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Im Gehege zu beobachten

So süß sind die Tierbabys im Frankfurter Zoo

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Frühlingszeit ist im Frankfurter Zoo auch Tierbaby-Zeit. Viele Jungtiere sind gerade in den Gehegen zu beobachten. Wir haben die süßesten Tierbabys vor die Linse gelockt. 

Frankfurt - Mit wackligen Schritten traut sich das Alpaka-Baby zum ersten Mal aus dem geschützten Stall auf das Freigehege. Seine Schritte sind vorsichtig, die dünnen Beinchen schwach und zittrig. Stroh klebt an dem noch feuchten Fell. Erst vor ein bis zwei Stunden muss das Jungtier geboren worden sein. Eine Schulklasse hat es zuerst gesehen und direkt die Tierpfleger gerufen. Auch wenn die Zoo-Mitarbeiter schon viele Geburten gesehen haben – für sie ist so ein Ereignis immer wieder besonders.

„Frühling ist bei uns Jungtier-Zeit“, sagt Sabrina Linn, Säugetier-Kuratorin vom Frankfurter Zoo. Zwischen Februar und April kamen bisher 16 Tierbabys zur Welt. Ein Alpaka, ein Kiwi, elf Zwergziegen, ein Erdmännchen, ein Addax und ein Mara.

Elf putzige Zwergziegen im März geboren – "Wie ein kleiner Kindergarten"

Vor allem im Zwergziegen-Gehege ist durch die vielen Neuzugänge großer Trubel. Die sieben Jungen und vier Mädchen wurden zwischen dem 7. und 14. März geboren. Neugierig erkunden sie seitdem das Gehege, springen auf den Steinen herum und versuchen sich bei den ersten Kampfübungen. „Das ist hier gerade wie ein kleiner Kindergarten“, sagt Linn. Alle Jungtiere stammen von Ziegen-Männchen Hank. Es sind seine ersten Kinder – mit sechs Weibchen. Damit sich die kleinen Zwergziegen langsam an die Zoobesucher gewöhnen können, ist das sonst begehbare Gehege nur für einige Stunden täglich geöffnet – ein Pfleger ist immer mit dabei und passt auf. 

Ein Highlight für den Zoo ist das Kiwi-Baby, welches am 25. März aus seinem Ei schlüpfte. Kiwis sind flugunfähige, nachtaktive Vögel, die eigentlich in den Wäldern Neuseelands leben. Der kleine, noch namenlose Vogel bleibt noch einige Zeit in seiner Aufzugskiste, bevor er in sein Gehege kommt. Kiwi-Weibchen legen ein bis zwei Eier, selten drei. Etwa 13 Zentimeter misst ein Ei und ist damit fast genauso groß wie der komplette Torso der Vögel.

Abgesehen von dem Frankfurter Zoo dürfen nur noch zwei weitere europäische Zoos die gefährdete Art züchten. „Außerhalb von Neuseeland gehörten wir zu den erfolgreichsten Kiwi-Züchtern“, sagt Linn. Die Züchtung ist bei Kiwis nicht immer einfach, denn die Vögel sind monogam. In der Paarungszeit suchen sich die Weibchen immer das gleiche Männchen aus. Sollte ein Männchen mal sterben, geht eine lange Suche nach einem passenden Ersatz los.

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„Wir hatten vor ein paar Jahren so eine Situation, wo das Männchen leider gestorben ist“, sagt Tierpfleger Wilfried Altmann. Das Weibchen habe alle drei vorgesetzten Männchen abgelehnt. Und das nicht gerade auf die feine Art: „Die hat die Männchen verprügelt, mit dem Schnabel auf sie eingehackt und getreten“, sagt Altmann. Da das Weibchen kein Männchen aus dem Frankfurter Zoo wollte, wurde sie in den Berliner Zoo gebracht. Altmann hoffe, dass sie dort einen geeigneten Partner gefunden habe. 

Erdmännchen: Alle Weibchen werden von der Königin unterdrückt – nur sie kann Babys bekommen

Erst seit den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts werden Kiwis in Zoos gehalten, um die Art zu erhalten. Zwischen 40 und 50 Jahre alt können die Vögel werden. Auch bei den Erdmännchen ist eine Frau die Chefin. Ähnlich wie bei Bienen gibt es bei jedem Clan eine Königin. Nur sie kann Babys bekommen. Die anderen Weibchen der Gruppe werden von ihr unterdrückt und dadurch nicht empfängnisbereit. „Durch hormonelle Mechanismen haben sie keinen Eisprung“, sagt Linn. 

Das Erdmännchen-Baby, das gerade durch die Tunnel im Gehege huscht, wurde am 3. Februar geboren und ist derzeit der Mittelpunkt der Gruppe. Alle passen auf es auf. Da bei Erdmännchen viele Verhaltensweisen nicht angeboren sind, muss es diese erst lernen. Die älteren Tiere zeigen ihm zum Beispiel, wie man jagt und wie ihre Kommunikation funktioniert.

Nordafrikanische Antilopen vom Aussterben bedroht – Nachwuchs Anfang Februar geboren

Bei den Addax, den nordafrikanischen Antilopen, geht es dagegen etwas ruhiger zu. Das männliche Jungtier versteckt sich im Stroh hinter einem Baumstamm. Wenn Mama ruft, läuft es mit seinen langen, wackligen Beinen zu ihr rüber. Anfang Februar wurde es geboren. Auch diese Antilopen gehören zu einer fast ausgestorbenen Art.

Das Mara-Jungtier, eine in Argentinien lebende Nagetierart, hat sich bisher selten blicken lassen. Geboren wurde es am 27. Februar. Jungtiere bleiben bei den Maras lange in ihrem Bau. Die Tiere leben wie Kiwis monogam in großen Gruppenverbänden zusammen. Wenn sich ein Männchen ein Weibchen aussucht, wurde schon beobachtet, dass er es mit seinem Urin markiert, um es vor Nebenbuhlern zu schützen. Denn Maras sind nur alle drei bis vier Monate für eine halbe Stunde fruchtbar. Ein möglicher Grund für die Monogamie der Tiere. Das Männchen muss so immer in der Nähe des Weibchens bleiben, um sich zu paaren.

Von Svenja Wallocha

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