Aus diesem Unfallwagen haben Passanten die Verletzten geborgen.
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Aus diesem Unfallwagen haben Passanten die Verletzten geborgen.

"Der Mann von der Baustelle ist ein Held"

Frankfurter Bauarbeiter verhindert Schlimmeres und stoppt Unfallauto mit Frau und zwei Kindern

  • vonSabine Schramek
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Auf der Mainzer Landstraße kracht ein Kleinwagen in die Straßenbahn. Die Fahrerin und ihre beiden Kinder sind schwer verletzt. Zeugen helfen, vor allem einer greift beherzt ein.

Zwei Kleinkinder und ihre Mutter sind am Freitagnachmittag, 5. Februar, auf der Mainzer Landstraße schwer verletzt worden, als ihr Opel Corsa mit einer Straßenbahn der Linie 11 in Richtung Fechenheim kollidierte. Augenzeugen waren sofort zur Stelle und haben geholfen. Ein Bauarbeiter stoppte sogar den rollenden Wagen, sonst wäre womöglich noch Schlimmeres passiert. Mehr als drei Stunden lang war die Strecke der Straßenbahnen 11, 21 und 14 gesperrt.

Den Augenblick des Unfalls gegen 14.10 Uhr wird Innenausbauer Pawel Swiacki so schnell nicht vergessen. "Das Auto wollte aus der Krifteler Straße rausfahren, knallte gegen die Straßenbahn, wurde mehrfach umher geschleudert, knallte dabei gegen geparkte Wagen eines Autovermieters und rollte wieder auf die Straße. Die Fahrertür war völlig eingedrückt. Hätte der Bauarbeiter nicht von außen das Lenkrad so schnell gegriffen und den rollenden Wagen mit der Hand gestoppt, wäre wohl noch viel mehr passiert." Ein Mitarbeiter eines E-Zigaretten-Ladens nickt. Er hat den Knall gehört und gesehen, wie der Wagen scheinbar führerlos weiter rollte. "Die Frau lag quer über den Beifahrersitz und schon war der Bauarbeiter am Wagen und hat ihn gelenkt." Auch ihm steht der Schrecken noch ins Gesicht geschrieben. Die beiden und weitere Passanten haben die beiden Kleinkinder und ihre Mutter sofort aus dem Wagen geholt, Polizei, Feuerwehr und Rettungskräfte waren innerhalb von Minuten mit Großaufgebot vor Ort. "Wir haben der Frau, die wieder bei Bewusstsein war, sofort Wasser rausgebracht und Küchentücher. Alle drei waren schon nicht mehr im Auto, als die Feuerwehr kam. Rettungskräfte haben die kleinen Kinder genommen und sie in Rettungswagen gebracht", erzählt der Augenzeuge. "Die Mutter schrie, dass sie zu ihren Kindern will." Der Mitarbeiter des E-Zigaretten-Ladens beruhigte sie. "So schlimm es aussah, war es toll, wie alle sofort reagiert haben. Niemand hat geglotzt, jeder half, wo es ging."

Die Fahrertür des Opel Corsa ist bis in die Mitte des Fahrersitzes eingedrückt. Blut klebt auf der Tür. Die Straßenbahn ist an der linken Vorderseite beschädigt. Rund um die Unfallstelle liegen Kleinteile von Fahrzeugen, die das außer Kontrolle geratene Fahrzeug gerammt hat.

"Der Mann von der Baustelle ist ein Held", sind sich die beiden Zeugen einig. "Der hat das Auto allein festgehalten." Vor einem Baugerüst am Gebäude an der Unfallstelle blickt der Held nach oben und lächelt. Seinen Namen will er nicht nennen. "Das gebietet doch der Anstand", sagt er. "Ich habe den Wagen ja nur ein bisschen aufgehalten. Da waren doch Kinder drin, und ich glaube, sie hatten großes Glück im Unglück. Zu helfen, ist doch Ehrensache." Auch er hatte beobachtet, dass die Frau die Mainzer Landstraße aus der Krifteler Straße heraus überqueren wollte.

Der Unfallort ist weiträumig abgesperrt, überall stehen Polizei-, Feuerwehr- und Rettungswagen. Die Passagiere und der Fahrer der Straßenbahn sind mit dem Schrecken davon gekommen. Die Polizei äußert sich am Unfallort nicht und ermittelt. Die Beamten markieren alle Stellen, an denen Autos von dem Corsa getroffen wurden. Die Verletzten sind im Krankenhaus. Um 17.21 Uhr wurde die Strecke für die Tramlinien 11, 21 und 14 wieder frei gegeben.

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