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Frankfurter „City Trees“: 150 000 Euro für nichts?

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Von: Brigitte Degelmann

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Simon Dierks (links), Leiter Marketing und Peter Sänger, Gründer und Geschäftsführer der Firma Green City Solutions, neben einem City Tree. FOTO: dpa
Simon Dierks (links), Leiter Marketing und Peter Sänger, Gründer und Geschäftsführer der Firma Green City Solutions, neben einem City Tree. © picture alliance/dpa/dpa-Zentral

Der Magistrat zweifelt am Nutzen der sogenannten City Trees, die die Stadt grüner und die Luft besser machen sollen.

Frankfurt -In Berlin und Bonn sind sie ebenso zu finden wie in London und in der irischen Stadt Cork: City Trees, also meterhohe Holzkonstruktionen, in denen Moose und Stauden gedeihen. Nach dem Willen der Frankfurter Stadtverordnetenversammlung sollen fünf solche Stadt-Bäume auch bald in Frankfurt stehen. Auf Antrag von Grünen, SPD, FDP und Volt hin beschloss sie, dafür 150 000 Euro in den Haushalt 2022 einzustellen. Der Magistrat ist von dieser Idee allerdings nicht sonderlich begeistert, wie aus einem kürzlich veröffentlichten Bericht hervorgeht. Er zieht stattdessen ein anderes Modell in Erwägung.

Frankfurter Magistrat sieht die Konstruktion skeptisch

Nach Angaben der Antragsteller handelt es sich bei einem City Tree um eine Konstruktion mit einer Grundfläche von zwei mal drei Metern, auf die ein etwa vier Meter hoher Turm mit seitlichen Lüftungsschlitzen gesetzt wird. Dieser wird mit speziellen Moosen und niedrigen Stauden bepflanzt, die insgesamt zwölf Quadratmeter Grünfläche bilden. Die etwa einen Meter dicke geschwungene und ausgehöhlte Grundform enthält einen Wassertank mit Umwälzpumpe und Zuleitungen zu den Wurzeln. Darüber hinaus versorgen Solarzellen die Anlage mit Energie.

Der Wartungsaufwand eines City Trees sei äußerst gering, heißt es in dem Papier: Er umfasse die Kontrolle und gegebenenfalls das Nachpflanzen der Moosfläche sowie das Nachfüllen des Tanks, der pro Jahr 10 000 Liter Wasser verdunste. Messungen hätten ergeben, dass mit dieser Konstruktion Stickoxid zu 15 Prozent und Teilchen mit Durchmessern bis zu zehn Mikrometer zu 43 Prozent herausgefiltert werden könnten, ebenso rund 240 Tonnen Kohlendioxid. Darüber hinaus kühle das Modell, das mit einem natürlichen Baum nur wenig zu tun hat, auch die Umgebungsluft. „Aufwand, Platzbedarf und Energieverbrauch sollen weniger als zehn Prozent des Setzens und der Pflege von Naturbäumen ausmachen“, erklären Grüne, SPD, FDP und Volt. In dem Pflanzencontainer sei darüber hinaus Elektronik installiert, die zu Informations- und Marketingzwecken eingesetzt werden könne. Der Sockel der Anlage diene auch als Sitzbank.

Frankfurter Stadtregierung: Mittel werden nicht reichen

Allerdings, gibt die Stadtregierung nun zu bedenken, sei davon auszugehen, dass die vorgesehenen Mittel von 150 000 Euro nicht ausreichen, um fünf City Trees zu beschaffen. Außerdem müsse man dabei auch Kosten für Unterhalt und Pflege, turnusmäßige Wartungs- und mögliche Reparaturmaßnahmen berücksichtigen. Dem Grünflächenamt stünden dafür aktuell jedoch keine Mittel zur Verfügung.

Darüber hinaus zweifelt der Magistrat daran, dass die künstlichen Stadtbäume einen merklichen Beitrag liefern könnten, um die klimatischen Bedingungen in der Stadt zu verbessern. Denn: „Der vordergründige Mehrwert der City Trees besteht in der Reinigung/Filterung der Umgebungsluft. Dieser Effekt ist allerdings räumlich stark begrenzt. Die Minderungswirkung auf Feinstäube ist als marginal einzustufen. Auf die vordergründig kritische Belastung durch Stickoxide haben die verwendeten Moose keinen Einfluss.“

Grüne Säule statt City Tree

Deshalb setze man eher auf die Pflanzung klimaangepasster Baumarten. Wo das nicht möglich sei, könnten bauliche Verschattungselemente angebracht werden, beispielsweise begrünte Pergolen, regt die Stadtregierung an. Als Alternative zu den City Trees erprobe das Grünflächenamt derzeit die sogenannte „Grüne Säule“, von der bereits ein erster Prototyp im Einsatz sei. Für sie ist deutlich weniger Technik notwendig, deshalb sei auch der Aufwand für Wartung und Unterhalt niedriger. Außerdem könne man von geringeren Herstellungs- und Anschaffungskosten ausgehen, schreibt der Magistrat. Ein weiterer Vorteil der „Grünen Säule“: Dank eines integrierten Wasserspeichers könne Regenwasser von Dachflächen benachbarter Gebäude zwischengespeichert und zur Bewässerung der Pflanzen genutzt werden. Denkbar sei auch die Nutzung von Brauchwasser. Mit ersten belastbaren Ergebnissen dazu sei im Jahr 2023 zu rechnen. Dann werde man prüfen, ob die für die City Trees zur Verfügung gestellten Haushaltsmittel eventuell für die Anschaffung von „Grünen Säulen“ verwendet werden, erklärt die Stadtregierung.

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