn die Aktenordner waren dort. Es kam Krollmann zufolge heraus: "Alle Mitarbeiterabrechnungen waren falsch. 85 Prozent der Personen, die der Awo Frankfurt von der Awo Wiesbaden in Rechnung gestellt wurden, waren gar nicht bei der Awo Wiesbaden beschäftigt, sondern bei uns." Geprüft wurden die Jahre 2015 bis 2019. Die Zahlungen waren nur möglich, weil die Rechnungen nicht auf sachliche Richtigkeit geprüft wurden. Eine ordnungsgemäße Prüfung hätte den Betrug aufdecken müssen. Zwei dafür verantwortliche Mitarbeiterinnen des Rechnungswesens wurden fristlos gekündigt und Strafanzeige gegen diese und drei weitere Personen gestellt.

Awo-Skandal: Franz Betz äußert sich zu Kreisverband Frankfurt

Der stellvertretende Vorsitzende der Awo Wiesbaden, Franz Betz, sagte gestern: "Wir können dazu nichts sagen, so lange wir nicht die Belege eingesehen und überprüft haben. Bislang war die Zusammenarbeit der Kreisverbände Frankfurt und Wiesbaden aber sehr kooperativ, was die Aufklärung der vergangenen Jahre angeht. Dabei haben wir schon vieles entdeckt, was bis dato niemand für möglich gehalten hätte."

In der Vergangenheit, ehe der Skandal um die Arbeiterwohlfahrt Frankfurt aufgeflogen ist und der damalige Vorsitzende, Jürgen Richter, seinen Hut nehmen musste, haben die beiden Kreisverbände auf recht undurchschaubare Weise zusammengearbeitet. Chefin der Awo Wiesbaden war damals Richters Ehefrau Hannelore.

Neben den Mitarbeiterüberlassungen gab es auch zahlreiche "Spenden" der Awo Frankfurt an die Awo Wiesbaden. Deren Höhe beläuft sich Krollman zufolge auf 800 000 Euro, so dass der Gesamtschaden durch Wiesbaden vier Millionen Euro beträgt. Allerdings sind die 800 000 Euro bereits bei der Versicherung in Rechnung gestellt, so dass dieser Betrag jetzt nicht auch noch von der Awo Wiesbaden eingefordert werden kann. Diese Spendenzahlungen waren jedoch ein Kündigungsgrund gegen den früheren Awo-Chef Jürgen Richter.

Krollmann betonte: "Es sind vier Millionen Euro, die aus den Rücklagen, den Ersparnissen der Awo Frankfurt stammen. Kein Cent davon wurde der Stadt Frankfurt in Rechnung gestellt."

Die 3,2 Millionen Euro, die Frankfurt jetzt von Wiesbaden zurückhaben will, berechnen sich neben den falschen Mitarbeiter-Rechnungen auch aus einer Kooperationsvereinbarung mit der Awo Wiesbaden.

Awo-Skandal: Falsche Zählung?

Demnach haben Hannelore Richter und ihr Team für jeden Flüchtling, der in den Frankfurter Awo-Flüchlingsunterkünften lebte und der von der Awo Wiesbaden mit betreut wurde, pauschal 3,85 Euro erhalten. Als dann bei einer genauen Zählung herausgekommen ist, dass weniger Flüchtlinge betreut wurden, als veranschlagt, hat Wiesbaden, so Krollmanns Vorwurf, diese Pauschale eigenmächtig erhöht, so dass die Endsumme die gleiche war wie vorher.

Ob die Awo Frankfurt Chancen hat, ihr Geld zurückzubekommen, ist fraglich. Die Awo Wiesbaden ist in Insolvenz, allerdings Insolvenz in Eigenverantwortung. Für jeden Euro, der ausgegeben wird, muss der gerichtlich bestellte Sachwalter zustimmen. Ob er der Forderung der Frankfurter zustimmt, muss abgewartet werden. "Ansonsten werden wir Feststellungsklage auf Anerkennung erheben", so Krollmann. (thomas j. schmidt)

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