Erfolg an der Frankfurter Uniklinik

Frankfurter Forscher machen große Entdeckung im Kampf gegen Blutkrebs

Forscher der Frankfurter Uniklinik stellten fest, dass Leukämiezellen ihre Oberflächenstruktur spontan ändern können – und prompt nicht von Medikamenten abgetötet werden. Diese Erkenntnis ist maßgeblich für die weitere Erforschung dieser Zellen – als Grundlage künftiger Therapien.

Leukämie ist Blutkrebs. Trotz intensiver Therapien ist die Prognose für erwachsene Patienten oft schlecht. Bei der sogenannten akuten lymphatischen Leukämie sind bis heute das Aussehen und die Identität der Leukämiestammzellen nicht bekannt – dabei könnten gerade diese Zellen die Ursache für schlechte Prognosen sein, sind sie doch immun gegen übliche Medikamente. Das führt oft dazu, dass die Erkrankung erneut ausbricht und dann nicht mehr erfolgreich behandelt werden kann.

Ärzte und Wissenschaftler der Uniklinik Frankfurt haben herausgefunden, dass lymphatische Leukämiestammzellen ihr Aussehen verändern können. Dieses „Versteckspiel“ erklärt, warum sie der Therapie und der weiteren Erforschung bisher entgingen.

Einem interdisziplinären Team um Prof. Michael Rieger, Forschungsleiter der Medizinischen Klinik II und des Zentrums für Zell- und Gentherapie Frankfurt, ist es gelungen, den Mechanismus zu entschlüsseln: Die Leukämiestammzellen verändern ihre Oberflächenstruktur und entkommen so der gezielten Analyse und Therapie. „Wir haben eine bislang unbekannte Fähigkeit der lymphatischen Leukämiezellen gefunden, einige Oberflächenproteine dynamisch hoch- und runterregulieren zu können. Damit zeigen sie eine ungeahnte Flexibilität. Dies konnten wir in einzelnen lebenden Zellen nachweisen und zeigen, dass dieser Prozess in wenigen Stunden abläuft“, erklärt Dr. Fabian Lang, Assistenzarzt der Medizinischen Klinik II und Erstautor der Studie.

Weil Leukämiezellen im Reagenzglas nur schwer wachsen, gilt ihrer Erforschung als schwierig. Die Wissenschaftler markierten sie jedoch mit innovativen Zellkultur- und beobachteten sie tagelang unterm Mikroskop. „Wir hätten nie eine so hohe Formbarkeit der Zellen erwartet. Das erklärt die Schwierigkeit vieler Labore, einheitliche Oberflächeneigenschaften – den sogenannten Phänotyp, der Leukämiestammzellen – zu beschreiben“, sagt Bartosch Wojcik, Ko-Erstautor der Studie und Biochemiedoktorand in der Arbeitsgruppe.

Die Wissenschaftler isolierten auch verschiedene Gruppen von Leukämiezellen mit unterschiedlichen Stammzelleigenschaften. „Durch den Vergleich von Leukämiezellen mit und ohne Eigenschaften von Stammzellen können wir die Mechanismen aufklären, die diese Zellen zu Leukämiestammzellen machen. Das hilft uns bei der Suche nach Ansatzpunkten, um diese therapeutisch und prognostisch wichtigen Zellen gezielt zu eliminieren“, folgert Prof. Rieger. Rückfälle der Patienten könnten eingedämmt werden, eine vollständige Heilung rücke näher.

Die Weiterentwicklung der Therapie ist der Zusammenarbeit von Wissenschaft und Krankenversorgung zu verdanken. „Dieses Projekt zeigt, wie wichtig der Austausch von Grundlagenforschern und klinisch tätigen Ärzten ist“, betont Prof. Rieger.

(red)

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