Da muss der Busfahrer warten: Die Bolongarostraße ist zwischen Badstubengasse und Zuckschwerdtstraße in der Reinigungsklasse IV und gehört damit wie die Fußgängerzone der Königsteiner Straße zu den meist gereinigten Straßen Frankfurts.
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Da muss der Busfahrer warten: Die Bolongarostraße ist zwischen Badstubengasse und Zuckschwerdtstraße in der Reinigungsklasse IV und gehört damit wie die Fußgängerzone der Königsteiner Straße zu den meist gereinigten Straßen Frankfurts.

Putzkolonne

Kampf gegen den Müll: Was FES-Mitarbeiter täglich in Frankfurt erleben

  • Holger Vonhof
    VonHolger Vonhof
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Wenn morgens in Frankfurt gefegt wird, ist es mittags wieder dreckig. Dennoch kämpfen die FES-Mitarbeiter unermüdlich gegen die Vermüllung. Wir waren dabei.

Frankfurt – In der Fußgängerzone der Königsteiner Straße in Frankfurt-Höchst ist noch nicht viel los um kurz nach 6 Uhr. Vor einem Bäckerei-Discounter sitzen zwei Männer mit hochgeschlagenen Krägen, rauchen und blasen am noch kühlen Morgen über ihre Kaffeebecher. An der Ecke zur Emmerich-Josef-Straße hält sich ein Betrunkener am Straßenschild fest, minutenlang.

Vor einem von vier 120-Liter-Großraum-Abfallbehältern gegenüber von „kik“ und „Tedi“ hockt eine Frau zwischen zwei Tüten mit ihren Habseligkeiten auf dem Straßenpflaster, hat gerade eine Banane hervorgekramt. „Manchmal muss man die Bettler wecken, die an den Papierkörben lagern“, sagt Rudi Eschenröder und schaut zu ihr herüber. Der FES-Mitarbeiter mit den zurückgekämmten schütteren Haaren muss an die Abfallbehälter, um sie zu leeren. Zack-zack muss das gehen, er hat noch einiges vor sich, fährt mit seinem kleinen Pritschen-Piaggio von Stopp zu Stopp. Eigentlich ist er seit Freitag in Rente, er ist 65. Trotzdem ist er morgens um kurz nach sechs in der Königsteiner Straße unterwegs, jetzt eben als Aushilfe: Ihm macht der Job Spaß. Seit nunmehr 26 Jahren.

FES-Mitarbeiter in Frankfurt: „Manchmal muss man die Bettler wecken“

Während Eschenröder die Mülleimer leert, ist das Dreier-Team von Arbeitsgruppenleiter Andreas Horst mit Laubbläser, motorisierter Kehrmaschine und klassischem Reisigbesen auf der Fußgängerzone unterwegs und fegt und bläst Brötchentüten, Red-Bull-Dosen und das erste Herbstlaub zusammen. Die unterschiedlichen Bodenbeläge machen Schwierigkeiten: mal Pflaster-, mal Verbundsteine, dann Platten.

„Montags muss es zackig gehen, damit wir die Betriebsabläufe der anderen nicht stören“, sagt Redouane El Gouy, stellvertretender Betriebsstellenleiter des FES-Betriebshofs in Höchst. Die Müllabfuhr kommt, Lieferanten stehen mit ihren Lkw in der Fußgängerzone, die ersten Kaffeebecher-Träger laufen dazwischen herum. Am Montagmorgen sieht man noch das Wochenende: Dönerpapier, leere Bierpullen.

Frankfurt: Täglich werden Sonnenblumenkerne auf die Straße gespuckt

Die Fußgängerzone der Königsteiner wird täglich gereinigt, morgens von der FES, nachmittags kommt ein Team von „#cleanffm“. „Jetzt ist es sauber, aber um 14 Uhr meinen Sie, es wäre nie jemand dagewesen“, sagt El Gouy. Am Andreasplatz in Frankfurt, wo viele Bänke stehen, kehren die FES-Leute täglich Berge von Sonnenblumenkern-Schalen zusammen, die einfach auf den Boden gespuckt werden.

„Es gibt viel Publikumsverkehr in Höchst und daher auch viel Müll“, sagt El Gouy. Der Einkaufswagen, der herrenlos auf der Fußgängerzone steht, wird eingesammelt. „Die werden verschrottet. Die Supermärkte haben signalisiert, dass sie kein Interesse daran haben“, erklärt FES-Sprecher Stefan Röttele schulterzuckend.

Anwohner in Frankfurt ignorieren Sperrmüll-Regeln

An einem halben Dutzend Stellen in Frankfurt-Höchst steht an diesem Morgen Sperrmüll, zum Teil schon seit Freitag. Termin für die Sperrmüll-Tour ist aber erst der Dienstag. „Herausstellen darf man angemeldeten Sperrmüll erst am Vorabend“, wiederholt Röttele gebetsmühlenartig. „Wenn sich die Leute bloß daran halten würden.“

Rudi Eschenröder ist eigentlich seit Freitag in Pension. Er macht trotzdem weiter und leert Mülleimer - jetzt eben als Aushilfe.

Das Team mit Kehrmaschine, Laubbläser und Reisigbesen ist inzwischen auf der Bolongarostraße in Frankfurt. Wo tagsüber viele Menschen stehen, ist es dreckig – etwa im Bereich der Spielcafés und Wettbüros. Die Kollegen mit Laubbläser und Reisigbesen schaffen alles auf die Straße, der Kehrmaschinenfahrer saugt es mit rotierenden Bürsten in den Müllbehälter seines Gefährts.

Frankfurter Straßenfeger binden Reisigbesen selbst

Die Straßenfeger binden ihre Reisigbesen noch selbst; in jedem Team gibt es einen, der das kann. Denn über Reisigbesen geht nichts: „Es gibt Flächen, da kommt man nur mit dem Besen hin“, sagt Redouane El Gouy. Wegen Corona gibt es derzeit gestaffelte Arbeitszeiten; die einen fangen um 5.30 Uhr an, die anderen um 6 Uhr. Auf der Bolongarostraße hat das den Vorteil, dass so früh am Tag viel weniger Autos am Straßenrand stehen. Auch vor dem Haus an der Bolongarostraße, dessen Zimmer bettenweise an Wanderarbeiter vermietet sind, liegt wieder viel Unrat – zumindest türmt sich dort diesmal kein Sperrmüllhaufen wie noch vor zwei Wochen. „Als wir den eingesammelt haben, mussten wir den Bussen Bescheid geben, denn da ging hier nichts mehr“, sagt Röttele. Diesmal muss der Fahrer des M 55 nach Rödelheim nur kurz warten, bis die vor ihm kreiselnde Maschine den Kehricht geschluckt hat.

Voraussichtlich im April 2022 zieht die FES-Betriebsstätte wie schon der Wertstoffhof um in die Palleskestraße 36a. Von dort rücken täglich 33 Mitarbeiter aus – mit einer Groß- und sechs Kleinkehrmaschinen, sieben Kehrichtsammelwagen, drei kleinen Papierkorb-Piaggios und einem Sinkkastenwagen.

Unter der Woche starten drei Arbeitsgruppen auf Reinigungstour in den Frankfurter Westen, samstagvormittags geht eine auf große Höchst-Tour. Seit vier Jahren gibt es an allen sieben Wochentagen außerdem eine nachmittägliche Tour von "#cleanffm": Ein Mitarbeiter leert Mülleimer und beseitigt kleinere Müllhaufen. Die Tour beginnt am Rödelheimer Bahnhof und führt über Sossenheim und Höchst bis Zeilsheim. (Holger Vonhof)

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