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Die Fernwärmeleitung wird gerade in den Untergrund geschoben.

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Frankfurter Fernwärmenetz wächst weiter – Schon 300 Kilometer sind verlegt

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Frankfurts Fernwärmenetz wächst weiter. Entlang der Adickes- und Nibelungenallee baut die Mainova eine neue Leitung. Sie soll die ehemalige Fachhochschule zur kommenden Heizsaison anschließen und kann später weiter Richtung Osten geführt werden. Die Kosten für den Bau betragen 6,8 Millionen Euro.

120 Meter lang sind die beiden Löcher im Erdreich. Durch sie soll künftig Heizwasser zur University of Applied Sciences (UAS) fließen, vormals Fachhochschule genannt. An der tiefsten Stelle verläuft die Wasserleitungen acht Meter unter der Eckenheimer Landstraße entlang, drei Meter tiefer als der Abwasserkanal.

Am Grünstreifen der Nibelungenallee endet die Bohrung. „Gegenüber, an der Nordseite der Adickesallee, haben wir begonnen“, sagt Jens Plachetka, bei der Mainova AG zuständig für Planung und Bau des Wärmenetzes. Die Wärmeleitung zur Fachhochschule ist gewissermaßen sein Kind.

Fernwärme in Frankfurt: Die Leitung führt nach Osten

s ist das jüngste Baustück der 1,7 Kilometer langen Fernwärmeleitung, die vom Polizeipräsidium nahe des Campus Westend bis zur UAS führen wird. „Wir schließen die Fachhochschule ans Wärmenetz an“, erläutert Plachetka. Er ist Diplom-Ingenieur und kennt Frankfurts Untergrund genau. Perspektivisch sei es möglich, die Leitung weit in den Frankfurter Osten hinein zu verlängern. Denn das Wärmenetz wird ständig ausgebaut.

Gestern wurden zweimal 120 Meter lange Heißwasserleitungen in die bereits im Erdreich liegende Schutzröhre eingefädelt. Dazu hebt ein Bagger die 45 Zentimeter dicke Leitung an Stahlseilen vom Boden auf. Das andere Ende steckt schon in der Schutzröhre. Langsam schiebt der Bagger die sechs Tonnen schwere, 60 Meter lange Leitung tiefer in die Röhre. Abstandhalter aus Kunststoff, regelmäßig eingebracht, zentrieren die Wärmeleitung in der Schutzröhre und verhindern, dass sie stecken bleibt.

„Wenn die 60 Meter drin sind, schweißen wir die zweite Hälfte daran und machen weiter“, erläutert der Ingenieur. Die Leitung muss auf der anderen Seite der Eckenheimer, an der Nordseite der Adickesallee, herauskommen und an die schon unter dem Bürgersteig vergrabene Leitung angeschlossen werden. Dann ist dieser Arbeitsschritt beendet.

„Die Löcher zu bohren, war nicht so ungewöhnlich. Das machen wir öfter, um nicht Kreuzungen sperren zu müssen“, sagt Plachetka. Dabei wird zunächst ein „Pionierbohrer“ mit kleinem Durchmesser in den Untergrund geführt. Im Folgenden kommen mehrere, größer werdende Bohrer mit viel Wasserdruck zum Einsatz, spritzen die enge Röhre bis auf den erforderlichen Durchmesser auf. Schließlich kommt die Schutzröhre ins Erdreich.

Diese hat einen Innendurchmesser von 50 Zentimetern. Gestern wurde die Wärmeleitung dort hindurch gefädelt. „Stahl ist flexibel. Wir können die Leitung um gewisse Radien führen“, sagt Plachetka. Zum Beispiel unter dem Abwasserkanal hindurch. Aber: Nicht zu viel. Alles ist genau ausgerechnet und auf die Leitung abgestimmt.

Fernwärme in Frankfurt: Bohrung ein Ausnahmefall

Doch eine Bohrung wie jetzt unter der Eckenheimer ist die Ausnahme beim Wärmeleitungsbau. „Meist legen wir die Rohre in Baugruben“, sagte Plachetka. Wie jetzt in den kommenden Monaten entlang des Grünstreifens auf der Nibelungenallee. Im Oktober, so der Zeitplan, kommen die Bauarbeiten an der UAS an – pünktlich zur nächsten Heizsaison.

In einem Heizkraftwerk, zum Beispiel in der Nordweststadt, wird Müll oder Öl verbrannt und damit Wasser erhitzt. Dieses Wasser strömt unter dem Druck von sieben Bar mit 120 Grad durch die Leitung. Die Wärmeverluste sind dabei gering: „Ein bis zwei Grad bei einem Transport quer durch Frankfurt“, sagt Jens Plachetka. Im Keller wird die Wärme über einen Tauscher ans Heizsystem des Hochhauses übergeben. Fernwärme heizt die Wohnungen und das Wasser.

Das kühlere Fernwärmewasser wird ins Netz zurückgebracht: Es strömt in die Rücklaufleitung, zurück zum Heizkraftwerk.

Die Wasserleitung: Sie hat einen Innendurchmesser von 30 Zentimetern. Der Stahl selbst, der die Röhre bildet, ist 6,3 Millimeter dick. Fünf Zentimeter Schaum um das Rohr herum dienen der Wärmeisolierung, ganz außen kommt eine Schutzhülle aus Polyurethan. Ein Rohrstück ist zwölf Meter lang. Auf der Baustelle wird der Stahlkern der Leitung verschweißt, der Isolierschaum aufgebracht und zuletzt die Schutzhülle darübergeschoben.

Auf 300 Kilometer beläuft sich das Fernwärmenetz der Mainova in Frankfurt. Damit werden die Nordweststadt und der Flughafen, die Innenstadt und Teile Niederrads und Sachsenhausens versorgt. Insgesamt zählt die Mainova 20 000 Abnehmer. Wie viele Haushalte sich dahinter verbergen, kann indes niemand sagen: Ein Hausanschluss ist ein Kunde. Jedes der Hochhäuser in der Nordweststadt beispielsweise taucht nur als ein Kunde auf. In der Zahl von 20 000 Abnehmern sind auch gewerbliche Kunden inbegriffen.

Seit die Mainova 2017 das Netz so dicht geknüpft hat, dass eine 13,5 Kilometer lange Leitung vier Kraftwerke verbindet, spricht man von einem Kraftwerkverbund. Dazu zählen das Müllheizkraftwerk in der Nordweststadt und die Heizkraftwerke West, Messe und Niederrad. Das System ist effizienter, denn man kann die einzelnen Kraftwerke flexibel hoch- oder runterregeln. Alle seitherigen Nahversorgungsgebiete verknüpft. Damit lassen sich jedes Jahr 100 000 Tonnen Kohlendioxid vermeiden.

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