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Am Schweizer Finanzplatz Zürich hat die Frankfurter Bankgesellschaft ihren Hauptsitz.

Expansion

Die Frankfurter Bankgesellschaft, ein Sparkassen-Ableger für Superreiche

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Die Frankfurter Bankgesellschaft geht als Privatbank der deutschen Sparkassen auf Expansionskurs, steigert das Anlagevolumen beträchtlich, verdoppelt die Beraterzahl und wendet sich inzwischen auch den Superreichen zu.

Die Niedrigzinsphase hat das Geldanlegen und das Verwalten von eigenem Vermögen nicht leichter gemacht. Ganz im Gegenteil ist es immer schwieriger geworden, ein ausbalanciertes Verhältnis von Rendite und Risiko darzustellen. Kleinanleger tun sich schon schwer, ihr Erspartes vor inflationsbedingtem Aufzehren zu bewahren. Sparkassen- und Bank-Berater können dabei unterstützen und vor Fehlentscheidungen schützen. Für die Betuchteren im Land, für Unternehmer und Erben bieten sich Privatbanken an. Dazu zählt auch die Frankfurter Bankgesellschaft, die für reiche Kunden mit einem Mindestanlagevolumen von einer Million Euro tätig wird.

Die Privatbank mit Sitz in Zürich gehört zur deutschen Sparkassenorganisation, ist ein Tochterunternehmen der Landesbank Hessen-Thüringen. An der Spitze steht mit Holger Mai ein ehemaliges Vorstandsmitglied der Taunus-Sparkasse. Mai hat die Privatbank aufgebaut und ein Geschäftsmodell entwickelt, das sich trägt, der Muttergesellschaft eine jährliche Dividende in Millionenhöhe ausschüttet und der Privatbank-Konkurrenz hierzulande Respekt abgenötigt hat. Aktuell betreut die Bankgesellschaft rund 4000 Privatkunden in ganz Deutschland. Damit ist die Privatbank der Sparkassen deutlich kleiner als die Marktführer Oddo BHF, das Bankhaus Metzler oder die Bethmann Bank.

Wer der Bank Vermögen anvertraut, muss für die erbrachten Leistungen ein Honorar bzw. eine Provision zahlen. Je nach Assetklasse und Anlagevolumen liege der Preis zwischen 0,4 und 1,2 Prozent jährlich, so der Bank-Chef.

Holger Mai expandiert mit dem Institut und hat 2017 das wachstumsreichste Jahr seit Bestehen der Bankgesellschaft in ihrer heutigen Form erlebt. Das Anlagevolumen kletterte kräftig auf elf Milliarden Euro. Auch im laufenden Jahr rechnet Mai mit einer Zunahme der Anlagegelder um bis zu zwei Milliarden Euro. Damit das gelingt, baut die Bankgesellschaft ihre Beratungskapazitäten stark aus. Bis Ende des Jahres sollen 50 Top-Berater unter Vertrag sein. Das wäre eine Verdopplung binnen 18 Monaten. Die Kundschaft gewinnt das Institut über die mit ihr verbundenen Sparkassen. Das sind derzeit insgesamt 243, verteilt über die gesamte Republik.

Größere „weiße Flecke“ weist die Landkarte vor allem in Ostdeutschland auf, aber auch in Baden-Württemberg und Teilen Norddeutschlands vermutet Mai noch nicht ausgeschöpftes Potenzial. Der jüngste Vorstoß findet in Nordrhein-Westfalen statt. In der Landeshauptstadt wurde zu Jahresbeginn eine neue Niederlassung eröffnet. München wurde als Mini-Standort eingerichtet. Die insgesamt 170 Mitarbeiter der Frankfurter Bankgesellschaft verteilen sich hauptsächlich auf die Standorte in Zürich und Frankfurt.

Als Meilenstein für das Institut wertet Vorstandsmitglied Dietmar Schunk die Gründung eines sogenannten „Family Offices“ in Frankfurt. Diese Spezialbank zielt mit ihrer Beratung und Vermögensverwaltung auf die Superreichen und auf Familienunternehmer. Dabei wird ein ganzheitlicher Ansatz verfolgt, der weit über das Management von liquidem Vermögen hinausgeht und bis zur Regelung der Unternehmensnachfolge reicht.

Die notwendigen Investitionen in neue Niederlassungen und zusätzliche Berater kann die Bankgesellschaft aus Erlösen finanzieren, die aus dem Verkauf der Fondsgesellschaft LB (Swiss) Investment AG resultieren. Außerordentliche Erträge von fast 20 Millionen Euro sollen dabei angefallen sein.

Was macht den Charme einer solchen Privatbank aus? Vorstandsmitglied Udo Kröger erklärt es so: „Die Bodenständigkeit der Sparkassen verbunden mit den Vorzügen einer Privatbank wie etwa hohe

Diskretion

schätzen die Kunden.“ Keinen Nachteil dürfte auch die direkte Verbindung in die Schweiz darstellen. Gerade die jüngsten von Italien ausgelösten Turbulenzen innerhalb der EU hätten den Finanzplatz Schweiz noch attraktiver gemacht, weiß Kröger. Es habe einige Kundenanfragen gegeben, Aktienwerte aus dem Euroland in vergleichbare Papiere Schweizer Konzerne umzutauschen. Die Sorge über ein erneutes Aufflammen der Euro-Krise sei spürbar.

Können Kleinanleger von den Spezialisten im Umgang mit riesigen Geldsummen etwas lernen? Vielleicht das: Die weit verbreitete Anlageformel, wonach der Aktienanteil am privaten Vermögen 100 minus dem Lebensalter betragen sollte, sei eine gute Richtschnur, meinte Kröger. Wichtig dabei sei aber stets das persönliche Risiko-/Sicherheitsempfinden. Man müsse auch kurzfristige Rückschläge verdauen und noch ruhig schlafen können.

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