Die drei von der Festhalle: Leni (10), Laura (12) und Erika Mader haben das Impfzentrum nachgebaut.
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Die drei von der Festhalle: Leni (10), Laura (12) und Erika Mader haben das Impfzentrum nachgebaut.

Springturnier und Eisshow in Arbeit

Leidenschaft für Frankfurt: Frau baut berühmte Gebäude detailgetreu aus Lego-Steinen nach

  • vonSabine Schramek
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Aus fast 30 000 Lego-Steinen bauen eine 72-Jährige und ihre Nichten die Frankfurter Festhalle nach. Nach dem Impfzentrum kommen Springturnier und Eisshow in den Innenraum.

Frankfurt – Seit nunmehr schon 12 Jahren sorgt Erika Mader für Gesprächsstoff. Jedes Jahr baut sie detailgenau Frankfurter Bauwerke mit aktuellem Bezug aus unzähligen Lego-Steinen nach. Gemeinsam mit ihren beiden Großnichten hat sie sich jetzt die Festhalle vorgenommen.

Erika Mader (72) hat nicht nur bereits ihre erste Corona-Impfung in der Frankfurter Festhalle bekommen. Sie hat die Festhalle inklusive Impfzentrum auch zu Hause. Detailgetreu aus Lego-Steinen. Mit Impfkabinen, Rollstühlen, Ärzten und Patienten mit Masken, Liegen, Desinfektionsmittel und allem, was dazu gehört. Sogar blaue Mini-Spritzen für Biontech und grüne für AstraZeneca sind unter der offenen Kuppel des neuen Kunstwerks zu sehen.

Corona-Impfzentrum im Mini-Format: 72-Jährige baut Frankfurter Festhalle aus Lego-Steinen

Maders grüne Augen strahlen, wie die von einem Kind unter dem Weihnachtsbaum. Sie strahlt nicht nur, weil der Bau so knifflig war und gelungen ist, sondern auch, weil ihre Großnichten Leni (10) und Laura (12) aus Tübingen zu Besuch sind und ebenfalls völlig Lego-begeistert sind. "Das Impfzentrum kann sogar ausgetauscht werden, weil Leni das Festhallenturnier gebaut hat und Laura die 'Eisprinzessin'." Auf Lenis Platten springen Pferde über Oxer und stehen im Dressurviereck vor Publikum.

Die verschiedenen Events sind noch nicht ganz fertig. Aus Dutzenden von Kisten suchen die drei Erbauerinnen passende Teile, um sie so echt wie möglich aussehen zu lassen. Sie drücken Kacheln auf die Steckplatten, basteln Masken und setzen sie den Figuren auf, bauen Zuschauertribünen und Mini-Details. Auf dem Bügelbrett stehen schmale Steine in allen Farben. Fotos helfen bei der Konstruktion der Szenen. Mader hatte sich vor 12 Jahren zu ihrem 60. Geburtstag Lego-Steine gewünscht. Als Kind durfte sie mit ihren fünf Geschwistern zusammen mit den Stecklingen bauen, "aber ich hatte keine eigenen Steine", sagt sie. "Zum 60. Geburtstag habe ich eine Kiste Lego vom Flohmarkt bekommen und seither wird es immer mehr."

Vernissage entfällt wegen Corona: Jedes Jahr andere Bauwerke in Frankfurt aus Lego

Jedes Jahr entwirft sie seither mit ihrem Bruder Karli das Konzept für ein Bauwerk in Frankfurt. Ob Paulskirche, Messeturm, Opernplatz, Uni-Campus, Waldstadion oder Hauptbahnhof – alles ist dabei und immer passend zu einem aktuellen Thema. Mehr als 100 000 Steine hat sie bereits in ihren vielen Kisten. Penibel wird sortiert und in Excel-Tabellen aufgelistet, wird geplant, gebastelt und gebaut. Oft Monate lang.

Wenn die Kunstwerke fertig sind, macht Mader – außer in Corona-Zeiten – je eine Vernissage und eine Finissage. "Dazu gibt es Sekt und leckeres Essen." Vergangenes Jahr hat sie in fast drei Monaten die Paulskirche mit ihren Großnichten gebaut – inklusive Oberbürgermeister Peter Feldmann. "Ich habe ihn auf die Terrasse eingeladen, sich das fertige Werk anzusehen, aber er hat nicht geantwortet", so Mader ein bisschen enttäuscht.

Zur Frankfurter Festhalle aus Lego soll es ein Buch geben mit allen Zahlen, Fakten und Fotos

27 636 Legoteile hatten sie auf einer Fläche von 140 x 65 Zentimetern verbaut bis in eine Höhe von 110 Zentimetern. "Die war ganz schön schwer mit 36 Kilo", erzählt sie. Leni und Laura lachen. "Wenn wir bei der Festhalle alles später zusammenrechnen, wird es noch viel mehr", ist sich Laura sicher.

Die drei sind stolz und haben jede Menge Spaß. Während des Baus gibt es viele Fotos, weil nach der Finissage alles wieder auseinander gebaut, sortiert und gezählt wird. "Das Zählen übernimmt mein Bruder", so Mader. Gleichzeitig gestalten sie je ein Buch zum Projekt. Mit allen Zahlen und Fakten, Fotos und Text zu den Ideen.

Sieben Pferde fehlen noch für den Lego-Nachbau der Frankfurter Festhalle

Bis die Festhalle ganz fertig ist, dauert es noch ein bisschen, weil es gleich drei Themen auf Platten zum Wechseln gibt. "Ein bisschen Vergangenheit, ein bisschen Zukunft und eben die Gegenwart. Wer hätte je gedacht, dass es hier statt Veranstaltungen und Konzerten jemals ein Impfzentrum geben wird", sagt Mader. Als sie geimpft wurde, war sie so beeindruckt von der Logistik und dem Ablauf, dass sie gar nicht anders konnte, als es nachzubauen.

Für die Bühnen der Mädchen hat sie vieles nachbestellt. "Sieben Pferde fehlen noch", sagt Lina aufgeregt. Jeden Sommer darf sie zu Hause eine Woche lang reiten gehen. Laura ist vollauf mit dem eisigen Kachelboden in weiß, blau und blau-schimmernd beschäftigt. "Das sind so viele Steine und ein bisschen improvisieren musste ich auch. Darum sind jetzt noch die schmalen durchsichtig blauen Steine mit drin." Die meiste Zeit bestaunen sie allerdings das Impfzentrum. Jede Kabinentür lässt sich öffnen, auf den Liegen sind Patienten und vor ihnen Ärzte, die sie gleich impfen.

Frankfurter Festhalle fast fertig: Lego-Baumeisterinnen schmieden schon Pläne für nächste Projekte

Wie lange es dauert, bis es ganz fertig ist, weiß Mader noch nicht. Immer wieder fällt ihr ein neues Detail ein und auch an der Kuppel will sie noch einiges bauen. Für nächstes Jahr gibt es noch keinen Plan. Mader, Leni und Laura grinsen. "Den schmieden wir, wenn die Festhalle wieder abgebaut sein wird." (Sabine Schramek)

Auch der Frankfurter Thomas Panke – besser bekannt als „Held der Steine“ – macht auf Youtube regelmäßig mit Bauprojekten aus bunten Klemmbausteinen auf sich aufmerksam. Mit dem dänischen Spielzeughersteller Lego ist er dabei schon öfter in Konflikt geraten.

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