Die Intensivbetten rund um Frankfurt werden knapper. Das Uniklinikum Frankfurt hat bereits einige andere Bereiche eingeschränkt, um Personalkapazitäten für Corona-Patienten zu schaffen. Denn deren Pflege ist aufwendig. Foto: Frank Röth
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Die Intensivbetten rund um Frankfurt werden knapper – erste Operationen wurden bereits verschoben, um Kapazitäten für Corona-Patienten zu schaffen.

Coronavirus

Frankfurt: Bettenknappheit in Krankenhäusern – Corona-Patienten immer jünger

  • vonSarah Bernhard
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Die zwei größten Krankenhäuser in Frankfurt haben kaum noch freie Betten, die ersten Operationen wurden bereits verschoben. Der Grund dafür könnten die immer jüngeren Corona-Patienten sein.

Frankfurt – Die Zahl der freien Intensivbetten sinkt. Gestern waren laut dem Intensivregister der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) nur noch 21 der rund 260 Intensivbetten in Frankfurt frei, die Auslastung lag damit bei 92 Prozent. Vor Ostern hatte sie sich bei 88 Prozent eingependelt. Am Coronavirus lag dieser akute Abfall allerdings nicht: Seit Anfang April liegt die Zahl der Corona-Patienten auf den Frankfurter Intensivstationen konstant bei rund 80 Personen.

An der generellen Bettenknappheit ändert das freilich nichts. "Die Lage auf den Intensivstationen ist ernst", heißt es deshalb aus dem Gesundheitsamt. Prof. Jürgen Graf, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des Uniklinikums, bestätigt: "Auch wenn wir Konzepte für eine Ausweitung unserer Kapazitäten für Covid-19-Patienten haben, betrachten wir die Entwicklung der Infektions- und Patientenzahlen in den Kliniken mit Sorge." In allen Nachbarkommunen ist die Auslastung laut Divi ähnlich hoch wie in Frankfurt. Es gibt aber auch Gegenbeispiele: In drei nordhessischen Landkreisen sind noch rund ein Viertel der Intensivbetten frei. Das Sozialministerium betrachtet die Bettenkapazität in Hessen deshalb insgesamt als "ausreichend".

Corona-Patienten in Frankfurts Kliniken werden immer jünger

Die hohe Auslastung vieler Kliniken hat zwei Gründe: Erstens die starke Verbreitung der britischen Corona-Variante B.1.1.7. Da sie ansteckender ist als der Wildtyp des Virus und häufiger schwer verläuft, müssen insgesamt mehr Menschen ins Krankenhaus. Zudem hat sich durch die Impfungen der Prio-1-Gruppe die Altersverteilung verschoben: "Der Anteil der Covid-Patienten unter 70 ist gegenüber den über 70-Jährigen, die auf der Intensivstation versorgt werden müssen, seit Jahresbeginn kontinuierlich gestiegen", sagt Dr. Carsten Dalchow, Ärztlicher Direktor des Klinikums Höchst.

Da die Sterblichkeitsrate bei jüngeren Menschen niedriger ist als bei älteren, könnte es sein, dass sie durchschnittlich länger im Krankenhaus bleiben, und dadurch die Auslastung steigt. Um zu beurteilen, ob diese These korrekt ist, sei es laut Dalchow aber noch zu früh.

Berechnungsmodell für Corona-Maßnahmen in Kliniken kommt aus Frankfurt

Beim Pandemie-Management arbeiten die Kliniken mit dem Hessischen Sozialministerium zusammen. Welche Maßnahmen greifen, entscheidet der dortige Planungsstab - anders als bei der ersten und zweiten Welle - auf Basis der Zahl derjenigen, die ins Krankenhaus müssen, sowie den Ergebnissen eines bundesweiten Projekts, das das Frankfurter zusammen mit dem Dresdener Uniklinikum entwickelt hat.

Die beteiligten Forscher haben während der zweiten Welle untersucht, welche Eindämmungsmaßnahmen und Ressourcenverlagerungen in Kliniken sinnvoll und nützlich sind. Daraus wurde ein Modell entwickelt, das unter Berücksichtigung regionaler Besonderheiten vorhersagen kann, wann und wie welche Maßnahmen am effektivsten wirken.

Corona in Frankfurt: Noch keine Verschiebung lebensnotwendiger Operationen

Im Moment sieht der Hessische Maßnahmenplan noch nicht vor, dass nicht lebensnotwendige Operationen verschoben werden, um genügend Intensivbetten für Corona-Patienten freizuhalten. Das Sozialministerium betont aber, dass es sich bei seinen Anweisungen um Mindestvorgaben handelt. Zusätzlich hat jede Klinik ein eigenes Konzept, das tagesaktuell angepasst werden kann.

So finden im Höchster Klinikum im Moment "sowohl lebenswichtige als auch nicht lebenswichtige Operationen statt, sofern letztere nicht zu einer Überbelegung der Intensivstation führen". Werde die Situation schwieriger, könne durchaus auch Personal aus anderen Bereichen zur Unterstützung auf die Intensivstation geschickt werden.

Uniklinikum Frankfurt: Maßnahmen zur Senkung der Corona-Infektionszahlen „sind zu begrüßen“

Am Uniklinikum werden nicht notwendige, also "elektive" Eingriffe auch noch nicht grundsätzlich verschoben. "Es wurden aber in verschiedenen Bereichen wieder Kapazitäten eingeschränkt, um zusätzliche Kapazitäten für die Covid-19-Behandlung zu schaffen. Dies führt auch zur Verschiebung elektiver Leistungen."

Das Problem seien weder Platz noch Ausstattung. "Grenzen bestehen vor allem beim medizinischen und pflegerischen Fachpersonal, das nicht in beliebiger Menge zur Verfügung steht", sagt Graf. "Steigt die Zahl der Covid-19-Patienten zu stark, kann die übliche Versorgungsqualität nicht mehr aufrechterhalten werden. Deshalb halten wir die Maßnahmen zur Senkung der Infektionszahlen für sinnvoll." Dr. Carsten Dalchow, Ärztlicher Direktor des Höchster Klinikums, bewertet die gestern vom Kabinett beschlossenen Maßnahmen ähnlich: "Ich halte einen strikten Lockdown mit Beschränkung persönlicher Kontakte und harten Sanktionen für einen klar definierten Zeitraum für notwendig. Die jetzt beschlossenen Maßnahmen sind daher zu begrüßen." (Sarah Bernhard)

Auch die Hochtaunus-Kliniken in Bad Homburg klagten zuletzt über die fast vollständige Auslastung ihrer Intensivstationen.

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