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Frankfurter Ex-Awo-Chef mitfalschem Doktortitel?

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Von: Thomas J. Schmidt

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Jürgen Richter droht neues Ungemach. FOTO: salome roessler
Jürgen Richter droht neues Ungemach. © Salome Roessler / lensandlight

Es droht neues Ungemach für den früheren Geschäftsführer der Frankfurter Arbeiterwohlfahrt (Awo), Jürgen Richter.

Frankfurt -Es droht neues Ungemach für den früheren Geschäftsführer der Frankfurter Arbeiterwohlfahrt (Awo), Jürgen Richter. Der 65-Jährige erhielt unlängst Post vom Amtsgericht. Der Inhalt: Ein Strafbefehl über 9600 Euro Geldstrafe (120 Tagessätze) wegen Titelmissbrauchs. Wie Oberstaatsanwältin Nadja Niesen gestern bekanntgab, führte Richter seit Juli 2017 zu Unrecht den Doktortitel. Sowohl in seinen persönlichen Dokumenten - Personalausweis und Reisepass - als auch in einem Annex zum Geschäftsführervertrag mit der Awo seien die akademischen Weihen enthalten gewesen, obwohl Richter niemals promoviert oder den Doktortitel anderweitig erworben habe, so Niesen. Damit habe er sich strafbar gemacht. Der in Wiesbaden wohnende Richter ließ die Beschuldigungen indes vorerst nicht auf sich sitzen. Er habe Einspruch gegen den Strafbefehl eingelegt. So wird das Amtsgericht in einer mündlichen Verhandlung Beweis erheben und die Vorwürfe klären. Am 10. Mai soll der Gerichtstermin sein.

Frankfurter Awo schlittert von Skandal zu Skandal

Die Arbeiterwohlfahrt ist in den vergangenen Jahren von mehreren Skandalen betroffen gewesen. Eine Clique um den Vorsitzenden Jürgen Richter hatte sich gegenseitig überhöhte Gehälter und überdimensionierte Dienstwagen zugeschanzt. Beim Betrieb zweier Flüchtlingsheime soll es seit 2016 zu Unregelmäßigkeiten gekommen sein. Die Awo Frankfurt war zudem eng verbunden mit der Awo Wiesbaden. Die Chefin dort: Richters Ehefrau Hannelore. Das Ehepaar mauschelte in der Geschäftsführung, die Awo Frankfurt überwies Spenden an die Awo Wiesbaden, in Frankfurt arbeiteten Mitarbeiter, die bei der Awo Wiesbaden auf der Gehaltsliste standen. Die Awo Frankfurt hatte dafür 3,2 Millionen Euro an die Awo Wiesbaden überwiesen - zu Unrecht, wie der neue Awo-Vorstand im vergangenen Sommer vermutete und daraufhin die Finanzbuchhalterin entließ.

Der Frankfurter Awo wurde die Gemeinnützigkeit aberkannt

Wegen der Machenschaften rund um die frühere Vorstandsclique hat die Awo die Gemeinnützigkeit für die Jahre 2014 bis 2017 aberkannt bekommen. Die Jahre 2018 und 2019 werden derzeit von den Finanzbehörden geprüft. Rund zehn Millionen Euro soll die Höhe des Gesamtschadens sein, den das System Richter bei der Awo Frankfurt verursacht hat - mit Hilfe seiner Helfer, denen, wie auch ihm selbst, fristlos gekündigt wurde. Richters Kündigungsklage war erfolglos.

Bei der Staatsanwaltschaft Frankfurt sind in dem Ermittlungskomplex rund um den Awo-Skandal seit 2019 viele Verfahren anhängig. Zahlreiche Akten wurden bei einer Razzia beschlagnahmt. Zuletzt hatte sich die Awo vor dem Arbeitsgericht Frankfurt zu einem Vergleich mit der ehemaligen Leiterin der Finanzbuchhaltung bereiterklärt. 43 000 Euro muss die Awo ihr zahlen und im Arbeitszeugnis angeben, sie habe stets zur vollen Zufriedenheit ihrer Vorgesetzten gearbeitet.

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