Alles wird dokumentiert: Noch immer sind im Gesundheitsamt 240 Menschen mit der Kontaktnachverfolgung von Frankfurtern, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben, beschäftigt. Deshalb liegen viele originären Aufgaben des Gesundheitsamts nach wie vor brach. FOTO: Christoph Boeckheler
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Alles wird dokumentiert: Noch immer sind im Gesundheitsamt 240 Menschen mit der Kontaktnachverfolgung von Frankfurtern, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben, beschäftigt. Deshalb liegen viele originären Aufgaben des Gesundheitsamts nach wie vor brach.

Corona-Folgen

Frankfurter Gesundheitsamt arbeitet weiter am Limit

  • Julia Lorenz
    VonJulia Lorenz
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240 Mitarbeiter sind in Frankfurt mit der Kontaktnachverfolgung von Corona-Infizierten beschäftigt. Vieles andere bleibt liegen.

Frankfurt -Nach 19 Monaten Pandemie und drei Corona-Wellen sind die Gesundheitsämter - auch das in Frankfurt - immer noch am Limit. Denn die Mitarbeiter dort sind es, die die Kontakte von Corona-Infizierten nachverfolgen. Sie telefonieren und dokumentieren. Den ganzen Tag. Mit gravierenden Folgen: Nach wie vor können viele der eigentlichen Aufgaben des Gesundheitsamts nicht vollumfänglich oder gar nicht angeboten werden.

Dies geht aus einer schriftlichen Antwort von Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne) an die Stadtverordnete Daniela Mehler-Würzbach (Die Linke) hervor. Diese wollte vom Magistrat der Stadt wissen, wie viele Mitarbeiter im Gesundheitsamt derzeit mit der Kontaktnachverfolgung von Corona-Erkrankten beschäftigt sind und welche Auswirkungen dies hat.

Infizierte können Kontaktpersonen selbst informieren

Immerhin: Jüngst hat das Robert-Koch-Institut (RKI) die Gesundheitsämter der Republik darüber informiert, dass die Abfrage und Information der Kontaktpersonen positiv Getesteter nicht zwingend durch das Gesundheitsamt erfolgen muss. Dies könnten auch die Infizierten selbst tun. "Die Information der engen Kontaktpersonen über ihre Quarantäne, die Übertragungsrisiken und das Krankheitsbild kann gegebenenfalls delegiert werden (beispielsweise kann der Fall die ihm bekannten engen Kontakte umgehend informieren)", heißt es dazu auf der Internetseite des RKI. Nach Ansicht des Frankfurter Gesundheitsdezernenten bedeutet dies, dass die Mitarbeiter des Gesundheitsamts priorisiert Situationen mit hohem Übertragungsrisiko (Superspreading-Events) respektive mit Beteiligung von Personen mit erhöhtem Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf nachverfolgen müssen.

101 externe Kräfte unterstützen das Frankfurter Amt

Nichtsdestotrotz sind in Frankfurt aktuell 240 Mitarbeiter in der Pandemiebekämpfung gebunden, wie Majer weiter mitteilt. Davon gehören 113 Mitarbeiter dem Gesundheitsamt an, 15 Mitarbeiter sind aus anderen städtischen Ämtern und Betrieben abgezogen worden. Hinzu kommen elf Auszubildende für den Beruf des Verwaltungsfachangestellten und 101 externe Unterstützungskräfte.

"Das externe Personal wird über die unterschiedlichsten Kanäle rekrutiert", so Majer. Aktuell sind im Gesundheitsamt ein Mitarbeiter aus der Landesverwaltung sowie einer von der Deutschen Nationalbibliothek unterstützend tätig. 25 Personen sind befristet beschäftigte Mitarbeiter des Bundesverwaltungsamtes, eine Initiative des Robert-Koch-Instituts. Zudem helfen 42 Studenten, elf Zeitarbeitskräfte der Firma Campusservice sowie 21 Soldaten der Bundeswehr aus (Stand: 17. September).

Dienstleistungen in Frankfurt derzeit Fehlanzeige

Trotz der personellen Verstärkung des Gesundheitsamts seien "nahezu alle originären Angebote und Dienstleistungen" des Gesundheitsamts durch die andauernde Corona-Pandemie "eingeschränkt bis aufgehoben". "Eine Bewertung der Priorisierung essenzieller Aufgaben findet regelmäßig wöchentlich statt, immer auf der Basis der dann vorherrschenden Lagesituation", so Majer.

Derzeit finden beispielsweise die Schuleingangsuntersuchungen weiterhin nur eingeschränkt und anlassbezogen statt, wie eine Sprecherin des Gesundheitsamts auf Anfrage dieser Zeitung mitteilt. Gleiches gelte für das zahnmedizinische Angebot in Kitas und Schulen sowie für viele andere Routineaufgaben in Kitas, Schulen und Altenpflegeheimen. Öffentliche Veranstaltungen und Informationsabende im Gesundheitsamt gebe es aktuell gar keine.

Seit Beginn der Pandamie starben in Frankfurt 849 Menschen

Im Hinblick auf die übrige Stadtverwaltung seien nach Kenntnis des Personal- und Organisationsamtes die Angebote und Dienstleistungen der anderen städtischen Ämter und Betriebe aufgrund der Bereitstellung von Personal aber nicht eingeschränkt.

In Frankfurt lag die Sieben-Tage-Inzidenz gestern bei 86,9. Derzeit werden 29 mit dem Coronavirus infizierte Patienten auf den Intensivstationen der Krankenhäuser im Stadtgebiet behandelt, 13 von ihnen müssen invasiv beatmet werden. Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie sind 48 090 Frankfurter positiv auf das Virus getestet worden, 849 Menschen sind gestorben.

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