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Diese Mädchen besuchen die Vorschule "Coro de Angeles", eines von fünf Kinderhäusern und Vorschulen, die der Verein "Städtepartnerschaft Frankfurt-Granada" unterstützt

Solidarität

Frankfurter Ehepaar koordiniert Hilfe für Frankfurts nicaraguanische Partnerstadt Granada

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Seit 30 Jahren organisiert der Verein „Städtefreundschaft Frankfurt-Granada“ die Hilfe in der Mainmetropole für die Stadt am Nicaraguasee. Von Anfang an mit dabei ist das Ehepaar Birgit und Reinhard Dallendörfer.

Sagt man Reinhard Dallendörfer und seiner Frau Birgit Koch-Dallendörfer, dass sie diejenigen sind, die Frankfurts Städtepartnerschaft mit Leben füllen, weist das Seckbacher Ehepaar dies weit von sich. „Es gibt viele andere, die mithelfen. Wir treffen uns zwei Mal im Monat und entscheiden alles gemeinsam“, betont Koch-Dallendörfer, Vorstandsmitglied des Vereins „Städtefreundschaft Frankfurt-Granada“. Und ihr Mann, der den Verein leitet, erklärt, ein „harter Kern“ aus einem Dutzend Mitglieder übernehme unterschiedlichste Aufgeben.

50 Flüge nach Granada

Und doch ist es der frühere Schulleiter aus Reinhold Dallendörfer, der inzwischen mehr als 50 Mal nach Nicaragua geflogen ist, um sich über den Stand laufender und über mögliche neue Projekte zu informieren. Erst vor wenigen Tagen schickte das Ehepaar zusammen mit Berufsfeuerwehrleuten der Wache in Nied ein altes Feuerwehrauto auf die Reise nach Granada. Und in zehn Tagen fliegen sie – selbstredend auf eigene Kosten – für zwei Wochen dorthin.

Der Vereinsvorsitzende Reinhold Dallendörfer.

„Die Antwort, warum wir uns ausgerechnet in Nicaragua engagieren, ist dieselbe wie vor 30 Jahren“, sagt Dallendörfer. Wie viele andere auch hatten er und seine Frau nach der sandinistischen Revolution gehofft, das dort „etwas Großes“ entstehe. „Dieses kleine Volk von drei Millionen Menschen hatte es 1979 aus eigener Kraft geschafft, eine Militärdiktatur abzuschaffen.“ Die sich anbahnende demokratische Entwicklung wollten sie unterstützen, zunächst in Form privater Initiativen.

Der Verein entstand, um für die Hilfe eine „formale Rechtsform“ zu haben, sagt Dallendörfer. Um öffentliche Gelder beantragen zu können – und um die sich vor der Kommunalwahl 1989 abzeichnende erste rot-grüne Stadtregierung in Frankfurt zum Abschluss einer Städtepartnerschaft mit Granada zu bewegen. Das klappte: Mit einer Frankfurter Delegation reiste Dallendörfer 1991 nach Granada, wo der Vertrag am 14. Januar unterzeichnet wurde.

Nicht im Stich lassen

Die Zusammenarbeit schien jedoch schnell zu scheitern, gewannen aus Sicht vieler deutscher Nicaragua-Freunde bei den ersten freien Wahlen die Falschen: „Die Sandinisten verloren und viele sagten: Ein Volk, das so dumm wählt, unterstützen wir nicht weiter.“ Auch verloren viele Helfer ihre (sandinistischen) Kooperationspartner. „Wir Frankfurter aber beschlossen, dass wir die Menschen, denen wir helfen wollten, nicht im Stich lassen dürften.“ Zumal der Verein nie mit offiziellen Stellen, sondern stets direkt mit jenen Menschen arbeiteten, die sie unterstützen wollten.

„Zuerst waren es Wasserversorgungsprojekte. Die Stadt Granada wuchs, es entstanden neue Stadtteile“, erzählt Koch-Dallendörfer. Mal waren es einzelne Straßen, mal ein ganzes Quartier, einmal unterstützten sie den Bau eines Brunnens und Leitungsnetzes für drei Dörfer am Stadtrand. Die Stadt kümmerte sich nicht darum, auch weil sie im zentralistischen Nicaragua bis heute kaum eigenes Geld hat.

„Wir unterstützen nur Projekte, bei denen sich die Menschen organisieren“, sagt Dallendörfer. Etwa indem sie die Gräben für Wasserleitungen ausheben. Oder indem die Deutschen Geld für Baumaterial besorgen, aber die Einheimischen ihre Vorschule selbst bauen – so wie die erste integrative Kinderbetreuungseinrichtung Granadas, ein Vorzeigeprojekt auch für andere lateinamerikanische Länder.

Ein wichtiger Partner sei die Freiwillige Feuerwehr von Granada, die ohne staatliches Geld auskommen muss, sagt Dallendöfer. „Als 1998 ein Hurrikan Nicaragua verwüstete, war die Feuerwehr die einzige Institution, die den Menschen effektiv helfen konnte. Seitdem arbeiten wir zusammen.“ Teil der Kooperation sei die Frankfurter Berufsfeuerwehr, die schon viele Fahrzeuge spendete. Sieben Mal trainierten Frankfurter Experten die Kollegen in Granada in Erster Hilfe, Brandbekämpfung oder Höhenrettung.

Von Anfang an arbeitete der Verein stets mit demselben, aus Deutschland stammenden Projektleiter in Granada zusammen. Was dazu führte, dass der Verein ein fester Partner der Stadt Frankfurt ist wie auch des Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ): Quasi der gesamte Etat für die Städtepartnerschaft kommt Projekten des Vereins zugute.

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