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Ukraine-Krieg: „Es wird auch uns hart treffen“

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Von: Thomas J. Schmidt

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Anton Peez (29) ist wissenschaftlicher Mitarbeiter des Leibniz-Instituts Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK). FOTO: HSFK
Anton Peez (29) ist wissenschaftlicher Mitarbeiter des Leibniz-Instituts Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK). © HSFK

Der Frankfurter Konfliktforscher Anton Peez ist sich sicher, dass der Ukraine-Krieg gravierende Auswirkungen auf die ganze Welt haben wird.

Frankfurt – Anton Peez (29) ist wissenschaftlicher Mitarbeiter des Leibniz-Instituts Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK) in Frankfurt. Er forscht zu den Auswirkungen von Sanktionen. Redakteur Thomas J. Schmidt hat ihn über die Sanktionen gegen Russland und weitere Folgen des Ukraine-Kriegs für Deutschland und den Rest der Welt befragt.

Wie hart sind die Sanktionen?

Sie gehen weit über alles hinaus, was wir aus der Geschichte kennen - sowohl vom Umfang, als auch von der Geschwindigkeit und der Zusammenarbeit zwischen EU, USA und G7-Staaten her. Die Folgen sind schwer abzusehen, aber sie werden den russischen Staat und Wladimir Putin in jedem Fall hart treffen.

Sie werden auch uns hart treffen.

Davon ist auszugehen. Wie gesagt, viele Folgen dieses Kriegs in der Ukraine sind schwer abzuschätzen. Man nehme die Folgen auf die Produktion von Weizen - die Ukraine gilt als "Europas Kornkammer". Das wird man in der ganzen Welt merken.

Konfliktforscher aus Frankfurt: Russland hat Tempo der Sanktionen nicht erwartet

Putin droht mit Atomwaffen. Ist der Westen zu weit gegangen?

Diese Eskalationsstufe mit Atomwaffen war auch schon 2014 (im Zusammenhang mit der Krim-Annektion durch Russland, Red.) eingeläutet. Die EU sollte sich mit der raschen Umsetzung der Sanktionen befassen, von einer noch weiteren Verschärfung zunächst absehen und erst einmal abwarten, was passiert.

Wurde Putin überrascht von der Reaktion?

Teile des Sanktionspaketes waren sicher eingepreist, aber die Geschwindigkeit war nicht erwartet worden, denn sonst hätte die russische Zentralbank größere Teile ihrer Devisen vorher abgehoben. Dass diese nun eingefroren sind, ist für Russland schwerwiegender als der teilweise Rauswurf aus dem Swift-System.

Was wird China tun?

China wird sich zwar an den Sanktionen nicht beteiligen, kann und will Russland aber auch nicht vollständig von ihren Folgen abschirmen. In Geschäftsbeziehungen sieht man eine vorsichtige Distanzierung Chinas von Russland. China befürchtet sicher auch Sekundärsanktionen. Das Handelsvolumen mit Europa und den USA ist viel größer als mit Russland. Und das möchte die chinesische Regierung sicherlich nicht verlieren.

Der Krieg in der Ukraine wirkt fern – und ist doch näher, als man denkt. In Hessen dürfen nun keine russischen Fernsehsender mehr in Gefängnissen gezeigt werden.

Frankfurt: Sanktionen gegen Russland haben Auswirkungen auf viele Länder

Welche Auswirkungen haben die Sanktionen für den Rest der Welt?

Einen Aspekt des Krieges und auch der Sanktionen möchte ich herausgreifen: Russland und Belarus sind Exporteure für Düngemittel, und das wird Menschen im globalen Süden treffen. Syrien, Bangladesch, Ägypten, Tunesien und andere bekommen bislang Weizen aus der Ukraine und Russland. Der Krieg als Ganzes kann große Auswirkungen auf die globale Ernährungssicherheit haben. Und das kann weitere Auswirkungen haben, man denke an den Arabischen Frühling, der seinen Ausgangspunkt auch bei Protesten gegen steigende Lebensmittelpreise hatte.

Was empfehlen Sie als Friedensforscher der deutschen Politik jetzt?

Für die deutsche Politik gilt, dass über Ziele und Zwecke der Sanktionen gesprochen werden muss. Auch wenn ein Einlenken der russischen Regierung zunächst unwahrscheinlich scheint, muss es eine Perspektive auf die Erleichterung der Sanktionen geben, statt sie als schlichte Bestrafung aufzufassen. Die Sanktionen werden lange nachwirken. Deutschland und die EU müssen sich über ihre strategischen Ziele im Klaren sein. Also, was muss Russland tun, damit die Sanktionen erleichtert oder wieder aufgehoben werden? (Interview: Thomas J. Schmidt)

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