Das Runde muss ins Eckige. Diese Fußballweisheit versteht man in Bornheim und in Bassila. In der westafrikanischen Stadt, der Heimat von Mouhamed Katawouri (links), entsteht eine Schule, in der Kinder neben einer Schul- auch eine Fußballausbildung erhalten. Bei Jürgen Holzapfel stieß Katawouris die Idee auf offene Ohren.
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Das Runde muss ins Eckige. Diese Fußballweisheit versteht man in Bornheim und in Bassila. In der westafrikanischen Stadt, der Heimat von Mouhamed Katawouri (links), entsteht eine Schule, in der Kinder neben einer Schul- auch eine Fußballausbildung erhalten. Bei Jürgen Holzapfel stieß Katawouris die Idee auf offene Ohren.

SG Bornheim/Grün-Weiss

Frankfurter Fußballer verbindet Bernem mit Benin

  • Matthias Bittner
    VonMatthias Bittner
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Verein will Schule mit angebundener Akademie etablieren - Spenden werden benötigt

Fußball ist so viel mehr als ein Ball und zwei Tore; er verbindet Menschen aus allen Ecken der Welt. Dieses Zitat stimmt - seit Neuestem verbindet es Bornheim mit Benin. In dem westafrikanischen Land will die SG Bornheim/ Grün-Weiss in der Großstadt Bassila eine Schule mit angebundener Fußballakademie etablieren, um Kindern eine Schulausbildung und mit etwas Glück vielleicht eine große Fußballkarriere zu ermöglichen. "Wer weiß, vielleicht ist später mal ein Nationalspieler unter den Absolventen dabei", sagt Jürgen Holzapfel vom traditionsreichen Fußballverein in Bornheim.

Die Idee zu dem Projekt mit dem Slogan "Bildung und Sport für die Zukunft der Kinder in Bassila" hatte nicht Holzapfel, sondern Mouhamed Katawouri. Der 53-Jährige ist seit neun Jahren Trainer bei der SG, betreut aktuell die U 16-Mannschaft und wuchs in der 130 000 Einwohner zählenden Stadt auf. "Im Benin ist Schulgeld üblich, das können viele aber nicht zahlen", weiß Katawouri. Dass der Sportverein im Sommer auf seinen Vorschlag eingegangen sei und dann alles Schlag auf Schlag ging, macht ihn glücklich.

Sinnvolle Projekte

"Wir machen keine halben Sachen", sagt Holzapfel über den Verein, dessen Mitglieder für sinnvolle Projekte die Ärmel hochkrempeln. Genannt sei hier nur das vereinseigene Familienzentrum mit Hausaufgabenbetreuung oder diverse Flüchtlingsprojekte. Ziel von "Skyline Soccer" war es, unbegleitete Minderjährigen Flüchtlinge in den Verein zu integrieren und ihnen eine schulische oder berufliche Zukunft aufzubauen. Das Projekt ist im Frühjahr nach fünf Jahren beendet worden, die Zeit für neue Aufgaben war gekommen.

Dass Katawouri, der 1991 als Asylbewerber nach Deutschland kam und dessen Eltern und Geschwister noch in Bassila leben, gute Kontakte in seine Heimatstadt hat, erleichtert das Vorhaben enorm. So ist bereits ein Gebäude gefunden, das jährlich für 1440 Euro gemietet werden kann. Auch ein Schuldirektor, Betreuer und Trainer sind ausgewählt. Eine Küchenhilfe werde noch gesucht. Weil er Land und Leute kennt, übernimmt Katawouri in der Anfangsphase die Projektleitung. Mit einem Stapel Dokumente und Papiere ist er am Sonntag nun in seine Heimat geflogen, um den Verein zu gründen, der die Schule samt Fußballakademie betreiben soll. Der 53-Jährige freut sich aber auch auf ein Wiedersehen mit der Familie. 2020 war der Besuch Corona-bedingt ausgefallen.

100 Euro pro Kind und Jahr

Platz für 25 Kinder bietet die Schule. Nach dem Unterricht wird an drei Nachmittagen trainiert. "Wenn sie Lust dazu haben, können sie auch öfter spielen", lacht Katawouri. Schule und Akademie werden für vier Jahre - so lange dauert die Ausbildung - Lebensmittelpunkt für die Kinder sein. Die Elf- und Zwölfjährigen wohnen hier auch. Das hat natürlich alles seinen Preis. Nach Angaben von Holzapfel kalkuliert der Verein mit 100 Euro pro Kind und Jahr. Davon werden Schulkleidung, die schulischen Unterlagen und der Unterricht bezahlt. "Das müsste machbar sein. Um das finanzieren zu können, benötigen wir aber Spenden", sagt er. Auch um Fördergelder will man sich bemühen, bei der Dohle-Stiftung habe die Anfrage bereits gefruchtet: Sie stellte 3500 Euro zur Verfügung. Die Verwendung aller Gelder wird laut Holzapfel durch den Verein kontrolliert. Die Erstausstattung mit Fußbällen und Trainingsmaterial hat die SG Bornheim/Grün Weiss der Akademie bereits geschickt. Das Projekt für 25 Kindern startete nämlich schon in diesem Oktober. Jetzt geht es darum, es langfristig zu etablieren. Wenn das geschafft ist, könne man überlegen, mehr Schüler aufzunehmen, sagt Holzapfel. Matthias Bittner

Sonderkonto

Spenden mit dem Betreff "Soccer Academy Bassila"auf das Sonderkonto bei der SG Bornheim 1945/Grün-Weiss, IBAN: DE70 5019 0000 6600 9870 95 .

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