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?Drohnen über der Skyline? Bitte nicht!? Die städtischen Behörden reagieren hilflos auf die wachsende Zahl an Hobbydrohnen.

Luftsicherheit

Frankfurter Flughafen: Drohnenpiloten ignorieren Verbot

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Mini-Hubschrauber, die sich per Funk steuern lassen, sind zum Spielzeug für Jedermann geworden. Am Frankfurter Flughafen sorgen solche Drohnen zunehmend für Ärger. Denn die Hobbypiloten kommen dort den großen Flugzeugen in die Quere. Dass sie dort eigentlich gar nicht fliegen dürfen, wissen viele offenbar gar nicht.

Auf durchgestylten 90 Quadratmetern im Erdgeschoss des Einkaufszentrums MyZeil präsentiert DJI seine fliegenden Kameras dem technikbegeisterten Publikum. Es ist der erste Laden des chinesischen Drohnen-Herstellers in Deutschland. Die Firma verkauft weltweit so viele ferngesteuerte Mini-Hubschrauber wie kein anderer Hersteller. Einsteigermodelle für Hobbypiloten gibt es schon ab 100 Euro. Die sich selbst stabilisierenden Fluggeräte sind relativ einfach zu bedienen und liefern Foto- und Videobilder aus der Luft. Als Spielzeug für Erwachsene erfreuen sie sich daher wachsender Beliebtheit. Piloten und Fluglotsen bereitet dies jedoch Sorgen.

In ganz Deutschland kommen die Hobby-Drohnen immer häufiger dem richtigen Luftverkehr in die Quere. Besonders stark betroffen ist der Frankfurter Flughafen. Dort registrierte die Deutsche Flugsicherung (DFS) am 12. August den 20. Vorfall in diesem Jahr. Damit wurden allein in den ersten siebeneinhalb Monaten bereits mehr Drohnen im An- und Abflugbereich gesichtet als im gesamten Vorjahr. Denn 2017 gerieten am Frankfurter Flughafen 15 Drohnen ins Blickfeld von Piloten. Zusammenstöße gab es dort bisher keine. Aber schon die Ablenkung durch das plötzlich auftauchende Flugobjekt kann zur Sicherheitsgefahr werden. Gelangt es in ein Triebwerk, droht dessen Ausfall.

Gesteuert werden die Drohnen vermutlich von Flugzeugliebhabern, die außergewöhnliche Kameraperspektiven suchen. Eigentlich müssten sie einen weiten Bogen um den Flughafen machen. Denn über dem Gelände selbst und 1,5-Kilometer rundherum sind Drohnenflüge nicht erlaubt. Die Hobbypiloten wissen von dieser Verbotszone nichts oder sie ignorieren sie.

Doch nicht nur am Flughafen sind Drohnenflüge ein Problem. Auch im übrigen Stadtgebiet häufen sich die Beschwerden über surrende Beobachter im Himmel. „Die Beschwerden von Kleingärtnern oder Spaziergängern reißen nicht ab“, sagt Martin Müller, Sprecher des städtischen Umweltamts. Private Drohneneinsätze seien zwar in weiten Teilen des Stadtgebiets ohne Sondergenehmigung gar nicht erlaubt (siehe Infokasten) . Doch davon wissen viele Modellfluganfänger offenbar nichts. Das Umweltamt hat deshalb bereits 2017 ein Faltblatt zum „Einsatz von privaten Flugmodellen in Frankfurt“ herausgegeben. Dessen Titel klingt allerdings etwas hilflos: „Drohnen über der Skyline? Bitte nicht!“

Kernbotschaft des Infoblattes: Drohnenpiloten müssen so viele Gesetze und Regeln berücksichtigen, dass es sich für Spaßflieger kaum lohnt, nach einem Fleckchen in Frankfurt zu suchen, an dem sie ihren Mini-Hubschrauber legal in die Luft lassen können.

Wer es dennoch probieren will, bekommt von der Deutsche Flugsicherung hilfreichere Informationen. Das bundeseigene Unternehmen hat ein kostenloses Programm fürs Smartphone entwickelt. Mit der „DFS-DrohnenApp“ können sich Hobbypiloten informieren, welche Flugbeschränkungen an ihrem jeweiligen Standort gelten: Dürfen sie ihr Spielzeug nur 50 oder 100 Meter hoch fliegen lassen? Sind Flughäfen, Krankenhäuser oder Kraftwerke in der Nähe, die nicht überflogen werden dürfen?

Mit diesem Angebot versucht die Flugsicherung das Bewusstsein für die geltenden Regeln zu schärfen. Wirkungsvoll kontrollieren kann sie deren Einhaltung bisher aber nicht. Die beliebten Hobby-Drohnen sind zu klein, um vom Radar erfasst zu werden. Gemeinsam mit der Deutschen Telekom will die DFS deshalb ein neues Kontrollsystem einführen: Drohnen sollen mit Mobilfunksendern ausgestattet werden, um sie ständig orten zu können. Ob sich diese Idee durchsetzen wird, ist noch offen. Auch Sicherheitsbehörden machen sich Gedanken, wie Kleindrohnen wirksam kontrolliert und gestoppt werden können. Denn Anschläge mithilfe der unauffälligen Fluggeräte sind kein unrealistisches Szenario.

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