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Ein Blick hinter die Kulissen der Klimatechnik im Terminal 1: Christian Horn zeigt einen Wärmetauscher.

Energiewende

Fraport plant die grüne Zukunft - Betreiber setzt auf regenerative Energie

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Fraport will die CO2-Emissionen am Flughafen bis 2050 auf Null senken. Dabei setzt man auf Photovoltaikanlagen und Windräder.

Frankfurt - Große, breite Schächte verlaufen an der Decke, ein Rohr reiht sich an das nächste - so weit das Auge reicht. Dazwischen stehen riesige graue Schränke. Ein stetiges leises Brummen ist zu vernehmen. Die Luft ist warm und stickig hier unten im Keller des Flughafens - und das, obwohl von hier, aus der Lüftungszentrale hinaus, das Terminal 1 mit frischer und kühler Luft im Sommer oder warmer Luft im Winter versorgt wird.

Keine leichte Aufgabe, wie sich schnell herausstellt, wenn Christian Horn, Objektleiter beim Fraport-Facilitymanagement, die 4000 Quadratmeter große technische Anlage erklärt. Denn es darf nie zu kalt oder zu warm in den Terminals sein. "Ansonsten beschweren sich die Fluggäste und Mitarbeiter", sagt Horn. Deshalb muss man vor allem im Sommer stets darauf achten, dass zwischen den Temperaturen draußen und denen im Terminal nie mehr als eine Differenz von sechs Grad herrscht. Im Winter würden die Hallen auf 21 Grad geheizt.

Am meisten zu tun hat die Anlage an feucht-heißen Tagen. "Dann muss die Luft erst entfeuchtet und dann gekühlt werden", sagt Horn. "Ansonsten bildet sich Kondenswasser und tropft von der Decke. Das will niemand."

16,9 Millionen investiert: Modernisierung im vollen Gang

Die Lüftungszentrale wurde gerade für 16,9 Millionen Euro modernisiert und auf den neusten Stand der Technik gebracht. Das sei auch dringend nötig gewesen. Stammt das Terminal 1 doch aus den 1970er Jahren, ebenso veraltet war auch die Klimatechnik. Sieben Jahre hat das von der Planung bis zur Fertigstellung gedauert. "So etwas muss man Schritt für Schritt machen. Wir konnten die Anlage ja nicht einfach abstellen", sagt Horn. Jetzt funktioniert die Anlage computergesteuert, kann von der Leitzentrale des Flughafens aus gesteuert werden. Das ist aber nicht der einzige Vorteil. "Durch die Modernisierung verbraucht die Anlage zudem 50 Prozent weniger Strom."

Insgesamt gibt es 80 dieser riesigen Lüftungszentralen am Flughafen. Sie werden ebenso wie alle anderen technischen Anlagen nach und nach modernisiert. 260 Millionen Euro investiert Fraport dafür - und hat in den vergangenen fünf Jahren auf diese Weise bereits den Verbrauch von Kohlendioxid (CO2) um 24 000 Tonnen reduziert.

CO2 Emissionen bis 2050 auf null senken: Umstieg auf regenerative Energien

Die Ambitionen des Flughafenbetreibers gehen aber weiter. "Unser Ziel ist es, die CO2-Emissionen am Standort Frankfurt bis 2030 auf 80 000 Tonnen im Jahr zu reduzieren", sagt Fraport-Chef Stefan Schulte. "Bis 2050 sollen sie gar auf Null sinken." Derzeit liegt der Ausstoß bei 188 000 Tonnen CO2. "Wir machen aber große Fortschritte", so Schulte. So wurden Bestandsgebäude energetisch optimiert, die Gepäckförderanlage modernisiert, Elektrofahrzeuge eingesetzt und Glühbirnen durch LED-Lampen ausgetauscht. Vor 18 Jahren lag man noch bei einem Ausstoß von 300 000 Tonnen CO2 im Jahr.

Und die Reduzierung soll noch weitergehen. "Das geht aber nur über regenerative Energien", erklärt Wolfgang Scholze, Leiter des Fraport-Umweltmanagements. Derzeit werde "intensiv geprüft", auf welchen Gebäuden man Photovoltaikanlagen installieren könne. Außerdem schaue man nach geeigneten freien Flächen. Das gestalte sich schwieriger als gedacht. Freie Flächen wie die neben der Startbahn West dienen als Ausgleichsflächen für Baumaßnahmen. "Und viele Dächer von Bestandsgebäuden eignen sich nicht - der Statik wegen."

Photovoltaik aufs Parkhaus, Windkraftanlagen im Meer

Nichtsdestotrotz ist man fündig geworden. Konkret in Planung ist eine Photovoltaikanlage auf dem Parkhaus für das künftige Terminal 3 im Süden des Flughafens. Auch das Terminal selbst soll zumindest mit einer Photovoltaikfolie versehen werden. Und in der Cargo City Süd wird derzeit eine Frachthalle von Swissport gebaut, auf der der Flughafenbetreiber ebenfalls eine solche Anlage installieren will. Sie wird 1500 Kilowattstunden Strom pro Jahr liefern. Zum Vergleich: Der Flughafen hat einen Energieverbrauch von 600 000 Kilowattstunden im Jahr. "Das zeigt: Photovoltaik alleine hilft uns nicht weiter", sagt Scholze. "Wir müssen noch andere Wege gehen."

Doch welche? Windkraft lautet die Antwort. Im Vorstand des Flughafenbetreibers wird darüber nachgedacht, in eine Windkraftanlage im Meer zu investieren. Genauer gesagt: eine solche dort zu errichten und sich darüber mit Strom für den Flughafen versorgen zu lassen. "Damit könnten wir richtig viel erreichen", sagt Scholze. Schon im kommenden Jahr will man mehr dazu erzählen können.

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