Fotografen mussten gestern am Rande der Pressekonferenz in der Hochstraße recht lange warten, bis endlich einige Radfahrer auf dem erst kürzlich angelegten Radweg rollten. Und das trotz des guten Wetters. Foto: tjs
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Fotografen mussten gestern am Rande der Pressekonferenz in der Hochstraße recht lange warten, bis endlich einige Radfahrer auf dem erst kürzlich angelegten Radweg rollten. Und das trotz des guten Wetters.

Verkehr

Frankfurter Geschäftsleute: Radwege kosten uns Kunden

  • Thomas J. Schmidt
    vonThomas J. Schmidt
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IHK, Handwerkskammer und Geschäftsleute kritisieren das Radwegekonzept und den damit einhergehenden Parkplatzverlust. Ihre Interessen seien völlig unter den Tisch gefallen.

Frankfurt -Der neue Fahrradweg in der Hochstraße ist ein Beispiel dafür, wie es nicht laufen sollte: Parkplätze fielen zugunsten der Pedalisten flach, die gesamte Planung verlief ohne Anhörung der Anwohner. Darunter viele Gewerbetreibende, deren Kunden jetzt keine Parkplätze mehr finden. "Für mich ist das wirklich ein Problem", sagt Handwerksmeister Jens Giessen von der Kunsthandlung Julius Giessen. "Ich muss den Lieferanten sagen, dass sie sich weiter vorne auf den Bürgersteig stellen sollen. Oder, wenn dieser Platz belegt ist, vor der Einfahrt zum Hotel." Denn die Materialien, die er für seine Bilderrahmen benötigt, sind schwer: Glasscheiben im Format 130 mal 80 Zentimeter, Rahmenleisten mit drei Metern Länge.

Frankfurter Kunsthändler: Parken geht nur noch illegal

Manchmal, wenn ein großes Bild angeliefert wird - drei Meter lang, zwei Meter hoch-, kann man Kunden nicht zumuten, ihre Bilder so weit zu tragen. "Seit der neue Radweg da ist, gibt es nur noch die beiden illegalen Möglichkeiten der Anlieferung", ärgert sich Giessen.

Der Handwerksmeister ist kein Einzelfall. Viele Einzelhändler, Dienstleister und Handwerker kritisieren derzeit das Radwege-Konzept. Auch Ulrich Caspar und Susanne Haus üben Kritik. Der Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) und die Präsidentin der Handwerkskammer (HWK) haben gestern in Giessens Kunsthandlung eingeladen. Etliche Frankfurter Geschäftsleute waren anwesend - darunter Goran Djukic, Inhaber von "Liebesdienste" im Oeder Weg. Auch dort soll ein Radweg entstehen, sollen Autos verdrängt und Parkplätze entfernt werden. "Wie soll das denn werden, wenn der Weg nur von einer Richtung befahrbar ist und alle durch die umliegenden Wohnstraßen fahren?", fragt Djukic. Die IHK und HWK fordern, dass alle Beteiligten an einen Tisch kommen, um ihre Interessen abzustimmen. "Die Stadt lebt ja auch von ihren Geschäftsleuten, ihrem Einzelhandel", sagt Caspar. Dies müsse bei den Planungen doch berücksichtigt werden.

Frankfurter HWK-Präsidentin: "So produziert man Staus"

Susanne Haus stimmt zu: "Im Gesamtverkehrsplan müssen alle berücksichtigt werden, auch Handwerker." Der Ausbau von Radwegen sei sinnvoll, aber nicht um jeden Preis an jedem Ort. Beispielsweise in der Bockenheimer Landstraße: "Dort sieht man", so Haus, "fast immer auf einer der drei Fahrspuren einen Lieferanten stehen. Das ist aber kein Problem, weil es drei Fahrspuren gibt." Und Radwege gebe es auch, für jede Fahrtrichtung einen. Um nun aber diese Radwege zu verbreitern, soll eine der drei Autospuren wegfallen: "So produziert man Staus", sagt die Präsidentin. Zumal Radfahrer an jeder Kreuzung eigene Ampeln hätten und prompt zwischen abbiegende Autos geraten. "Viel sicherer wäre es für Radler auf dem parallel verlaufenden Kettenhofweg", so Caspar.

Die HWK und IHK hätten der Stadt ein Positionspapier unterbreitet, doch es finde bei Verkehrsdezernenten Klaus Oesterling (SPD) keine Beachtung. Die Wirtschaft sei nicht gegen Radwege, doch müsse man alle Verkehrsteilnehmer berücksichtigen. Der Wegfall von Parkplätzen habe eben enorme Folgen, verursache auch Staus und halte Kundschaft von Frankfurt fern.

Frankfurter Einzelhändler: Autofeindliche Politik vergrault Kundschaft

Djukic sagt: "40 Prozent meiner Kunden kommen nicht aus Frankfurt. Und sie kommen oft mit dem Auto, weil sie bei uns beispielsweise Möbel kaufen." Da sei die autofeindliche Politik der Stadt Gift. "Und ich will nicht auf dem Land neu eröffnen, ich will im Oeder Weg bleiben."

Neben dem Oeder Weg und der Bockenheimer Landstraße plant das Verkehrsdezernat weitere Radwege, unter anderem im Grüneburgweg. Auch dort sieht Ulrich Caspar große Probleme auf die Geschäftsleute zukommen.

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