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Frankfurt 11.5.2017, In keinem anderen Stadtteil treffen so viele Architekturstile aus den unterschiedlichsten Epochen aufeinander. Besonders deutlich wird dies bei einem Blick von der Dachterrasse der Galeria Kaufhof. Die Barocke Katharinenkriche steht in trauter Eintracht neben der Hauptwache aus dem frühen 18. Jahrhundert und den vielen Wolkenkratzern. Doch nicht nur architektonisch ist der Bereich ein Schmelztiegel: Die Hauptwache ist der Stadtmittelpunkt und vermutlich der bekannteste Platz Frankfurts. Der mittlerweile vielfach als Bausünde bezeichnete Eingang zu B-Ebene soll wieder geschlossen werden und die dann entstehende Freifläche Vorkriegsnamen ?Schillerplatz? zurückerlangen.

Stadtteil-Serie (Teil 20)

Die Frankfurter Innenstadt: Das kleine Herz

Die Gründung der Neustadt lässt sich auf das Jahr 1333 datieren, als Kaiser Ludwig der Bayer der Freien Reichsstadt Frankfurt die Erweiterung ihrer Fläche genehmigte. Das Gebiet der heutigen Innenstadt lag außerhalb der Stadtmauern, und trotz der ungeschützten Lage wurde bereits fleißig gebaut. So entstand nördlich der ummauerten Stadt an einer als Viehmarkt genutzten Fläche eine Häuserzeile – die Geburtsstunde der Zeil.

Die Gründung der Neustadt lässt sich auf das Jahr 1333 datieren, als Kaiser Ludwig der Bayer der Freien Reichsstadt Frankfurt die Erweiterung ihrer Fläche genehmigte. Das Gebiet der heutigen Innenstadt lag außerhalb der Stadtmauern, und trotz der ungeschützten Lage wurde bereits fleißig gebaut. So entstand nördlich der ummauerten Stadt an einer als Viehmarkt genutzten Fläche eine Häuserzeile – die Geburtsstunde der Zeil.

Heute ist die Innenstadt der zentrale Stadtteil der Mainmetropole, gehört aber zugleich zu den kleinsten – sowohl flächenmäßig als auch von der Einwohnerzahl. Obwohl gerade einmal 1,5 Quadratkilometer groß, besitzt das Viertel ganz unterschiedliche Quartiere, die für eine große Vielfalt sorgen.

Nicht nur optisch mit der Skyline, sondern auch wirtschaftlich prägend ist das Bankenviertel, das allerdings auch in das Bahnhofsviertel und Westend hineinreicht. Viele Kreditinstitute in der Innenstadt liegen im Bereich der Neuen Mainzer Straße, die mit ihrer Häuserschlucht an US-amerikanische Großstädte erinnert. Eher kulturell und gastronomisch verwurzelt ist die Gegend um die Alte Oper mit der Freßgass. Dazu kommt noch mit der Goethestraße die teuerste Einkaufsstraße der Stadt.

Weniger teuer und noch bekannter ist das Areal um den verkehrsberuhigten Teil der Zeil zwischen Hauptwache und Konstablerwache. In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich in der Nähe der Alten Gasse das Zentrum der schwul-lesbischen Gemeinde. Das Gerichtsviertel verdankt seinen Namen den dort ansässigen Gerichten. Dort befinden sich aber nicht nur Justizbehörden, sondern auch Berufsschulen, Clubs und das international bekannte Varieté Tigerpalast.

Das Sorgenkind ist die Gegend um das Allerheiligentor. Das kleine, ethnisch bunte Quartier liegt zwischen Zeil und Battonnstraße. Architektonisch dem Bahnhofsviertel recht ähnlich, ist es Frankfurts zweites Rotlichtviertel. Dazu kommt die seit Jahren ausufernde Drogenkriminalität. Polizei und Teile der Politik möchten mit einem umfassenden Konzept, das auf intensive Kameraüberwachung setzt, die Probleme in den Griff bekommen. Für Debatten ist reichlich gesorgt.

FNP-Reporter und -Fotograf Michael Faust hat sich in der Innenstadt umgesehen.

Im Gerichtsviertel in der östlichen Innenstadt befinden sich Amts-, Land- und Oberlandesgericht sowie die Staatsanwaltschaft und weitere Institutionen wie  der Hessische Anwaltsgerichtshof.

Bestrebungen, die Gerichte umzusiedeln, wurden wegen Einwänden der Bürger verworfen. Allerdings ist eine Nachverdichtung mittel- und langfristig zu erwarten.

Das wirtschaftliche Herz der Stadt schlägt in der Wertpapierbörse, dem Arbeitsplatz von Oliver Roth. Er arbeitet als sogenannter Spezialist für das Bankhaus Oddo Seydler. „Zu meinem Tätigkeitsbereich gehört es, den Aktienhandel für Privatanleger sicherzustellen, indem ich für stabile Preise sorge, damit die Investoren zwölf Stunden handeln können.“

Die Arbeit des 49-Jährigen hat sich in den letzten 28 Jahren stark verändert. „Der Handel ist technischer und anonymer geworden.“ Noch immer sind die Relikte aus früheren Tagen in abgelegenen Bereichen des Hauses zu erkennen: Kleine, nur einen Quadratmeter große Kabinen mit etlichen Telefonen und ihren meterlangen Kabeln wirken geradezu archaisch.

In keinem anderen Stadtteil treffen so viele Architekturstile aus den unterschiedlichsten Epochen aufeinander. Besonders deutlich wird dies bei einem Blick von der Dachterrasse der Galeria Kaufhof. Die barocke Katharinenkirche steht in trauter Eintracht neben der Hauptwache aus dem frühen 18. Jahrhundert und den vielen Wolkenkratzern.

Doch nicht nur architektonisch ist die City ein Schmelztiegel: Die Hauptwache ist der vielfältig genutzte Stadtmittelpunkt und vermutlich der bekannteste Platz Frankfurts. Der mittlerweile vielfach als Bausünde bezeichnete Eingang zur B-Ebene soll wieder geschlossen werden und die dann entstehende Freifläche den Vorkriegsnamen „Schillerplatz“ zurückerlangen.

Zwischen Bleichstraße und Stephanstraße befindet sich die evangelische Peterskirche und der zugehörige Kirchhof. Vom 15. Jahrhundert bis zum frühen 19. Jahrhundert wurde er als Begräbnisstätte genutzt.

Matthäus Merian, Johann Friedrich Städel und Goethes Vater Johann Caspar Goethe (1782) sind unter den Toten, die ihre letzte Ruhestätte dort gefunden haben. Derzeit steht die Grunderneuerung des Areals unmittelbar vor dem Abschluss.

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Unvergessen ist der Vorschlag Rudi Arndts (SPD), die durch den Zweiten Weltkrieg schwer beschädigte Alte Oper „mit ein wenig Dynamit“ zu sprengen, um so Platz für einen Verwaltungsbau zu schaffen.

Mehrere Bürgerinitiativen engagierten sich für den Erhalt und auch die Sanierung des Hauses aus dem 19. Jahrhundert, das heute einen weltweit renommierten Konzertsaal beherbergt. Arndts Vorstoß 1965 brachte ihm den Spitznamen „Dynamit-Rudi“ ein.

Der mittelalterliche Eschenheimer Turm  ist das älteste und zugleich fast komplett im Originalzustand erhaltene Bauwerk der Innenstadt – und somit ihr Wahrzeichen. Die „9“ in der Wetterfahne erinnert noch heute an die Sage des Wilddiebs Hans Winkelsee, der im Jahr 1550 gehängt werden sollte.

Nur eine von ihm in die Wetterfahne geschossene perfekte Neun konnte ihn vor dem Galgen retten. Mit ruhiger Hand gelang ihm das schwierige Kunststück, und er kam frei.

Auf dem erhöhten, unansehnlichen Platz an der Konstablerwache pulsiert nur donnerstags und samstags beim Bauernmarkt Leben. Lore Bäuscher (78), die zu den ersten Beschickern des Marktes im Gründungsjahr 1989 gehörte, hat mit ihren Obst- und Gemüseprodukten großen Anteil daran, sagt aber: „Die Marktbesucher haben sich verändert.

Früher nahmen sich die Menschen Zeit und sind über den Markt flaniert. Heute hetzen sie von Stand zu Stand und schauen ständig auf ihr Handy.“  

Frankfurt war nach dem Zweiten Weltkrieg die deutsche Hauptstadt des Jazz. Einen ganz wesentlichen Anteil daran hatte der Jazzkeller, der 1952 seine Pforten öffnete. Don Ellis, Bill Ramsey, aber auch Big Bands standen in dem kleinen Gewölbe mit der besonderen Akustik schon auf der Bühne und begeisterten die Zuhörer.

Auch wenn die goldene Zeit des Jazz in der Mainmetropole vergangen ist, sorgt Eugen Hahn, der den Club 1986 übernahm, zusammen mit seinem Team für erlesene Konzerte. Unlängst erhielt der Jazzkeller den Spielstättenprogrammpreis „Applaus“ in der höchsten Kategorie für Musikclubs mit mehr als 104 Konzerten im Jahr.

Der in der Obermainanlage liegende Rechneigraben war Teil des mittelalterlichen Wallgrabens. Stank einst sein Löschwasser zum Himmel, ist der Graben heute als denkmalgeschützte Wasserfläche gelistet.

Die Anlage mit alten Bäumen und Denkmälern am Ufer ist eine der wenigen grünen Erholungsgebiete in der Innenstadt.

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