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Frankfurter bekommt für sein Spritzenauto viel Lob

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Von: Judith Dietermann

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Das kopfstehende Spritzenauto ist ein echter Hingucker: Arthur Möller und sein blaues Impf-Auto. Besser bekannt sind seine rollenden Mahnmale mit Unfallautos, die er nicht nur in Frankfurt am Straßenrand parkt. FOTO: . dietermann
Das kopfstehende Spritzenauto ist ein echter Hingucker: Arthur Möller und sein blaues Impf-Auto. Besser bekannt sind seine rollenden Mahnmale mit Unfallautos, die er nicht nur in Frankfurt am Straßenrand parkt. © Judith Dietermann

Ingenieur platziert seit fast 20 Jahren in ganz Deutschland solche rollenden Mahnmale

Die Sonne reflektiert auf dem dunkelblauen Lack des Seat, als Arthur Möller mit dem Kleinwagen auf dem Anhänger auf den Parkplatz am Bowling Center im Berkersheimer Weg rollt. Er fährt vor, dreht vor dem vor wenigen Tagen ausgebrannten Bus, wirft einen Blick darauf, schüttelt den Kopf und parkt am Rand. Er hat gute Laune, als er aussteigt. Ohne Probleme sei die Fahrt von Bad Hersfeld nach Frankfurt verlaufen, sagt der 81-Jährige, der in Eschersheim lebt. Einmal abgesehen von den Blicken, die im die Autofahrer zuwarfen, und das waren an diesem Vormittag viele, die ihn auf der Strecke überholten. Und ihm einen Daumen nach oben gaben.

Fahrzeug ist fest verankert

Warum? Das zeigt ein Blick auf den Hänger. Denn der blaue Seat steht nicht horizontal auf dem Blech, sondern ragt mit dem Heck in die Luft. Eine große Spritze ist auf den Seitentüren und der Motorhaube aufgeklebt, daneben der Spruch: "Treib's nicht auf die Spitze, lass Dich bitte impfen". "Toll, oder?", fragt Müller rhetorisch. Dann geht er zum Hänger und drückt gegen die Eisenstangen, auf denen der Kleinwagen aufgebockt ist. Sie wackeln keinen Millimeter. Das ist bombenfest, sagt der Rentner. So fest, dass man sogar auf dem Fahrersitz Platz nehmen könnte. Um sich so zu fühlen wie kurz vor einem Überschlag. Unheimlich.

Normalerweise sind es Fahrzeuge mit Totalschaden, die Arthur Möller auf seinem Anhänger transportiert und an prominenter Stelle platziert. Als Unfalldenkmal. Seit 2004 stehen sie in ganz Deutschland. Dabei handelt es sich um Fahrzeuge, die bei Unfällen tatsächlich so zugerichtet wurden und deshalb als Mahnmal dienen sollen. Um andere Menschen vor dem Leid zu bewahren, das Arthur Möller in seiner Familie erlebte: Drei Kinder verunglückten im Straßenverkehr tödlich. Im vergangene Jahr starben in Deutschland 2569 Menschen im Straßenverkehr.

Stiftung gegründet

Solche Opferzahlen waren einer der Gründe, warum Möller 1986 seine "Stiftung zur Vermeidung von Verkehrsopfern in Deutschland" gründete. 700 Stunden ehrenamtliche Arbeit steckte er 2021 hinein. Eine Zahl, die Respekt verdient. Auch von Jürgen Weise, Vorsitzender des Bürgervereins Eschersheim, in dem Möller wegen seines Engagements Ehrenmitglied wurde. "Diese Mann ist in Eschersheim nicht nur bekannt, sondern auch ein echter Tausendsassa, der nicht stillsitzen kann", sagt Weise.

Die besten Ideen kommen im Bett

Nein, das kann Arthur Möller wirklich nicht. Er brauche immer etwas zu tun. Die besten Ideen für ein Mahnmal oder eben solch ein provozierendes Impf-Auto kämen ihm nachts. Wenn er im Bett liegt und nicht einschlafen kann. Was ihm noch schwerer falle, seit vor einem Jahr seine Frau starb. Mit ihr war er damals nach Eschersheim in die Bonameser Straße gezogen, woanders zu leben, kann er sich nicht vorstellen. Ich liebe meinen Stadtteil, sagt er. Viel zu Hause ist Arthur Möller aber trotzdem nicht. Wegen seiner Stiftung ist er deutschlandweit unterwegs, in den kommenden Wochen wird er auf dem Hänger das Impf-Auto quer durch Frankfurt und Hessen mitnehmen. Denn einen festen Standort, den habe er noch nicht dafür.

Mit seiner Stiftung möchte er nicht nur warnen und Leid ersparen, er möchte sich auch beim Staat bedanken. Dafür, dass er mit staatlicher Unterstützung sieben abgeschlossene Berufe erlernen konnte. Darunter Ingenieur, Unfallanalytiker und KfZ-Sachverständiger. "Ich habe vielen Menschen zu danken. So habe ich die Möglichkeit, etwas zurückzugeben", sagt er.

Das Fahrzeug für sein Impf-Auto war übrigens eine Spende, fahrtüchtig war es nicht mehr, weil der Katalysator geklaut wurde. Einen neuen einzubauen, hätte sich für den Händler bei dem 20 Jahre alten Wagen nicht mehr gelohnt. "So hat er sich die Kosten für die Entsorgung gespart und ich hatte ein Auto. Es ist stets ein Geben und Nehmen", sagt Möller. Nun müsse er aber weiter, sein Auto zunächst zur Feuerwache 1 bringen, wo er es kurzzeitig abstellen darf. Ehe er damit durch die Stadt fährt und ganz viele Daumen nach oben gezeigt bekommt. judith dietermann

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