Fotograf Thomas Wunsch hat in Phnom Penh, Hauptstadt von Kambodscha, einen Zahlencode fotografiert. Jetzt ist er auf der Frankfurter Kunstsäule zu lesen.
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Fotograf Thomas Wunsch hat in Phnom Penh, Hauptstadt von Kambodscha, einen Zahlencode fotografiert. Jetzt ist er auf der Frankfurter Kunstsäule zu lesen.

Mysteriöse Zahlenreihe

Frankfurter Kunstsäule: Zahlencode lässt Betrachter rätseln

Ein Schriftzug in Khmer und die Zahlen 012 816 337 zieren die Frankfurter Kunstsäule in Sachsenhausen. Der Schriftzug gibt Rätsel auf.

Sachsenhausen -Die Zahlenreihe "012 816 337", ein sich darüber befindlicher Schriftzug in der kambodschanischen Amtssprache Khmer sowie ein Pfeil, der eine Laufrichtung anzuzeigen scheint, sind aktuell auf der Frankfurter Kunstsäule zu lesen. Jedes dieser typografischen Elemente und Zahlen ist in Schwarz abgebildet. Ansonsten ist die Fläche des ehemaligen Werbeträgers unweit des Brückenspielplatzes an der Brückenstraße/Ecke Gutzkowstraße, zumindest auf den ersten Blick vorwiegend weiß. Bei genauerer Betrachtung aber sind darauf zarte Linien auszumachen, unregelmäßige Spuren in der Fläche, die das Dargestellte als die Abbildung einer Wand erkennen lassen.

Grundlage der abstrakten Komposition ist eine Fotografie des Wiesbadeners Thomas Wunsch, die 2019 in Phnom Penh, der Hauptstadt von Kambodscha, entstanden ist. Diese ist Teil seiner Serie "Code" und wurde von Florian Koch und Daniel Hartlaub, den beiden Initiatoren und Kuratoren der Frankfurter Kunstsäule, für die aktuelle Sommer-Ausstellung ausgewählt. Dreimal im Jahr wird der ehemalige Werbeträger durch Künstler gestaltet. Die aktuelle Präsentation ist bereits die vierzehnte Ausstellung. Sie ist drei Monate zu sehen.

Zahlenreihe auf Kunstsäule in Frankfurt: Weitreichendes Kunstprojekt

Es ist nicht die erste Zusammenarbeit zwischen dem Fotografen und dem Kurator der Frankfurter Kunstsäule Florian Koch. "Wir haben uns vor vielen Jahren bei einer Veranstaltung im Mousonturm kennengelernt, und Florian hat daraufhin Arbeiten von mir im Frankfurter Kunstblock gezeigt", sagt Wunsch. Dabei handelt es sich um eine frühere, von Koch kuratierte Ausstellungsreihe in der Stadt. Seit 2000 konzentriert sich Wunsch auf künstlerische Fotografie, zuvor arbeitete er vorwiegend als Modefotograf für Magazine und Modeunternehmen. Er hatte ein eigenes Fotostudio in Hamburg, war auch mehrere Jahre als Standfotograf für ein Filmstudio in den USA tätig und hat internationale Größen wie den Dalai Lama, Sting oder Yoko Ono portraitiert.

"Vor 21 Jahren habe ich meine kommerzielle Tätigkeit beendet, um mich ganz auf die abstrakte Fotografie zu konzentrieren", erzählt Wunsch. Die abstrakte Kunst entdeckte er bereits während eines Studiums der Kunstgeschichte. Ihn faszinieren, wie er erzählt, besonders die abstrakt arbeitenden Künstler der 1950er und 1960er Jahre wie der Franzose Pierre Soulages, der ein Meister der nicht-gegenständlichen Kunst ist. Soulages gehört zu jenen abstrakten Malern, die in ihren Darstellungen vorwiegend auf Schwarz zurückgreifen und den Nuancenreichtum des eigentlich als Nicht-Farbe deklarierten Tons sichtbar machen.

"Ich dachte, warum nicht die Prinzipien der abstrakten Malerei in mein Medium der Fotografie übertragen", sagt Wunsch. Schwarz und Weiß sind auch für ihn die dominierenden Töne in den abstrakten Kompositionen seiner Fotografie. Die Faszination für Schwarz reiche in seinen eigenen Alltag hinein, so Wunsch, der sich ausschließlich in diesem Ton kleidet. Im Jahr 2000 habe er mit den ersten fotografischen Experimenten begonnen, damals noch analog, bevor er sich die digitale Fotografie zunutze machte. "Seit sechs Jahren verwende ich zusätzlich typografische Elemente und Zahlen", fügt er hinzu. Die Motive findet er in der Realität, ausschließlich im urbanen Raum, wie die Zahlenreihe mit dem Khmer-Schriftzug aus Phnom Penh. Ihre Bedeutung ist für den Betrachter nicht zu entschlüsseln.

Frankfurter Kunstsäule

Infos im Internet: www.frankfurter-kunstsaeule.de oder www.wunsch-photography.com

Wunsch kennt die pulsierenden Metropolen dieser Welt, war schon viel in Europa, Asien oder den USA unterwegs. Seine Arbeiten werden international ausgestellt und waren bereits in den USA, Kanada, Japan, China, Europa und Südkorea zu sehen. 2001 begann er eine Kooperation mit dem Münchner Plattenlabel ECM, das seitdem seine Fotografien für CD-Coverfotos nutzt. (Alexandra Flieth)

Im September 2020 zierten Werke von Xue Liu die Kunstsäule. Auch dieses Projekt sorgte für Aufsehen.

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