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Der bekannte Moderator Thomas Raudnitzky und seine neuen Freunde aus dem Kinderhaus in Bhaktapur.

Aufnahmen in Nepal

Zwei Frankfurter arbeiten an Filmen für einen guten Zweck

Zwei Wochen lang sind der Frankfurter Moderator und Filmemacher Thomas Raudnitzky und Kameramann Philipp Bernhardt im vergangenen November durch Nepal gereist. Ihre Aufnahmen verarbeiten sie jetzt zu mehreren Filmen: über Waisenkinder, kleine Straßenkicker, abgeschiedene Tempel. Doch erlebt haben sie noch viel mehr.

Frankfurt - Die blaue Tätowierung fällt auf: ein Tigerkopf, darunter ein asiatisches Schriftzeichen, das an den Buchstaben „T“ erinnert. Seit zwei Monaten trägt Thomas Raudnitzky, den viele Frankfurter als Moderator, DJ, Filmemacher und Medien-Dozenten kennen, diesen Körperschmuck auf seinem linken Unterarm. Er erinnert ihn an seine Nepal-Reise. Und an eine besondere Nacht in einem winzigen Dorf, fernab der Touristenpfade, in das Raudnitzky und seine Begleiter bei einer Trekkingtour gekommen waren. Dort übernachteten sie mit ihren Schlafsäcken an einer Wasserstelle unter freiem Himmel.

Besuch vom Tiger

Das Problem: Just eine halbe Stunde vor ihrer Ankunft hatte ein Tiger dort zwei Kühe attackiert, wie Dorfbewohner ganz nebenbei erzählten. Für die, sagt der 45-Jährige, sei das nichts Besonderes gewesen: „Die sind damit aufgewachsen.“

Raudnitzky und sein Kameramann Philipp Bernhardt sind dagegen alarmiert. 1000 Ängste stehen sie in jener Nacht aus, schrecken beim leisesten Geräusch zusammen, schicken Stoßgebete zum Himmel: „Bitte, lieber Gott, lass uns heil zurückkommen.“ Heute muss er grinsen, wenn er von seiner Panik in diesen Stunden erzählt. Und von seiner Erleichterung, als es endlich hell wird, ohne dass sich eine Raubkatze gezeigt hat.

Nicht die einzige Situation aus jenen zwei Wochen am Himalaya, die sich in sein Gedächtnis eingebrannt hat. Eine gute Bekannte Raudnitzkys, Nina Schillberg, engagiert sich seit zehn Jahren in Nepal, kümmert sich unter anderem um ein Kinderhaus in der Stadt Bhaktapur, eine halbe Stunde von der Hauptstadt Kathmandu entfernt. Immer wieder erzählte sie in den vergangenen Jahren von der Einrichtung, zeigte Bilder. Bis Thomas Raudnitzky vor knapp einem Jahr beschloss: Ich will mir das selbst mal angucken. Und darüber Filme machen.

Also tat er sich mit dem Kameramann und Fotografen Philipp Bernhardt alias Tyler Loco zusammen und brach vor gut zwei Monaten nach Nepal auf.

Zugang zu Bildung

Mehrere Tage verbrachten sie in jenem Kinderhaus in Bhaktapur. Eine kleine Einrichtung, die sie beeindruckt. Mit wenigen Mitteln versuche man hier, elternlosen Kindern ein Zuhause zu geben, sagt Raudnitzky. Und Zugang zu Bildung, um ihnen ein besseres Leben zu ermöglichen. Hier geht zu dem Film.

Mit der Kamera fangen sie das Leben in dem Kinderhaus ein. Das kleine Mädchen, das erst seit wenigen Wochen da ist und in Tränen ausbricht, als es seinen Namen sagen soll. Die anderen Kinder, die mal fröhlich spielen, mal in ihren dunkelblauen Schuluniformen im Unterricht sitzen. Und auch das Leben drumherum: die Armut, die unzähligen Ruinen, die das verheerende Erdbeben vor knapp vier Jahren hinterlassen hat. Gut drei Minuten lang ist der Film über das Kinderhaus, den Raudnitzky kürzlich in wochenlanger Arbeit fertiggeschnitten und mit Musik unterlegt hat.

Weitere Filme hat er noch in Planung. Etwa über eine Behinderteneinrichtung in Bhaktapur, die sie ebenfalls besucht haben. Und eine Dokumentation über ihre gesamte Reise, sozusagen als Erinnerung. Zum Beispiel an die Trekkingtour durch die Provinz, wo sich kaum ein Tourist hin verirrt. An die Begegnung mit einem Schamanen, der eine Nacht lang Rituale zelebrierte, um Geister zu beschwören: Kräuter entzündete, trommelte, sogar ein Huhn schlachtete.

An stundenlange Busfahrten über holprige Schotterpisten, eingepfercht zwischen Müttern mit rotznasigen Kindern und Hühnern in der Gepäckablage. An magische Momente in einem abgeschiedenen Tempel auf 2000 Metern Höhe, mit Blick auf den Himalaya. Aufnahmen dafür hat er genug: Rund sieben Stunden Filmmaterial hätten sie von der Reise mitgebracht, sagt der 45-Jährige. Geld wolle er damit nicht verdienen. „Ich war ohne Auftrag unterwegs. Die Filme stelle ich den Einrichtungen zur Verfügung, die können damit machen, was sie wollen.“ Zum Beispiel um Spenden werben, die sie dringend brauchen. Das Kinderhaus jedenfalls sei sehr glücklich über den Film.

Trikots für kleine Kicker

Nebenbei warb der Fußballfan bei seiner Reise auch für die Frankfurter Eintracht, die ihm fünf Trikots und drei Bälle für Kinder in Nepal mitgegeben hatte. Damit überraschte Raudnitzky unter anderem einige Jungs, die er zufällig auf der Straße beim Fußballspielen entdeckt hatte.

Mit der Kamera fingen er und Philipp Bernhardt die Szene ein: die anfängliche Verblüffung der Kicker, den Stolz und die Freude, als sie die neuen Trikots überstreifen. Auch daraus hat er einen kleinen Film geschnitten, der ebenfalls im Internet veröffentlicht werden soll – vorausgesetzt, die Eintracht gibt ihr Einverständnis dazu. Die nächste Reise nach Nepal hat er schon im Kopf: „Ich muss da nochmals hin, auch um zu sehen, was aus den Kindern wird.“ Der Tiger auf seinem Unterarm wird ihn daran erinnern.

Der Film im Netz Der Film, den Thomas Raudnitzky und Philipp Bernhardt über das Kinderhaus in Bhaktapur gedreht haben, ist inzwischen im Internet abrufbar: vimeo.com. Weitere Bilder gibt es bei Instagram: www.instagram.com.

von Brigitte Degelmann

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