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Nach Streit mit Kultusministerium: Frankfurter Direktor geht in die Verlängerung

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Von: Matthias Bittner

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Mathias Koepsell hat Spaß bei der Arbeit. Um die Dienstzeit des Leiters des Adorno-Gymnasiums -hier mit Elternbeirätin Stefanie Horn bei der Auslosung der Nachrücker - hatte es großen Wirbel gegeben. Jetzt bleibt er aber bis zum Sommer. FOTO: Monika Müller
Mathias Koepsell hat Spaß bei der Arbeit. Um die Dienstzeit des Leiters des Adorno-Gymnasiums -hier mit Elternbeirätin Stefanie Horn bei der Auslosung der Nachrücker - hatte es großen Wirbel gegeben. Jetzt bleibt er aber bis zum Sommer. © Monika Müller

Der Schulleiter (65) des Adorno-Gymnasiums darf bleiben. Um seine Dienstzeitverlängerung gab es Uneinigkeiten – der Fehler lag wohl im Ministerium

Frankfurt – Hätten die Mitarbeiter im Kultusministerium die Akte von Mathias Koepsell gründlicher studiert, wäre wohl nur halb so viel Staub aufgewirbelt worden. So aber blieb das Lebensarbeitszeitkonto des Schulleiters des Adorno-Gymnasiums zunächst unentdeckt, und sein Antrag auf Verlängerung der Dienstzeit wurde abgelehnt. Der 65-Jährige wäre also schon zum 31. Januar ausgeschieden.

Dagegen protestierte der Schulelternbeirat (SEB) und forderte jetzt in einem offenen Brief an Kultusminister Alexander Lorz (CDU) den Verbleib des Schulleiters. Nach einem klärendem Gespräch mit Koepsell heißt es jetzt aus Wiesbaden: Eine Lösung ist gefunden, er bleibt bis Schuljahresende.

Schulleiter am Adorno-Gymnasium in Frankfurt darf bleiben: Begründung ist eine Frechheit

Das besänftigt den SEB aber absolut nicht, wie dessen Vorsitzende Stefanie Horn sagt. Sie spricht von einem peinlichen Recherchefehler. Eine absolute "Frechheit" und ein weiterer Beweis für Gleichgültigkeit gegenüber dem Adorno-Gymnasium sei die Begründung, mit der Koepsells Antrag abgelehnt worden sei. "Es kann kein dienstliches Interesse an einer Verlängerung der Dienstzeit festgestellt werden", heißt es da. Hätte Koepsell sich daraufhin stur gestellt, sagt Horn, hätte das Ministerium ein Problem. "Aber ihm liegt das Wohl der Schule am Herzen", freut sie sich über sein weiteres Engagement.

"Ich helfe dem Ministerium aus der Patsche. Man hat mich gebeten, einen Antrag für ein halbes Jahr zu stellen", sagt Koepsell und fügt an: "Es geht hier nicht um meinen Egotrip. Ich stelle mich in den Dienst der Schule." Schade findet er, dass Lehrer, Eltern und Schüler im Zuge einer Entscheidungsfindung nicht nach ihrer Meinung zu seinem Verbleib befragt worden seien. "Interessiert nicht" sei dadurch als Botschaft bei der Schulgemeinde angekommen. "Man hat sich also nicht gerade bemüht zu verstehen, was an der Schule los ist", bedauert er mit Blick auf deren Historie.

Frankfurt: Schulleiter am Adorono-Gymnasium will den ersten Jahrgang noch verabschieden

Das Adorno-Gymnasium war 2015 als Gymnasium Nied geplant, startete dann in Höchst und bezog später ein Holzprovisorium an der Miquelallee. Anfangs war das Gymnasium absolut unbeliebt und ein Auffangbecken für all diejenigen, die anderswo nicht angenommen wurden. Deshalb wurde es als "Gymnasium der Abgewiesenen" bezeichnet. So etwas nagt am Selbstvertrauen der Schüler. Um diesen Stempel ablegen zu können, sei eine besondere Fürsorge und der persönliche Kontakt auch zu den Eltern nötig, betont Koepsell. Vor allem wirke das Trauma auch lange nach. Gefordert seien hier Schulleiter und Kollegium. Und das Kultusministerium müsse ein großes Interesse daran haben, was an der Schule los sei, das gehe allerdings nicht aus der Ferne. "Da tritt man dann eben daneben", sagt Koepsell.

Er war vor sechseinhalb Jahren angetreten, um die Schule aufzubauen. Koepsells Plan war es, den ersten Jahrgang, der in gut zwei Jahren das Abitur macht, zu verabschieden. Das hatte er dem Kultusministerium angeboten. Dass das nicht klappt, akzeptiert er aber.

Kultusministerium räumt Fehler beim Schuldirektor des Adorno-Gymnasium ein

Die Hoffnung noch nicht aufgegeben hat Horn. Der SEB jedenfalls werde alles versuchen, um Koepsell über den Sommer an der Schule zu halten. Angesichts Lehrermangel, nicht besetzten Schulleiterstellen, Überlastung und Ausfällen aufgrund der Corona-Pandemie sei nicht nachvollziehbar, weshalb Koepsell, der freiwillig ein paar Jahre dranhängen will, in den Ruhestand entlassen werden solle. So sieht das auch Tina Kronenberg. Sie hat auf der Plattform Open Petition gestartet hat. 1320 Unterzeichner gibt es aktuell. Die Frist endet am 29. Januar.

Philipp Bender, zuständig für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Kultusministerium, räumt ein, dass in Sachen Mathias Koepsell nicht die beste Performance abgeliefert worden sei. Das klingt nach einem Schuldeingeständnis. Man werde jetzt möglichst schnell die Stellenausschreibung in Angriff nehmen. Im günstigsten Fall könne die Stelle des Schulleiters dann vielleicht schon in sechs bis acht Monaten neu besetzt werden. Dem widerspricht Horn, die mit einer Frist von rund einem Jahr rechnet. So oder so: Ein kommissarischer Leiter muss in jedem Fall eingesetzt werden. Bender sagt, dafür seien stellvertretende Schulleiter da. Für Mathias Koepsell jedenfalls steht zweifelsohne fest: Dieser Aufgabe ist Thorsten Schulz ganz sicher gewachsen. (Matthias Bittner)

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