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„Fast leergetrunken“: Wie eine kleine Brauerei der Corona-Krise trotzt

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Von: Sören Rabe

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Der gute Geist von Braustil: Jason Weller arbeitet in der kleinen Brauerei im Oeder Weg. FOTO: holger menzel
Der gute Geist von Braustil: Jason Weller arbeitet in der kleinen Brauerei im Oeder Weg. © Holger Menzel

Ein kleiner Betrieb im Nordend in Frankfurt bewältigt die Corona-Zeit bisher recht gut: Die Brauerei Braustil sieht die Lage nicht mehr so dramatisch.

Frankfurt – Die Gastronomie muss in der Corona-Zeit viel leiden. Monatelang waren Betriebe geschlossen oder durften nur einen Außer-Haus-Service anbieten. Mittlerweile gilt in Innenräumen die 2G-plus-Regel, außen 2G. Die kleine Brauerei Braustil im Nordend, die auch eine angeschlossene Gastronomie auf dem ehemaligen Tankstellengelände im Oeder Weg 57 betreibt, sieht die Lage nicht mehr so dramatisch.

Denn die Mikrobrauerei, die Anfang 2014 gegründet wurde, hat die Pandemie relativ unbeschadet überstanden. „Freud und Leid haben sich abgewechselt“, sagt Christian Plesser, Operation Manager. Einerseits hatte auch Braustil gerade zu Beginn des ersten Lockdowns im März 2020 Absatzprobleme, sodass auch geringe Mengen des bereits abgefüllten Bieres abliefen und somit unverkäuflich waren.

Frankfurter Brauerei Braustil: „Sind zurzeit fast leergetrunken“

Aber andererseits habe man neue Geschäftsfelder erschlossen, die Website relauncht, das Online-Geschäft neu aufgestellt. Und dann gibt es noch die Stammkunden. „Wir sind zurzeit fast leergetrunken“, freut sich Christian Plesser. Das Weihnachtsgeschäft lief hervorragend. In der kommenden Woche kommt ein neues Braustil-Bier auf den Markt: ein New England IPA, unter Craft-Bier-Fans der beliebteste Bier-Stil. Und auch die anderen Sorten werden wieder aufgefüllt.

Das größte Problem sei zu Beginn der Krise gewesen, dass die Informationen seitens der Stadt nicht kamen. „Wir wussten manchmal nicht, welche Regelungen gerade galten“, sagt Christian. Über die vergangenen fast zwei Jahre habe man die Brauplanung angepasst. Mann musste flexibel agieren, je nach Verordnung. Ein weiterer Vorteil sei die Craft-Bier-Community, in der man sich untereinander helfe.

Corona: Brauereien in Frankfurt helfen sich gegenseitig

So gibt es im Braustil nicht nur die eigenen Biere im Ausschank oder im Shop, auch andere regionale Biere von Kleinbrauern werden angeboten. So existiert ein reger Austausch mit der Flügge-Brauerei in Goldstein, die Frankfurter Brauunion bietet ebenso Braustil-Biere mit an oder man kooperiere mit den Kleinstbrauern von Yayle, zwei Frankfurter Enthusiasten, die gerade ihr zweites Bier auf den Markt gebracht haben, das es natürlich auch bei Braustil gibt. Diese Zusammenarbeit soll noch intensiviert werden, formuliert Christian als ein Ziel für die nahe Zukunft.

Zudem wolle sich Braustil breiter aufstellen, sich in der Frankfurter Gastronomie festsetzen. Vereinzelt gibt es da bereits Kooperationen wie mit „Der Fette Bulle“, die drei Standorte in Frankfurt betreiben. Mittelfristig wolle man zudem im Einzelhandel präsent werden. Das sei aber eine Herausforderung, weil es zumeist Franchise-Unternehmer seien, mit denen einzeln verhandelt werden müsse.

Brauerei Braustil in Frankfurt: Mittelfristiges Ziel ist Wachstum

„Wir wollen wachsen, aber gesund wachsen“, sagt der Operations Manager. Die Philosophie sei klar: „Wir bleiben in Frankfurt.“ Den Weg anderer kleiner Brauereien, sich großen Unternehmen anzuschließen, wolle man nicht gehen. Denn „der Standort im Nordend ist ideal“, sagt Christian. Hier könne man mit anderen kleinen Unternehmen kooperieren, wie jetzt auch neuerdings mit Enamor Kitchen. Valentina Bedoya bietet in der kleinen Hütte auf dem Gelände des Biergartens südamerikanische Spezialitäten an.

Wenn in den kommenden Frühlings- und Sommermonaten die Pandemie nachlässt, dann will man diese Geschäftsfelder wieder ausbauen. Mit rund 80 Plätzen in der Außengastronomie ist Braustil gut aufgestellt. Im Inneren geht es etwas beengter zu. In Vor-Corona-Zeiten haben da schon mal bis zu 50 Gäste gemeinsam gefeiert. Mit den Abstandsregeln funktioniert das natürlich nicht. (Sören Rabe)

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