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Freuen sich über das Gelingen ihrer zweiten Arbeit: Annelie Wagner und Christopher Tauber.

Literatur

Frankfurter Geschichte als Comic: Zweiter Band der Reihe erschienen

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Historische Comics fürs Junge Museum erfinden, das setzen Christopher Tauber und Annelie Wagner um. Jetzt geht es mit „Heraus aus der Finsternis“ 100 Jahre zurück.

Frankfurt - Die Story führt 100 Jahre zurück. Vier Mädchen aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten erleben 1918 / 19 in Frankfurt den Kampf der Frauen um ihre Rechte und setzen sich selbst gegen Jungenbanden durch. „Eine Abenteuergeschichte“, nennt Autor Christopher Tauber sein Werk, zu dem Annelie Wagner die Bilder kreierte. Das Comic „Heraus aus der Finsternis“ ist die zweite Zusammenarbeit der beiden für das Junge Museum. Und sie hat erneut gut funktioniert. Die am Main lebenden Hessen treffen sich auf einer Ebene, weil beide wissen, wie man in Zeichnungen erzählt.

Tauber ist bekannt dafür, die berühmten „drei ???“ in eine neue Form gegossen zu haben. Bei den Graphic Novels zu den Jugendkrimis als Illustrator tätig, mangelte es dem heute 39-Jährigen an Kapazitäten, als sich die Möglichkeit ergab, im Auftrag des ehemaligen Kindermuseums historische Comics zu erfinden. Doch die Idee reizte ihn, und um zumindest für die Ausarbeitung des Plots den Kopf frei zu haben, heuerte er für die Abbildungen seine Kollegin an. Für die jetzt 33-Jährige war „Das größte Fest der Welt“ über die Kaiserkrönung 1742 der Auftaktband der Serie, das erste Comic für Geld. Zuvor hatte die studierte Kommunikationsdesignerin nur „private Projekte“ und im Internet veröffentlicht.

Die Vorbereitung auf die Fortsetzung lief anders als die vor der Premiere. Damals seien durch das im Fokus stehende Ereignis Ort und Rahmenhandlung schwerpunktmäßig vorgegeben gewesen, erklärt Tauber. Diesmal konnte er sich noch größere Freiheiten als sowieso schon erlauben.

Mädchen begeistert

Um zu verstehen, was die Jugend an der damaligen Reformbewegung interessieren könnte, hatte der auch als Leiter des Zwerchfell Verlages tätige Künstler Workshops in Schulen veranstaltet, bei denen sich vor allem Mädchen auf das Thema „gestürzt“ hätten. Sie spielen auch die Hauptrollen in dem Comic, und doch glauben die Verfasser, Jungen ebenfalls dafür begeistern zu können. Die Hoffnung nährt, dass die Bildergeschichten„per se eine Dynamik haben“ und „schneller und leichter zu konsumieren sind“ als andere Lesestoffe, sagt Tauber. Das vermag auch die anzuziehen und zu interessieren, die keine Bücherwürmer sind.

Ein Gefühl für die Zeit

Wagner hat schon beim Entwurf des Covers darauf geachtet, nicht die typisch weiblichen Klischees zu bedienen. Ebenso viel Mühe wie in die Ausarbeitung der Charaktere steckte die gebürtige Wiesbadenerin in die sie umgebende Bilderwelt. Sie soll die vorgesehenen acht- bis zwölfjährigen Leser in doppelter Hinsicht in die Geschichte hineinziehen. Um das frühere Frankfurt möglichst originalgetreu wiederauferstehen zu lassen, klapperten Tauber und Wagner die Schauplätze ab und stöberten im vom Museum zur Verfügung gestellten Material sowie im Stadtarchiv auch nach kleinen Dingen wie Symbolen und Aufschriften, die damals in den Straßen zu finden waren.

„Die Kinder sollen ein Gefühl für die Zeit bekommen“, erklärt der Verleger. Die überwiegend in blassen Erdtönen gehaltene Farbgestaltung hat aber noch einen anderen Grund. Wagner wollte den Fokus auf die Emotionen legen. Einzelporträts haben oft einen blauen oder roten Hintergrund und fallen damit besonders auf.

Etwa ein dreiviertel Jahr Arbeit steckt in den insgesamt 46 Seiten. „Die Recherche hat relativ lange gedauert“, Tauber hätte sich etwas mehr Zeit gewünscht. Auch ein dritter Teil sei schon intensiv in der Mache, dann wird es um die Nationalversammlung 1848 in der Paulskirche gehen. Der Erscheinungstermin soll zur Buchmesse im Oktober passen.

Lesung am Samstag Autor Christopher Tauber und Zeichnerin Annelie Wagner stellen ihr Comic „Heraus aus der Finsternis“ heute, Samstag, 26. 14 Uhr, im Jungen Museum, Saalgasse 1, vor.

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