So voll wie hier in Vor-Pandemie-Zeiten darf es auf dem Paulsplatz ab Ende März natürlich nicht sein. Dennoch fragt sich mancher Wirt: Wer soll die Gäste testen? Sie sich selbst? Zusätzliches Personal? So oder so: Ohne Regel-Disziplin wird es keine Öffnungen geben. foto: Heike Lyding
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So voll wie hier in Vor-Pandemie-Zeiten darf es auf dem Paulsplatz ab Ende März natürlich nicht sein. Dennoch fragt sich mancher Wirt: Wer soll die Gäste testen? Sie sich selbst? Zusätzliches Personal? So oder so: Ohne Regel-Disziplin wird es keine Öffnungen geben.

Corona-Reaktionen

Frankfurter Hotel-Chefin zu Corona-Beschlüssen: "Es macht mich fassungslos"

  • vonMark-Joachim Obert
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PANDEMIE Fassungslos, ratlos, perspektivlos: Reaktionen auf den Bund-Länder-Beschluss

Frankfurt -Die Reaktionen auf die Bund-Länder-Beschlüsse fallen bei den Frankfurtern überwiegend negativ aus. Eher noch hin- und hergerissen ist Thomas Metzmacher, der in Niederursel das Apfelweinlokal "Zum Lahmen Esel" betreibt. Einerseits begrüßt er, dass es "endlich mal einen Fahrplan gibt". Orientiert an den auch im neuen Beschluss maßgeblichen Inzidenzen wüsste immerhin jeder, woran er sei. So können ab dem 22. März Gastwirte mit Garten draußen umstandslos öffnen, vorausgesetzt, die 7-Tage-Inzidenz liegt dann unter 50. Liegt sie zwischen 50 und 100, müssen Gäste einen Termin buchen und einen Schnelltest machen.

Frankfurter Wirt: Wer soll 200 Gäste testen?

Metzmacher kann draußen 200 Leute bewirten. Wer solle die alle testen?, fragt er sich. Dass die Gäste selbst alle Bedingungen eigenverantwortlich erfüllen, bezweifelt der Niederurseler. Und noch etwas treibt ihn um: "Was ist, wenn es regnet oder kalt ist? Da ich drinnen geschlossen bleiben muss, ist die Frage: Bekomme ich dann ebenfalls den Umsatzverlust ersetzt wie zuletzt?"

Der Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Hessen ist enttäuscht vom Beschluss. Die Hotels, die allesamt Hygienekonzepte entwickelt hätten und zumindest nach Einschätzungen auch des Robert-Koch-Instituts (RKI) wohl kein erhöhtes Risiko darstellten, seien kaum erwähnt worden. "Dabei bieten wir mehr Kontrolle als jedes Privattreffen", sagt Dehoga-Hauptgeschäftsführer Julian Wagner. Dieses und andere Argumente nähmen die Politiker in Gesprächen zwar wohlwollend zur Kenntnis, mehr aber auch nicht. "Politische Schockstarre", sagt Wagner dazu. Sabine Gaumann, Vizevorsitzende der Dehoga Frankfurt und Chefin des Hotels Palmenhof, reagierte gestern knapp so: "Dieser Beschluss macht mich fassungslos."

Die Politik klammert sich an die Inzidenz

Der Einzelhandelsverband Hessen vermisst weiterhin eine klare Öffnungsstrategie. "Nun wird vielmehr der Lockdown im Handel fortgeschrieben", sagt Verbandspräsident Jochen Ruths. "Die Inzidenzwerte bleiben weiterhin die absolute Größe für mögliche Öffnungen - gerade das nehmen wir mit großer Verwunderung zur Kenntnis, da die Politik jüngst immer wieder darauf verwiesen hatte, dies nicht mehr zu tun."

Positiv sieht der Verband, dass Geschäfte bis zu einer 7-Tage-Inzidenz von 100 wieder Kunden empfangen dürfen - nach vorheriger Terminvereinbarung. Modedesignerin Christiane Wegner, die in Sachsenhausen eine Schneiderei mit Atelier betreibt, wundert sich dennoch darüber, dass die Einschätzung des RKI nicht berücksichtigt worden ist. Auch im Einzelhandel hatte das RKI unlängst die Gefährdung als gering eingestuft.

Wegner durfte als Schneiderin während des Lockdowns schon Einzeltermine vergeben, nur würden die "nicht rasend nachgefragt". Die Verunsicherung in der Bevölkerung sei mittlerweile so groß, dass viele Leute den Geschäften aus Sorge fernbleiben würden, fürchtet sie.

Frankfurter Sportkreis-Vorsitzender: "Mich macht das nur noch wütend"

Den Frankfurter Sportkreisvorsitzenden Roland Frischkorn (SPD) wundert die allgemeine Verunsicherung nicht. Weil es keine Studien über Infektionsrisiken gebe, seien auch die neuen Beschlüsse widersprüchlich. "Mich macht das nur noch wütend", sagt Frischkorn. Schulsport sei glücklicherweise erlaubt, aber Vereinssport selbst mit Hygienekonzepten nicht. "Das versteht niemand mehr." Immer mehr Kinder träten aus den Vereinen aus, Übungsleiter gingen verloren - und die Politik klammere sich unverändert an Inzidenzen. Für den Sport bedeutet das laut Beschluss: Steigt die 7-Tage-Inzidenz in Frankfurt über 100, ist in den Vereinen wieder Schluss. "Irrsinn", sagt Frischkorn, "denn wenn wir mehr testen, finden wir mehr Positive, dann muss ja die Inzidenz steigen".

Das befürchtet auch Sabine Imhof, Chefin des Filmforums Höchst. Der neue Plan aus Berlin lässt sie vorerst ratlos zurück. Ab 22. März dürfen Kinos wieder Filme zeigen - bei einer 7-Tage-Inzidenz unter 100. "Soll ich jetzt riskieren, Filme zu bestellen und Programme zu drucken, um dann am 23. März wieder nicht öffnen zu können?", fragt sich Imhof. Bernd Loebe, Intendant der Oper Frankfurt, setzt ganz viele Fragezeichen: Wer testet das Publikum wie? Wie sollen Musiker und Sänger proben? Oper in Homeoffice sei nun mal unmöglich. Immerhin, so Intendant Loebe, sei die Kultur dieses Mal "mitgedacht" worden.

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