Nur eine Person auf diesem Foto trägt Maske. Eigentlich herrscht am Eisernen Steg zwischen 8 und 22 Uhr Maskenpflicht, so wie überall zwischen Sachsenhausen und dem Alleenring. Die meisten Frankfurter, die es im frühlingshaften Wetter nach draußen zieht, kümmert es nicht mehr.
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Nur eine Person auf diesem Foto trägt Maske. Eigentlich herrscht am Eisernen Steg zwischen 8 und 22 Uhr Maskenpflicht, so wie überall zwischen Sachsenhausen und dem Alleenring. Die meisten Frankfurter, die es im frühlingshaften Wetter nach draußen zieht, kümmert es nicht mehr.

Pandemie

Corona-Müdigkeit – Frankfurter lassen immer häufiger die Masken fallen

  • vonSabine Schramek
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In Frankfurt hält Sorglosigkeit bei der Einhaltung der Corona-Regeln Einzug. Insbesondere die Maskenpflicht wird vernachlässigt. Auch der Abstand wird teilweise nicht eingehalten: Die Polizei hat viel zu tun.

Frankfurt – Die Maskenkontrollen in Straßen und Anlagen, die in der Pflichtzone zwischen Sachsenhausen und Alleenring liegen, werden wieder verschärft. Solange es eisig kalt war, waren Masken allgegenwärtig. Es fiel unangenehm auf, wenn Mund und Nase nicht bedeckt waren. Jetzt ändert sich das Bild mitsamt der Einstellung. Die Polizei hat viel zu tun.

Die Farbe auf dem Dashboard vom Robert Koch Institut steht für Frankfurt auf Orange. Das bedeutet alles andere als Entwarnung bei einer Inzidenz von 74,8 Fällen (Stand gestern) und 571 positiv getesteten innerhalb der letzten sieben Tage. Am 23. Februar lag die 7-Tage-Inzidenz noch bei 54,8 Fällen - am vierten frühlingshaft warmen Tag. Das Wetter lockt die Leute an die frische Luft, die Zahlen steigen, der Wettlauf im Wahlkampfmonat über Lockerungen in Hessen steigt parallel. In Parks, Grünstreifen auf Platzen, an sonnigen Straßenecken und am Main scheinen die Aussichten auf mehr Freiheiten - trotz steigender Zahlen - bereits als Tatsache betrachtet zu werden. In die Sonne zu blinzeln, Vitamin D zu tanken, Sport zu treiben und zu chillen ist angesagt. Am liebsten ohne Maske.

Corona in Frankfurt: Mainufer voller Menschen

Das Mainufer ist voller Menschen. Fußgänger weichen rasenden Radlern aus, E-Scooter-Fahrern, Inlineskatern und Joggern, die dicht und schnaufend an Familien mit Kindern vorbeisausen. Grüppchen lustwandeln durch die Palmenhaine am Main Nizza oder direkt am Wasser. Dort, wo die Sonne scheint, ohne Maske. "Wie sieht denn das aus, wenn wir Bikinistreifen im Gesicht haben", kichert ein Teenager. "Außerdem wird die Maske schnell feucht, wenn es heiß ist", fügt sie hinzu.

Die Wiesen werden stündlich voller, Leute setzen sich in Gruppen auf Decken, packen Picknick aus oder legen sich dicht an dicht, Köpfe auf den Beinen ihrer Begleiter, all das in großen Runden. Polizeistreifen sind am Main in der Mittagssonne Fehlanzeige. Die wenigen Maskenträger schütteln ungläubig den Kopf. "Corona ist wohl ausgestanden", stellt ein Ehepaar fest, das mit seinem Hund Gassi geht. "Hier ist es schön, man kann aufs Wasser schauen und sich wie im Urlaub fühlen. Die Leute tragen zwar nur noch im Schatten Maske, aber wir wollen und müssen auch raus in die Sonne. Es wird schon nichts passieren", trösten sie sich laut. Es ist ein merkwürdiges Bild, denn tatsächlich tragen auf der Sachsenhäuser Seite die Leute noch Maske, aber auch nur, solange die Sonne nicht aufs südliche Ufer strahlt.

Corona in Frankfurt: "Es wird schon nichts passieren"

Am Liebfrauenberg ist bereits am späten Nachmittag wieder Partystimmung bei Essen und Trinken, Küsschen, Umarmungen und angeregten Gesprächen ohne Maske. Die Szenen erinnern an den Sommer, der im Lockdown mündete. Abstand halten scheint ein Fremdwort zu sein, Masken hängen bestenfalls unterm Kinn oder am Jackenärmel. Am Kaiserplatz stehen Geschäftsleute Schlange für Kaffee und Muffins und plaudern seelenruhig in Gruppen ohne Maske mitten auf dem Bürgersteig.

Auf der unteren Bergerstraße ist die Stadtpolizei mit vier Mann unterwegs. Sie kontrollieren Geschäfte und den Weinladen, vor dem ein kleines Wartetischchen mit einem Gerippten und einem Aschenbecher steht. Wein gibt es nur in geschlossenen Flaschen, die Streife ist zufrieden, als sie mitbekommt, dass der Aschenbecher für Abfall ist und kein Wein in Gläsern ausgeschenkt wird. Sie halten einige Leute auf, die keine Maske tragen, kontrollieren Ausweise und kündigen Bußgelder per Post an. Wer die Streife aus Entfernung sieht, zieht schnell eine Maske über Mund und Nase und zieht sie wieder ab, sobald sie außer Sichtweite sind. Vor einem Café am Merianplatz stehen Durstige Schlange. Mit Maske. Der Abstand voneinander wächst, als die Uniformen erkennbar sind.

Corona in Frankfurt: Polizei intensiviert Kontrollen

Sowohl die Polizei als auch die Stadtpolizei haben mit den Maskenverweigerern jede Menge zu tun. Die Stadtpolizei nutzt alle personellen Ressourcen, um die Einhaltung von AHA-Regeln zu überwachen und notfalls durchzusetzen. "Wegen zu großer Menschenansammlungen und fehlenden Abständen mussten letzten Freitag der Platz hinter der Kleinmarkthalle und am Sonntag mit der Landespolizei der Sportbereich im Hafenpark gesperrt werden", so ein Sprecher des Ordnungsamtes.

Die Pressestelle der Frankfurter Polizei bestätigt die Unachtsamkeit der Leute. "Leider beobachten auch wir, dass es Menschen gibt, die sich nicht an die Verordnungen halten. Darum haben wir die Kontrollmaßnahmen noch einmal intensiviert. Der kommunikative Ansatz steht im Vordergrund, aber Verstöße werden überprüft und gegebenenfalls sanktioniert." (Sabine Schramek)

Nicht nur in der Stadt, auch am Flughafen Frankfurt gibt es immer wieder Ärger wegen der Maskenpflicht. Zuletzt wurde es für einen Passagier aus Russland richtig teuer.

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