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Der Schriftzug "Goethe-Universität" prangt auf dem ehemaligen Campus Bockenheim am Eingang des Juridicums. Foto: Arne Dedert/Archiv

Bauprojekt

Frankfurter Kulturcampus: „Künstlerkolonie des 21. Jahrhunderts”

Acht Jahre nachdem die Idee geboren wurde nimmt der Kulturcampus im Frankfurter Stadtteil Bockenheim Formen an. Stadt und Land legten am Montag die Ergebnisse einer gemeinsamen Machbarkeitsstudie vor.

Acht Jahre nachdem die Idee geboren wurde nimmt der Kulturcampus im Frankfurter Stadtteil Bockenheim Formen an. Stadt und Land haben am Montag die Ergebnisse einer gemeinsamen Machbarkeitsstudie vorgelegt. Darin wurde geprüft, ob alle gewünschten Nutzungen auf dem früheren Gelände der Goethe-Universität Platz finden und wie sie am besten verteilt werden können.

Auf dem Gelände untergebracht werden sollen die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, zahlreiche kulturelle Institutionen und Wohnungen. Kunst- und Kulturminister Boris Rhein (CDU) nannte die Studie "die Initialzündung für den Kulturcampus". Das Projekt stehe auf einer Stufe mit dem Museumsufer. Frankfurts Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) entwarf das Bild einer "Künstlerkolonie des 21. Jahrhunderts" im Stile von Worpswede.

Baubeginn könnte nach Angaben des Landesbetriebs Bau und Immobilien Hessen 2021 oder 2022 sein. Ursprünglich sollte der Kulturcampus schon 2016 fertig sein. Die Idee entstand 2010 - seither wurde sie mehrfach verändert und verschoben. Ein Grund für die Verzögerung ist, dass der endgültige Umzug der Goethe-Universität auf den neuen Campus Westend länger dauert als geplant.

Zum Kulturcampus im weiteren Sinne gehört auch das Senckenberg-Gelände, das derzeit umgebaut und erweitert wird, und das Grundstück, auf dem der 2014 gesprengte AfE-Turm stand. Dort wird eine Mischnutzung aus Hotel, Wohnen, Büros und Kita realisiert. Die Machbarkeitsstudie bezieht sich allein auf die zwei restlichen Baufelder: das Gebiet, wo heute das Juridicum steht, und den Vorplatz des Bockenheimer Depots.

Für die Musikhochschule sind 30 000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche vorgesehen, für das "Zentrum der Künste" knapp 17 000 Quadratmeter, 13 000 für Wohnungen und 6000 Quadratmeter für Gewerbe. Die Wohnungen sollen zu einem Drittel öffentlich gefördert sein, wie Frank Junker, Geschäftsführer der ABG Frankfurt Holding, ankündigte. Zeitweise habe es so ausgesehen, als ob nicht all diese Nutzungen unter einen Hut gebracht werden könnten, sagte Junker. Die Machbarkeitsstudie habe bewiesen: "Das geht."

Um den Umzug der Musikhochschule war lange gerungen worden. Ein gewählter Präsident hatte aus Protest sein Amt nicht angetreten, zwei Jahre wurde Hessens einzige Musikhochschule von einer Interimsleitung geführt, seit wenigen Wochen ist mit Elmar Fulda nun ein neuer Präsident im Amt. Das Land stellt für den Neubau auf dem Kulturcampus 100 Millionen Euro aus dem Hochschulbauprogramm Heureka II zur Verfügung.

Um über die Finanzierung der anderen Institutionen zu sprechen, die zusammen das "Zentrum der Künste" bilden sollen, sei es noch zu früh, sagte Kulturdezernentin Hartwig am Montag. Unter anderem sollen das Frankfurt LAB, das Ensemble Modern und die Junge Deutsche Philharmonie auf den Kulturcampus ziehen. Die Machbarkeitsstudie sei "keine Festlegung", aber sie zeige "plausible Möglichkeiten".

Der Verein "Forum Kulturcampus" ging im Februar dieses Jahres davon aus, dass das städtische Kulturzentrum mit gut einem Dutzend Institutionen rund 35 Millionen Euro kosten wird. Ein Großteil soll über private Stiftungen eingeworben werden. Möglicherweise werden Teile des Kultucampus auch als Ausweichquartier der Städtischen Bühnen gebraucht. Bisher sei das nicht vorgesehen, sagte Hartwig, es sei aber "eine Option".

Beschlossene Sache ist der Umzug des Max-Planck-Instituts für Empirische Ästhetik, das derzeit am Grüneburgweg liegt. Es bekommt einen Neubau auf einem Grundstück am Rande des Kulturcampus; das Vorhaben wird vom Land mit 45 Millionen Euro gefördert. Für Neubau und Erweiterung der Senckenberg-Gebäude schießt das Land nach eigenen Angaben 70 Millionen zu.

Bevor der Kulturcampus Realität wird, muss noch einiges passieren: Das Planungsdezernat der Stadt muss die Pläne prüfen, die städtischen Gremien müssen über Projekt und Finanzierung entscheiden. Danach muss ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben werden. Derzeit geht das Ministerium davon aus, dass die Goethe-Universität 2021/22 die letzten Gebäude freigibt.

(dpa)

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