Sagt Ja zu 2 G: Ferdinand Hartmann vom Latin Palace Changó an der Münchener Straße. Weil er vor seinem Club auch Impfungen mit dem Gesundheitsamt organisiert, wird er in sozialen Netzwerken angefeindet. Dazu sagt er: "Wir verstehen alle die Welt nicht mehr."
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Sagt Ja zu 2G: Ferdinand Hartmann vom Latin Palace Changó an der Münchener Straße. Weil er vor seinem Club auch Impfungen mit dem Gesundheitsamt organisiert, wird er in sozialen Netzwerken angefeindet. Dazu sagt er: „Wir verstehen alle die Welt nicht mehr.“

Reaktionen auf Corona-Regeln

Frankfurter Clubbetreiber zu Corona-Regeln: „In sozialen Netzwerken werden wir attackiert“

  • VonSabine Schramek
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In Hessen werden die Corona-Regeln verschärft. Mit 2G und 2G plus erleben Gaspronomen auch, wie bei manchen Leuten die Stimmung kippt – ein Rundgang.

Frankfurt – Dass einige Gäste meckern, weil sie sich an die Regeln halten müssen und ihre Impf- oder Genesungsnachweise vorzeigen und ihre Daten hinterlegen müssen, ist nicht neu. „Die Leute sollen bitte, bitte solidarisch sein“, sagt ein Mitarbeiter von „Buster Pasta“ an der Konstablerwache in Frankfurt. „Viele verstehen es nicht und machen richtig Stress. Aber es bringt doch nichts, wenn wir ein Essen mehr verkaufen und dann zu machen müssen, weil wir Corona-Fälle haben. Davon haben die Gäste nichts, wir nichts und die gesamte Gastronomie auch nicht.“

Der Mann wird nicht müde, lächelnd zu erklären, warum es keinen Platz gibt, wenn man nicht mitmacht, während er Bestellungen für Pizza, Salate und Pasta aufnimmt. „Anders kommen wir aus dem Teufelskreis nicht raus, und ich finde 2G gut. Außerdem ist es gesetzlich vorgeschrieben“, sagt er.

Corona-Regeln in Frankfurt: „Lächerlich, während in Bussen und Bahnen die Leute wie Ölsardinen aufeinander hocken“

Andere Töne kommen aus einem Lokal in Bornheim. „Wir machen, was wir können, sind aber weder das Ordnungsamt noch die Polizei“, sagt eine Kellnerin wütend. „Wenn es doch zu einem Bußgeld kommt, ist es halt so. Bei uns ist der Gast König. Da rennt ja jeder weg, wenn wir Ausweise kontrollieren.“ Auch hier wird auf Schildern darum gebeten, einzuchecken und Nachweise zu erbringen. „Zwingen können wir niemanden. Lächerlich, während in Bussen und Bahnen die Leute wie Ölsardinen aufeinander hocken.“ Da helfe auch kein 3G, sondern mehr Busse und Bahnen und die Möglichkeit, kostenlos zu parken. „Kopflos“ findet sie die neuen Beschränkungen. „Weil sie sich komplett widersprechen und das Problem hausgemacht ist. Statt zu entzerren, wird wieder nur Druck gemacht.“

Pino Fichera, der mit seiner Frau Sandra das „Thai & Turf“ in Sachsenhausen und das „Pino‘s“ in der Innenstadt betreibt, zeigt gemischte Gefühle. „In Sachsenhausen ist es kein Problem. Viele Gäste kommen aus dem Umland, und so gut wie keiner hat Probleme mit 2 G. Sie sind nicht ängstlich und halten sich an Regeln. Absagen für Weihnachtsfeiern haben wir da bisher kaum, und die Gruppen sind kleiner als bei uns in der Innenstadt. Da hagelt es Absagen mit großen Gruppen, und das macht mir richtig große Sorgen. Wir halten uns seit Anfang an alle Regeln, andere machen es nicht, und wir sollen es jetzt wieder ausbaden. Das macht einfach keinen Spaß.“

Mirko Ferenczy vom „O‘Dwyers Irish Pub“ in Sachsenhausen setzt schon eine Weile auf 2G. „Kein Problem bisher. Jetzt machen wir 2 G plus und das ist auch kein Problem. Wir haben ein Testzentrum vor der Tür und Türsteher, die kontrollieren. Wer alles hat, bekommt einen Stempel wie im Club“ Er selbst ist geimpft und testet sich auch täglich. „Hauptsache man ist und bleibt safe“, sagt er. „Bei 2G kann man Impfpass-Fälschungen nicht erkennen. Beim Test sind wir sicher. Wenn jemand meckert, erklären wir ihm unsere Einbußen durch Corona und, dass wir es auch lieber wie früher hätten. Wer das nicht versteht, muss gehen. Mir sind 50 Gäste lieber, die richtig Spaß haben können und sicher vor Corona sind, als 300 Gäste, bei denen keiner weiß, ob sie wirklich geimpft sind.“

Reaktionen auf Corona-Regeln in Frankfurt: „Egal was man macht, man bekommt Stress“

Einer der Geschäftsleiter der Clubs „Velvet“, „Adlib“ und „Karlson“, Christian Roth, schüttelt den Kopf. „Ich kann Leute nicht verstehen, die sich nicht impfen lassen.“ Rusbeh Tussi, der die Clubs betreibt, plädiert schon lange „für 1 G. Alle müssen sich täglich testen lassen. Solange keine Impfpflicht besteht, ist alles andere asozial, weil Nichtgeimpfte vom kulturellen und sozialen Leben ausgeschlossen werden. Viele junge Skeptiker werden einfach nicht erreicht.

Da muss viel mehr Aufklärung her.“ Tussi fragte schon vor längerer Zeit beim Gesundheitsamt an, ob ein Impfzentrum an einem seiner Clubs möglich wäre. Er bekam eine Absage. Dass um Mitternacht auf Donnerstag von 2G auf 2G plus gewechselt werden musste, findet Tussi „grenzwertig. Das macht keine gute Laune, den Leuten am Einlass zu sagen, dass sie ohne Test um Mitternacht wieder gehen müssen“.

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Deswegen hat Ferdinand Hartmann vom Salsa-Club „Latin Palace Changó“ im Bahnhofsviertel in der Nacht zum Donnerstag einen Teil seiner eigenen Testleute zum „Velvet“ geschickt. „Wir verstehen alle die Welt nicht mehr“, so Hartmann, der nicht nur ein Impfzentrum auf eigene Kosten betreibt, sondern am vergangenen Freitag und am 3. Dezember von 9 bis 20 Uhr auch ein Impfzentrum mit dem Gesundheitsamt vor seinem Club hat.

„Die Schlangen sind endlos. Dafür werden wir in sozialen Netzwerken attackiert und beschimpft, dass wir das Allerletzte seien, weil wir Impfungen anbieten. Egal, was man macht, man bekommt Stress. Manchmal habe ich echt keinen Bock mehr.“ Vor einiger Zeit war er in Kolumbien. „Da trägt jeder ohne Zetern eine Maske. Es ist völlig normal. Da motzt auch keiner über Tests und Impfungen. Warum das hier nicht klappt, ist mir unbegreiflich.“ (Sabine Schramek)

In Hessen wurden die Corona-Regeln verschärft: Während in der Gastronomie 2G gilt, wird in Bussen und Bahnen auf die 3G-Regel gesetzt.

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