Die Vorstandsspitze der IGF freut sich über die Auszeichnung des "Leaders Club Germany" (von rechts nach links): Madjid Djamegari, James Ardinast, Matthias Martinsohn und Goran Petreski.
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Die Vorstandsspitze der IGF freut sich über die Auszeichnung des "Leaders Club Germany" (von rechts nach links): Madjid Djamegari, James Ardinast, Matthias Martinsohn und Goran Petreski.

Ehrung

Frankfurter Gastro-Initiative bekommt "Mutmacha!"-Preis

  • vonSarah Bernhard
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Er hat Impulse gesetzt und konstruktiv diskutiert - dafür wurde der Verein Initiative Gastronomie Frankfurt (IGF) nun ausgezeichnet. Doch die harten Zeiten für Gastwirte sind noch nicht vorüber.

Frankfurt -In einer digitalen Preisverleihung hat das Gastronomie-Netzwerk "Leaders Club Germany" erstmals den "Mutmacha!"-Preis in vier Kategorien verliehen - einer der Preisträger ist der Verein Initiative Gastronomie Frankfurt (IGF). Er erhielt die Auszeichnung in der Kategorie "Netzwerk für die Branche". Der Preis ehrt kreative Konzepte, soziale Initiativen und herausragende Persönlichkeiten, die in diesen Zeiten Mut machen und neue Wege im Umgang mit Herausforderungen aufzeigen.

In seiner Laudatio erklärte der "Leaders-Club"-Aufsichtsratsvorsitzende Michael Kuriat: "Die IGF hat in diesen herausfordernden Zeiten Impulse gesetzt, unter schwierigen Umständen positive Signale gesendet und sich für die Branche eingesetzt. Der Verein ging nicht nur in den direkten, konstruktiven Dialog mit den Entscheidungsträgern vor Ort und ähnlich aufgestellten Netzwerken, sondern organisierte auch Talks und Diskussionen zu relevanten Themen. Außerdem gründete die IGF die Online-Plattform FFMLY mit dem Ziel, in schwierigen Zeiten die Krise solidarisch zu meistern".

Madjid Djamegari: "Wir sind überglücklich!"

IGF-Vorstand Madjid Djamegari sagte: "Wir sind überglücklich und können es kaum glauben, diese hohe Ehre zu erfahren. Wir nehmen den Preis für alle Mitglieder entgegen, die sich und anderen in dieser schweren Zeit mit unfassbarer Kraft und Solidarität Mut gemacht haben". Und Co-Vorstand James Ardinast ergänzte: "Der Preis ist ein toller Ausdruck der Wertschätzung unserer ehrenamtlichen Tätigkeit und gibt uns Kraft für die vielen Aufgaben, die noch vor uns liegen".

Die weiteren Preisträgerinnen und Preisträger: Tim Mälzer in der Kategorie "Stimme für die Branche", Ilona Scholl und Max Strohe vom Berliner Restaurant Tulus Lotrek für ihre Aktion "Kochen für Helden" in der Kategorie "Soziales Engagement" und Markus Quadt vom Restaurant Alte Posthalterei Lingen in der Kategorie "Unternehmerische Leistung".

Beide IGF-Vorstandsmitglieder betonten, die schwere Zeit sei für die Gastronomie noch nicht vorbei. Man sei dankbar für die finanzielle Unterstützung des Bundes und der Länder, "jedoch ist ein Großteil der zugesagten Finanzhilfen immer noch nicht geflossen", so Djamegari. Eine Perspektive, wann und wie es weitergehe, gebe es auch nicht.

"Novemberhilfe fließt erst Ende Januar"

Es sei "unfassbar, dass die im Oktober versprochene 'unbürokratische' Novemberhilfe aus technischen Gründen frühestens Ende Januar ausbezahlt werden kann", sagte Djamegari. "Von der Dezemberhilfe ganz zu schweigen, bei der noch nicht einmal klar ist, wann und wie sie beantragt werden kann." Gastronomen seien bereits für die Mieten und Gehälter sowie weitere Kosten in Vorleistung gegangen, viele stünden mit dem Rücken an der Wand. Auch die gesetzliche Möglichkeit, Mietzahlungen aufgrund der Störung der Geschäftsgrundlage zu mindern, sei zwar angekündigt, aber noch nicht umgesetzt worden. Derweil nutzten erste Vermieter die Situation aus und kündigen Mietverhältnisse aufgrund von Rückständen in der Hoffnung, bei einer Neuvermietung der Fläche eine höhere Miete zu erzielen", so Djamegari.

Der IGF-Vorstand ist sich einig, dass ohne eine Verlängerung der Aussetzung der Insolvenzantragspflicht die November- und Dezemberhilfe für viele Betriebe zu spät komme und die Pleitewelle unvermeidlich sei. "Die Existenzangst ist in der ganzen Branche zu spüren", so IGF-Vorstand Goran Petreski, "die Wut unter den Gastronomen wächst".

"Für den Neustart bestens aufgestellt"

Die Mitglieder der IGF wollen dennoch nicht den Kopf in den Sand stecken. "Die Gastronomie hat bewiesen, dass sie unter schwierigen Umständen kreative und flexible Ideen umsetzt. Das Infektionsgeschehen zeigt bislang, dass von gastronomischen Betrieben kein erhöhtes Infektionsrisiko ausgeht. Wir sind mit Hygiene- und Sicherheitsmitteln ausgestattet und somit für den Neustart bestens aufgestellt", erklärte der IGF-Vorstand Matthias Martinsohn.

Der Verein ist der Meinung, dass die Gastronomie nach Ende des Lockdowns zeitgleich mit dem Einzelhandel wieder öffnen sollte. Die Situation bei Bars, Clubs und der Kultur-Szene sei dagegen nach wie vor deutlich angespannter. "Wir appellieren an die politischen Entscheidungsträger, mehr Mut zu beweisen und neben der Impfung auch Veranstaltungen mit Schnelltests zuzulassen und damit einen Neustart der Kultur- und Club-Szene noch vor der vielzitierten ,Herdenimmunität' zu ermöglichen", so Djamegari. Die Club- und Kulturszene sei seit dem 12. März geschlossen und man riskiere mit jedem weiteren Tag der Schließung, dass Strukturen und Begegnungsstätten für immer verloren gingen. Hoffnung auf eine Normalisierung gebe es zumindest für die zweite Jahreshälfte 2021. "Die Frankfurt Fashion Week im Juli sendet bereits jetzt positive Vorzeichen", so Ardinast. Zudem beginne die IGF in diesen Tagen mit den Planungen des Frankfurter Nachwuchs-Wettbewerbs "Kochtalent 2021" sowie der Frankfurter "Bar- und Restaurantwoche". Beide Veranstaltungen werden von der Stadt Frankfurt finanziell unterstützt.

Was die IGF und der Leaders Club wollen

Die IGF wurde Ende 2015 ins Leben gerufen und setzt sich unter dem Vorstandsvorsitzenden Madjid Djamegari und seinem Stellvertreter James Ardinast für die Interessen der Gastronomen und die Position des Gastgewerbes in Frankfurt ein. Ziel ist es, einen kontinuierlichen und partnerschaftlichen Dialog mit der Stadt, Behörden, Politik, Wirtschaft und Interessengemeinschaften zu führen und zu fördern. Damit will die Initiative zu einer verbesserten und positiven öffentlichen Wahrnehmung der Gastronomieszene beitragen und das Gewerbe attraktiver, gerechter und sicherer für nationale und internationale Gäste sowie Arbeitgeber und Arbeitnehmer machen. Aktuell gehören der IGF über 120 Betriebe aus Frankfurt und Offenbach an.

2001 gegründet, zählt der "Leaders Club Germany" inzwischen rund 320 Mitglieder aus 160 Unternehmen der Branche. Ziel ist es, Netzwerke zu bilden, Kompetenzen weiterzugeben und untereinander Hilfe anzubieten.

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