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So grün war Frankfurt noch nie: Jubel und Begeisterung bei den Grünen, als die erste Hochrechnung bekanntgegeben wurde. Um 18 Uhr hatten sie im Land gut 20 Prozent der Stimmen geholt, in Frankfurt war es nach Auszählung der ersten Wahlkreise sogar jeder Vierte, der Grün gewählt hat.

Rekordhoch

Frankfurter Grüne im Freudentaumel

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26,1 Prozent* und zwei Direktmandate – die Frankfurter Grünen hatten gestern Abend allen Grund zum Feiern. Sozial- und Christdemokraten bemühten sich um Fassung. Beide büßten verglichen mit der Landtagswahl 2013 rund 10 Prozent ein.

Ein wenig wirkt es, als könnten es die Grünen selbst kaum glauben. Gerade haben sie ein historisches Ergebnis eingefahren: Jeder vierte Frankfurter Wähler hat sein Kreuzchen bei der Ökopartei gesetzt. Von derlei Werten konnten die Grünen in der Mainmetropole bislang nur träumen. 2013 holten sie in der Stadt 16,7 Prozent der Stimmen, im Land 11,1 Prozent. „Hätte man mir vor sechs Wochen 16 Prozent in Hessen angeboten, ich hätte eingeschlagen“, sagt Bastian Bergerhoff, Vorstandssprecher der Frankfurter Grünen.

Bescheiden gibt sich auch Manuel Stock, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Römer: „Wenn wir ein Direktmandat erringen würden, wäre das ein grandioses Ergebnis“, sagt er noch um 19 Uhr, nicht ahnend, dass sich seine Partei am Ende dieses Wahlabends über zwei Frankfurter Direktmandate wird freuen können. Nicht nur Marcus Bocklet, der schon vor fünf Jahren respektable 24 Prozent der Erststimmen holte, hat den Wahlkreis 38 mit 35,3 Prozent* für sich entschieden, auch Miriam Dahlke zieht im Wahlkreis 35 überraschend mit 24,5 Prozent* direkt in den Landtag ein.

Von CDU und SPD ist im Römer zunächst nicht viel zu sehen. Um 19.15 Uhr schließlich wagen sich die Christdemokraten aus der Deckung. Die ersten Hochrechnungen haben sie gemeinsam im Bürgermeisterbüro von Kämmerer Uwe Becker über sich ergehen lassen. Dann schreiten sie gemeinsam die geschwungene Treppe herunter. „Es hätte schlimmer kommen können“, zuckt Michael zu Löwenstein, Fraktionsvorsitzender der Römer-CDU, mit den Schultern. „Es ist doch deutlich, dass es an Berlin liegt.“

Das sagt selbst einer, der Teil ist der Berliner Politik: „Das Wahlergebnis ist eine deutliche Mahnung an die große Koalition, ihre Arbeit zu verbessern“, urteilt der Frankfurter CDU-Bundestagsabgeordnete Matthias Zimmer.

„Wenn man an die unsäglichen Diskussionen um Maaßen und um das Dieselfahrverbot denkt, sind wir noch gut davon gekommen“, urteilt der Frankfurter CDU-Chef Jan Schneider. Auch sei es der CDU gelungen, in den Wochen unmittelbar vor der Wahl noch einmal Boden gutzumachen. „Wir haben uns im Strudel der Berliner Ereignisse nach oben gekämpft.“

Trotzdem müssen die Direktkandidaten der CDU um ihre Sitze im Wiesbadener Landtag bangen, allein Wissenschaftsminister Boris Rhein hat in seinem Wahlkreis schon früh einen komfortablen Vorsprung. Seine Parteifreunde Uwe Serke, Michael Boddenberg, Ralf-Norbert Bartelt und Veljko Vuksanovic liefern sich lange Zeit Kopf-an-Kopf-Rennen mit den Kandidaten von Grünen und SPD. Für Bodo Pfaff-Greifenhagen indes ist die Sache schnell klar. Er muss sich schon früh Marcus Bocklet geschlagen geben, Vuksanovic scheitert am Ende ebenfalls.

Bitter ist der Abend auch für die Frankfurter Sozialdemokraten, dabei ist es noch gar nicht lange her, da standen sie genau hier, im Römer, und feierten den triumphalen Sieg ihres Oberbürgermeisters Peter Feldmann, der bei der Stichwahl am 11. März 70,8 Prozent holte. Nun hat nicht mal jeder fünfte Frankfurter für die SPD gestimmt. „Wir haben schon mal mehr gelacht“, konstatiert denn auch Eugen Emmerling, stellvertretender Vorsitzender der Frankfurter SPD.

„Das ist ein Ergebnis, das man nicht schönreden kann und auch nicht schönreden möchte“, erklärt Frankfurts SPD-Vorsitzender Mike Josef. Überrascht habe es ihn nicht. „Wir haben im Straßenwahlkampf ganz oft gehört: Die SPD ist wegen ihrer Politik in Berlin unwählbar geworden.“

Die Frankfurter SPD-Bundestagsabgeordnete Ulli Nissen ärgert sich vor allem über das gute Abschneiden der Grünen: „Die haben in Hessen so eine schlechte Baupolitik gemacht.“

Annette Rinn, Fraktionsvorsitzende der Römer-FDP, freut sich, dass die Liberalen im Land, aber auch in Frankfurt leicht zulegen konnten. Für ihre Parteifreunde in Wiesbaden hat sie einen Rat: „Wenn es knapp für Schwarz-Grün reicht, würde ich dringend davon abraten, dass die FDP mitregiert.“ Damit hätten die Liberalen in Frankfurt schlechte Erfahrungen gemacht, erklärt Rinn.

Die Wahlbeteiligung lag in Frankfurt bei 63,9 Prozent*. Das sind etwas mehr als 2009 (59,4 Prozent). 2013 gingen gar 70,6 Prozent zur Urne, damals war zeitgleich aber auch Bundestagswahl.

*Zahlen: Stand 23.42 Uhr, 473 von 490 Wahlbezirken ausgezählt.

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