Macht sich nützlich, wo er kann, und hilft regelmäßig im Café Deutschland und in der Kaffeestube der Matthäusgemeinde: Amir Alavijeh (rechts, 33). Ihm droht jetzt, nach fünf Jahren im Land, die Abschiebung.
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Macht sich nützlich, wo er kann, und hilft regelmäßig im Café Deutschland und in der Kaffeestube der Matthäusgemeinde: Amir Alavijeh (rechts, 33). Ihm droht jetzt, nach fünf Jahren im Land, die Abschiebung.

Gallus/Nordend

Frankfurter Kirchengemeinde kämpft für Konvertiten

  • vonGernot Gottwals
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Iranischem Flüchtling droht die Ausweisung, obwohl ihm die Todesstrafe droht.

Am Ende einer langen Flucht aus dem Iran stand Hossein Amir Alavijeh vor fünf Jahren vor dem Eingang der Matthäuskirche. Drei Monate später ließ er sich vom ehemaligen Pfarrer der Hoffnungsgemeinde Lars Kessner taufen und ist immer zur Stelle, wenn in der Hoffnungs-, Petersgemeinde oder der Initiative Café Deutschland eine helfende Hand gesucht wird. Seit kurzem verstärkt er auch das Aufsichtsteam in der Sankt Katharinenkirche.

"Im Iran wurde ich von der Polizei verfolgt, nur weil ich vom Computer meiner Ölfirma Dateien für das Christentum ausdrucken und verteilen wollte", berichtet Alavijeh. Denn in Jesus Christus sieht der 33-jährige Manager seinen Erlöser, der die Menschen in einer Weise annimmt und errettet, die der Islam so nicht kennt. Doch nun droht ihm die baldige Ausweisung, da seine Flucht- und Glaubensgründe vor Gericht als unglaubwürdig zurückgewiesen wurden. Sein Asylantrag wurde somit auch beim zweiten Anlauf abgelehnt.

Todesstrafe könnte drohen

Inzwischen, so erklärt Pfarrerin Heike Seidel-Hoffmann von Café Deutschland, habe Alavijeh zwar eine Verlängerung seiner Duldung bis zum 24. September erhalten und kann bis dahin einen neuen Antrag stellen. "Immerhin ein kleiner Fortschritt", räumt Seidel-Hoffmann ein. Bleibt dieser dritte Anlauf jedoch erfolglos, dann droht die Abschiebung. Und wenn frühere Muslime im Iran als "vom Glauben abgefallen" verurteilt werden, droht ihnen sogar die Todesstrafe.

Und für das Christentum werben dürfen nicht einmal die offiziell anerkannten Minderheiten der assyrischen und armenischen Christen.Daher begannen mit den Dateien auf dem Firmencomputer 2015 auch Alavijehs Probleme in Teheran, nachdem er zunächst Untergrundkirchen kennengelernt hatte: Er wurde beobachtet, der Vorfall bis an die höchste Firmenleitung gemeldet. Bald darauf kam die Polizei, wollte ihn zu Hause verhören, seine Mutter entschuldigte ihn, sagte, er sei im Urlaub. Alavijeh wechselte dann mehrfach den Wohnort im Iran. Als er sich in seinem eigenen Land nicht mehr sicher fühlte, flüchtete er zunächst in die benachbarte Türkei.

"Aber auch dort konnte ich ohne Visum nur eine begrenzte Zeit bleiben", erklärt Alavijeh. Also ging es für den Iraner weiter über Griechenland, Syrien und die Schweiz nach Deutschland, dort über Stuttgart nach Gießen, wo er seinen Antrag beim Bundesamt für Migration (BAMF) stellte. Für seine Schlepper bezahlte Alavijeh einen fünfstelligen Betrag.

Auf die Taufe vorbereitet

Er kam in Einrichtungen in Oberursel, Neu-Isenburg und Niederrad unter. "Und plötzlich war ich am Hauptbahnhof und sah den großen Turm der Matthäuskirche", erinnert sich Alavijeh. Und dann war da der herzliche Empfang durch Lieselotte Bartsch, die gute Seele der Hoffnungsgemeinde. Doch zunächst musste der Iraner an einem dreimonatigem Glaubenskurs teilnehmen, ehe er getauft werden und in die evangelische Kirche eintreten konnte.

Da Alavijeh während seines Asylverfahrens nicht arbeiten konnte, nutzte er die Zeit, engagierte sich im Seniorenkreis, in der Kaffeestube Gutleut und bei der Winterspeisung. Schließlich lernte er die ökumenische Initiative Café Deutschland kennen und hilft seitdem mit. Doch dann kam der erste Rückschlag.

"Alavijehs Asylantrag wurde vor Gericht abgelehnt, da man ihm seine Darstellungen nicht abnehmen wollte, wie er über die Untergrundkirchen im Iran zum christlichen Glauben kam", sagt Seidel-Hoffmann. Zudem stellte sich erst zu diesem Zeitpunkt heraus, dass er durch ein Versehen nicht als Gemeindemitglied bei der Hoffnungsgemeinde gemeldet war. Auch das zweite Verfahren war erfolglos, da Alavijeh an einer Art Glaubensprüfung vor Gericht scheiterte, wie der frühere Pfarrer der Hoffnungsgemeinde Johannes Herrmann erzählt: "Ein Skandal, da spricht man ihm das Christsein ab, weil er in der Aufregung mal nicht die genaue Nummerierung der zehn Gebote kennt." Auch für den "Prüfling", der regelmäßig in die Gottesdienste kommt, ist dieses Verfahren unfassbar. Die einzige Hoffnung sind nun neue Argumente im neuen Antrag- und sei es eine unzumutbare Härte der Rückreise in den Iran wegen der Corona-Pandemie.

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