Corona

Frankfurter Eltern kritisieren Maskenpflicht im Unterricht

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CORONA Bildungsdezernentin verteidigt Maßnahme. Erneute Schulschließungen sollen so verhindert werden.

Frankfurt -Kopfschmerzen, fehlende Konzentration, Übelkeit: Seit gestern gilt an Frankfurts weiterführenden Schulen eine Maskenpflicht auch im Unterricht, sofern der Mindestabstand von eineinhalb Metern im Klassenraum nicht eingehalten werden kann. Zunächst gilt diese Maßnahme für zwei Wochen. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sowie die Elterninitiative "Familien in der Krise" halten die Maskenpflicht im Unterricht für unzumutbar.

Trinkverbot und Mobbing

Die Initiative berichtete über die Androhung von Sanktionen bei der Weigerung, eine Maske zu tragen, von dem Verbot, im Unterricht oder auf dem Pausenhof etwas zu trinken und von Ausgrenzung von Schülern, die aus gesundheitlichen Gründen keine Mund-Nasen-Bedeckung tragen müssen. "Es kann für die Kinder nicht gut sein, wenn sie acht Stunden und mehr die Masken pro Tag tragen müssen", sagte gestern Abend Susanne Kern von "Familien in der Krise" im Bildungsausschuss im Römer. Nicht einmal Erwachsene müssten in der Regel die Mund-Nasen-Bedeckung solange am Tag tragen.

Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) jedoch verteidigte die Maßnahme, zu der sich der Krisenstab der Stadt in der vergangenen Woche angesichts der rasant steigenden Infektionszahlen mit dem Coronavirus entschlossen hatte. Lag die Zahl der Neuinfektionen am vergangenen Donnerstag noch bei 25 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern binnen einer Woche, war der Wert über das Wochenende auf 33,5 gestiegen. Ab 35 hat Frankfurt die dritte Eskalationsstufe erreicht. Dann müssen die Bürger mit härteren Maßnahmen rechnen. Und steigen die Zahlen noch weiter, wäre auch ein eingeschränkter Regelbetrieb an den Schulen wieder möglich.

"Das wollen wir auf jeden Fall verhindern", sagte Weber. Deshalb habe man sich für die Maskenpflicht im Unterricht an den weiterführenden Schulen entschieden. "Wir müssen die steigende Zahl der Neuinfektionen wieder in den Griff bekommen."

Die Stadträtin erläuterte, dass derzeit die Hälfte der gemeldeten Fälle mit Covid-19 auf Reiserückkehrer aus Risikogebieten zurückzuführen seien. Ein Schwerpunkt liege dabei auf Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Schon in der ersten Woche nach den Sommerferien waren die ersten Schüler positiv getestet worden. Und so soll das Tragen der Maske ein Schutz sein, sollte ein mit dem Coronavirus infizierter Schüler mit im Unterricht sitzen.

Virus macht nicht an der Tür Halt

"Das Virus macht an der Tür zum Klassenraum nicht Halt", so Weber. Mit bis zu 30 Schülern in einem Raum sei die Infektionsgefahr einfach zu groß. "In zwei Wochen schauen wir dann, ob die Maßnahme noch notwendig ist und bewerten die Situation neu", versprach Weber. "Denn mir ist klar, dass das Tragen der Masken im Unterricht für die Kinder, aber auch die Lehrer unangenehm ist." Sie wies daraufhin, dass auch Gesichtsvisiere aus Plastik eine Alternative für Masken sind. "Sie können eine Erleichterung sein, wenn man nicht den ganzen Tag die Stoffmasken tragen will."

Während die Lehrergewerkschaft GEW gestern forderte, den Unterricht an Schulen mit Maskenpflicht auf zwei Doppelstunden am Tag mit einer halben Stunde Pause zu begrenzen, schlug die SPD-Stadtverordnete Kristina Luxen, selbst Mutter von drei Schulkindern, vor, die Pausenzeiten zu staffeln, damit der Schulhof nicht zu voll wird, die Kinder Abstand halten und ihre Alltagsmasken abziehen können. "Wir müssen auch an den Schutz unserer Kinder denken", sagte Luxen, die auch daraufhin wies, dass vor allem die Stoffmasken schnell durchnässt sind, wenn sie solange getragen werden und man sie deshalb mehrfach wechseln muss. "Am angenehmsten zu tragen sind deshalb die Einwegmasken", so Luxen. "Die gehen aber ins Geld. Das kann sich nicht jede Familie leisten." Dezernentin Weber jedoch lehnte es ab, die Schüler dauerhaft mit Masken zu versorgen. "Das können wir bei mehr als 50 000 Schülern an den weiterführenden Schulen nicht stemmen", so Weber. "Die Familien müssen sich selbst darum kümmern." Julia Lorenz

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